https://www.faz.net/-gqz-adjyp

Islamisten in Frankreich : Hunderttausend Hassnachrichten

Bei der Verhandlung: Mila, die von Islamisten nach wie vor verfolgt wird Bild: AP

Als sie sechzehn war, kritisierte Mila im Internet den Islam. Sie wurde mit Todesdrohungen überhäuft. Die Täter erhalten milde Strafen. Mila indes findet nicht mal beim Militär Schutz.

          4 Min.

          Kann der französische Rechtsstaat die Kinder der Internet-Generation vor Cybermobbing schützen? Nach dem Urteil in der Affäre Mila lautet die Antwort: jein. Elf Franzosen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren sind vom Pariser Strafgericht zu Bewährungsstrafen zwischen vier und sechs Monaten wegen „Belästigung in den sozialen Netzwerken“ verurteilt worden. Sie hatten Mila, eine damals sechzehn Jahre alte Schülerin, mit Hassbotschaften und Todesdrohungen überhäuft, nachdem diese in einem Video mit Kraftausdrücken über den Islam geurteilt hatte. „Ich hasse Religion“, sagte sie in ihrer Instagram-Aufzeichnung, „im Koran steckt nichts als Hass“ und „eure Religion ist Scheiße“.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auf den Shitstorm, den sie damit auslöste, war der Teenager nicht gefasst. Laut Milas Anwalt Richard Malka erhielt sie mehr als hunderttausend explizite Hassnachrichten. Während der zweitätigen Gerichtsverhandlung in Paris hatten die Angeklagten gestanden, Urheber der Nachrichten gewesen zu sein. Sie stritten aber zugleich ab, als Teil einer Einschüchterungskampagne agiert zu haben. „Soziale Netzwerke sind wie die offene Straße“, mahnte der Vorsitzende Richter Michaël Humbert bei der Urteilsverkündung. „Wenn Sie jemanden auf der Straße treffen, würden Sie ihn auch nicht beleidigen, bedrohen oder sich über ihn lustig machen.“ Das Gericht verurteilte die Angeklagten zudem dazu, jeweils 1500 Euro Entschädigung zu zahlen sowie Gerichtskosten von je tausend Euro zu übernehmen. Ein Angeklagter wurde mangels Beweisen freigesprochen, ein weiterer wurde wegen eines Verfahrensfehlers nicht belangt.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          „Komplette Ablehnung von Bitcoin in El Salvador“: Demonstration gegen den Bitcoin in San Salvador

          Unsichere Anlage : Nicht vom Bitcoin narren lassen!

          Die Verheißungen der populärsten Krypto-Anlage sind unerfüllbar, seine Makel werden unterschätzt. Warum der Bitcoin mehr Spuk als Spielerei ist und auch in der Nachhaltigkeit versagt. Ein Gastbeitrag.
          Ein Zuhause auf der Obstwiese: Tiny Houses sparen Fläche und Ressourcen. Die dünnen Wände gut und nachhaltig zu dämmen, ist aber nicht so einfach.

          Tiny Houses : Klein heißt nicht gleich sparsam

          Es gilt als Inbegriff des nachhaltigen Wohnens: das Tiny House. Doch ist das Leben auf engstem Raum wirklich so ökologisch wie sein Ruf?