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„Elstners Reisen“ im SWR : Ihn laust der Affe

Echte Nähe: Frank Elstner und Mamat Bild: SWR/Christian Ehrlich/DOCMA TV

Frank Elstner bewegt sich mit Ehrlichkeit in einem Genre, das vor verlogener Gefühlsduselei sonst häufig nur so strotzt: Auf SWR-Expedition in Indonesien geht es ihm um Schutz und Wiederansiedlung von Orang-Utans.

          Eigentlich gibt es wenig Schrecklicheres als Tierfilme, in denen Menschen Sätze sagen wie: „Sind die süß!“, wilde Kreaturen streicheln, ihnen Fläschchen geben und anschließend zu Protokoll geben, diese intensive Berührung mit der Natur habe ihnen fast die Tränen in die Augen getrieben. Zumal wenn solche Sätze von ausgewachsenen Männern stammen, unter denen sich ein Prominenter befindet. Es ist also ein kleines Wunder, dass Frank Elstners Reise nach Indonesien, wo er „die Retter der Orang-Utans“ trifft und all das vor der Kamera tut, was sonst kaum anzuschauen ist, sich sogar bestens ansehen lässt.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Denn der Moderator bewegt sich mit Ehrlichkeit in einem Genre, das vor verlogener Gefühlsduselei sonst häufig nur so strotzt. Wenn Frank Elstner in einer Art erweiterter Zoodoku auf die Herzen seiner Zuschauer zielt, dann weil er sich selbst hat emotional einfangen lassen. Und wenn er sich freut, dass ihm ein Orang, den er auf seinem Weg zur Auswilderung in Borneo begleitet, sein Vertrauen schenkt, dann weil Elstners Zugang zur Welt eben die persönliche Begegnung ist - sei es nun die mit Menschen- oder Tierpersönlichkeiten. Solche Begegnungen gaben auch die Anstöße für „Elstners Reisen“. Als vor einigen Jahren der Zoodirektor und Papageienforscher Matthias Reinschmidt in Elstners Sendung „Menschen der Woche“ zu Gast war, drehten sie zusammen anschließend im brasilianischen Urwald. Nun begleiteten der Moderator und Reinschmidt einen anderen Studiogast mit Mission: den Tierschützer Willie Smits.

          Seit mehr als zwanzig Jahren widmet sich der gebürtige Niederländer Smits dem Schutz und der Wiederansiedlung von Orang-Utans und anderer bedrohter Tierarten auf Indonesien. Im Zoologischen Garten von Jakarta hat er ein Primatengehege aufgebaut, das Maßstäbe setzt: Hier ist das Freigelände so groß, dass sich sechs Gorillas von den Pflanzen, die in ihm wachsen, ernähren könnten. Hier beginnt auch Frank Elstners Reise. Denn in Jakarta werden jedes Jahr Dutzende Orang-Utans beschlagnahmt, die illegal als Haustiere gehalten werden. Smits, der die indonesischen Forstbehörden berät, wildert aus, so viele er kann. 485 waren es bisher. Fit für die Wildnis macht er die Menschenaffen in seiner Station auf Borneo, wo Elstner erlebt, wie die Tiere Schritt für Schritt ihren Weg in den Wald finden.

          Smits ist ein Affenflüsterer. Ihm sind die Orangs keine Tiere, sondern Freunde; er spricht mit ihnen. Elstner tut es ihm bald gleich. Smits wird von Wildtierhändlern mit dem Tod bedroht, weil seine Arbeit so erfolgreich ist. Mehr als diesen Erfolg will Elstner nicht zeigen. Dafür nimmt er erstaunliche Uneitelkeiten in Kauf. Schweißüberströmt steht er nach der erfolgreichen Auswilderung im Regenwald, ein alter Mann mit einem Auge, wie er sagt, und ergänzt: „Das ist einer der schönsten Momente in meinem Leben.“

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