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Frankreichs Parlaments-TV : Dornröschen wurde wachgeküsst

Der Abgeordnete Louis Boyard im französischen Parlament Bild: dpa

Frankreichs Parlamentssender waren einmal Außenseiter. Jetzt sind sie die Avantgarde des öffentlich Rundfunks. Sie zeigen die lebendige Demokratie.

          5 Min.

          Es waren Sternstunden in Me­dienkunde. Wochenlang dauerten im vergangenen Winter die Hearings des französischen Senats zur Konzentration im Verlagswesen. Die vorgeladenen Medientycoons äußerten sich mit entlarvender Nonchalance. Bernard Arnault, Eigentümer des Luxusgüterkonzerns LVMH und der führenden Zeitungen „Les Echos“ und „Le Parisien“, sagte, er wisse gar nicht, ob seine Manager auch noch den Kauf von „Paris Match“ und des „Journal du Dimanche“ geplant hätten. Von seinen opulenten LVMH-Anzeigen leben viele Medien. Dass er Anzeigenschaltungen bei „Libération“ gestoppt hatte, begründete Arnault mit einem Artikel über den Film, den ihm der Journalist François Rufin gewidmet hatte: „Merci, Patron“.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Drei Jahre lang war Rufin bei den Recherchen über den reichsten Franzosen observiert worden. Die Regie bei der Überwachung des Dokumentarfilmers führte der frühere Chef des innenpolitischen Geheimdiensts, Bernard Squarcini. Nachdem Nicolas Sarkozy 2012 den Präsidentschaftswahlkampf gegen François Hollande verloren hatte, musste Squarcini seinen Hut nehmen. Seither arbeitet er als Sicherheitsberater von Arnault. Ein Verfahren gegen Sarquini wurde gegen die Bezahlung von 10 Millionen Euro eingestellt. Das Geld kam von LVMH. Den Abgeordneten sagte Arnault: „Damit ha­ben wir nichts zu tun.“ Rufin sah das anders. „Arnault kauft die Polizei und die Justiz“, sagte er.

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