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Hollande in Not : Der Präsident redet sich die Welt schön

Die Welt als Wille und Vorstellung: Ob Francois Hollande selbst glaubt, was er im Fernsehen verkündet? Bild: Reuters

In einer Live-Sendung im Fernsehen vermittelt François Hollande den Eindruck, alles sei in bester Ordnung. Er sei sich sogar mit Angela Merkel einig. Jetzt muss Frankreich nur die EM gewinnen.

          „Das ist ja wohl ein Witz?“ Der Einwand, den Léa Salamé in der Live-Sendung mit Präsident François Hollande formulierte, wurde von seiner Entourage und vielen Zuschauern als Majestätsbeleidigung empfunden. So spricht man nicht zu einem Präsidenten, der zum Volke spricht. Aber vielleicht wollte die neue Starjournalistin, die kein Feigenblatt vor den Mund nimmt, auch nur frivole Gerüchte dementieren. Diese zirkulieren, seit bekannt wurde, dass sie kürzlich zweimal zum Diner in den Elysée geladen worden war. Einladungen ins öffentlich-rechtliche Fernsehen jedenfalls wird sie zum Interview mit dem Monarchen sicher keine mehr bekommen.

          Hollande und Merkel in allem einig?

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Als Witz empfand Léa Salamé dessen Aussage, in der Flüchtlingspolitik verträten Angela Merkel und er die gleiche und gemeinsam erarbeitete Position. Zumindest zuhause durfte gelacht werden. Die ganze Sendung war ein Witz. Michel Field, dem Informationschef des Senders France 2, hat sie ein Misstrauensvotum der Redaktion eingebracht. Denn eigenmächtig hatte Field, ob auf Geheiß von Hollandes Kommunikationsberatern oder aus Instinkt, zwei Vertreter der Zivilgesellschaft, die den Präsidenten ebenfalls befragen sollten, ausgeladen.

          Es geht wirklich alles besser?

          Ein Jahr vor der Wahl geht es Hollande darum, den „Dialog mit den Franzosen“ zu erneuern. „Es geht besser“ war das Leitmotiv seiner Botschaft in der Sendung. Den Befund teilten gerade mal siebzehn Prozent der befragten Zuschauer. Den anderen kam Hollandes Ansage wie ein schlechter Scherz vor. Als er in den Tagen danach zu seinen katastrophalen Beliebtheitswerten befragte wurde, soll Hollande dem „Figaro“ zufolge Journalisten gesagt haben: „Ihre Gebete sind willkommen“.

          Und offensichtlich wurden sie erhört. Seither häufen sich gute Nachrichten. Es begann mit dem Milliarden-U-Boot-Deal auf Kosten der Deutschen und dank geschickter Verhandlungen französischer Diplomaten in Australien. Dann kam die fast noch wunderbarere Meldung, dass der Luxusunternehmer und Kunstsammler François Pinault einen Teil seiner Schätze aus Venedig zurückholt und in Paris, das er im Streit verlassen hatte, ein Haus für sie bekommt. Weiter ging es mit mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit. Nun zeichnet sich eine Lösung ab im Konflikt um die Arbeitslosenabsicherung der freien Kulturschaffenden. Hollande scheint sich gar auf die Erneuerung des Bündnisses zwischen der Linken und der Kultur zu besinnen. Die Magie der Medien geht inzwischen offensichtlich so weit, dass sie nicht mehr die Realität abbilden, sondern die Wirklichkeit sich nach ihren Vorstellungen zu verändern scheint. Fromme Wünsche werden formuliert, blaue Wunder geschehen: Wenn Frankreichs Fußballer „les Bleus“ im Juni wie 1998 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land Europameister werden, kann man jetzt schon auf Hollandes Wiederwahl setzen.

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