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Frank Plasberg : Gespür für Risse

  • -Aktualisiert am

Von heute an im Ersten: Plasberg Bild: dpa

Der Mann macht alles richtig, und eines seiner Geheimnisse ist, wie er es schafft, dass er dabei wie ein freundlicher Revoluzzer wirkt und nicht wie ein kalkulierender Biedermann. Heute abend gibt Frank Plasberg sein Talk-Debüt im Ersten. Von Stefan Niggemeier.

          Am Mittwoch vor einer Woche war Frank Plasberg auf seiner kleinen PR-Tournee bei Stefan Raab angekommen und sprach mit ihm über die Sendung von Johannes B. Kerner, in der er am Dienstag zu Gast war. Raab war ein bisschen enttäuscht von Plasberg: „Das wäre eine Super-Promo gewesen, wenn Sie Kerner aus seiner eigenen Talkshow geschmissen hätten.“ In der Tat. Aber die Freude macht er einem nicht. Er weiß, wann Schluss ist, leider. „Timing-Gefühl“, sagte er nur ganz überlegen auf Raabs Frage, warum er nicht noch mal nachgefasst habe, als Kerner ihm aus den Fingern glitschte.

          Plasberg hatte Kerner in Bezug auf die Sendung mit Eva Herman bedeutungsschwanger gefragt, ob er nicht auch einen Fehler gemacht habe und ob er alles noch mal wieder genauso machen würde. Und Kerner schaltete um auf Aal und sagte (das könne er ihm gerne mal bei anderer Gelegenheit / natürlich alle immer Fehler / im Fernsehen, aber überhaupt / gehen sehr kritisch mit uns selbst / Sie doch sicher auch) nichts. Und Plasberg fragte nicht nach. Dabei hätte nicht nur Raab das gerne erlebt. Aber natürlich hat Plasberg recht. Dass Kerner nackt war, hatten nun alle gesehen. Er musste nicht noch draufzeigen und Fotos machen.

          Er bricht Konventionen

          Dieses Gespür dafür, wie man vorhandene Risse sichtbar macht, ohne mit dem Finger drin zu pulen, zeichnet Plasberg aus. Ein Interview wie das des BBC-Journalisten Jeremy Paxman, der dem damaligen Innenminister Michael Howard vor zehn Jahren zwölfmal dieselbe Frage stellte, die der genauso oft nicht beantworten wollte, ist bei ihm undenkbar. Und noch etwas zeigen die vielen Gespräche mit Plasberg zum Wechsel von „Hart, aber fair“ ins Erste (heute abend, 21.45 Uhr): Wie geschickt er darin ist, die Konventionen seines Berufes zu brechen, nur ein bisschen.

          Dem „Focus“ hat er erzählt, dass er bei der letzten Landtagswahl CDU gewählt habe, was ja undenkbar ist: Ein politischer Journalist sagt, was er wählt! Dem brav schockierten Kerner erwiderte Plasberg, er fände es „zum Kotzen“, dass man so was nicht machen dürfe und Leute wie er in Deutschland eigenschaftslos sein sollten. Dabei ist Plasbergs Bekenntnis wunderbar abgefedert: Nach fast vierzig Jahren SPD-Herrschaft hätte das Land „mal eine politische Sauerstoffdusche gebraucht“. Auch mit dem Satz, in spätestens fünf Jahren wolle er mit „Hart, aber fair“ aufhören, verstieß Plasberg gegen ein ungeschriebenes Gesetz. Aber auch dem hatte er gleich hinzugefügt: „Wenn ich mich später doch anders entscheide, dann gehe ich eben wie Carpendale auf ewige Abschiedstournee.“

          Der Mann macht alles richtig, und eines seiner Geheimnisse ist sicher, wie er es schafft, dass er dabei wie ein freundlicher Revoluzzer wirkt und nicht wie ein kalkulierender Biedermann.

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