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Fragen Sie Gottschalk : Warum machen Sie als Juror bei „Das Supertalent“ mit?

  • Aktualisiert am
Wie ein Dompfarrer, der noch einmal in die Mission geht: Thomas Gottschalk mit Michelle Hunziker und Dieter Bohlen als Juror der Castingshow „Das Supertalent“
          2 Min.

          Wieso sind Sie Juror bei „Das Supertalent“ auf RTL? Ich habe Sorge, meine hohe Meinung von Ihnen in Frage stellen zu müssen.
          Josi Adam (14), Frankfurt

          Ich als großer Fan von Ihnen frage, warum Sie Ihr in vielen Jahrzehnten angesammeltes monumentales Image nun gleichsam mit dem Vorschlaghammer in der Sendung „Supertalent“ an der Seite von Dieter Bohlen zertrümmern? Machen Sie das bewusst?
          Edeltraud Dudek, Eschborn

          Thomas Gottschalk: Bevor ich von den Lesern dieser Kolumne als Träger des Lichtes akzeptiert werde, muss ich mich wohl erst von den Dämonen der Finsternis lossagen. Aber Josi und Edeltraud sind nicht die Ersten, die wissen wollen, welcher Teufel mich geritten hat, beim „Supertalent“ alles, was ich mir in einem Vierteljahrhundert öffentlich-rechtlichen Wohlverhaltens an Zustimmung erworben habe, an der Seite dieses „unsäglichen Herrn Bohlen“ nun auf einen Schlag zu verspielen.

          Seien Sie unbesorgt, ich habe mir das gut überlegt. Es ging mir wie dem Dompfarrer, der, nachdem er Jahr um Jahr in die frommen Gesichter der bereits Bekehrten gepredigt hat, zu dem Entschluss kam, noch einmal in die Mission zu gehen. Nach dem Weihrauch des Hochamtes noch mal der rauhe Wind der Diaspora. Und ich kann Sie beruhigen, die Heiden, die mir dort begegnen, sind besser als ihr Ruf. Klar, sie johlen bei Bohlen, aber sie werden auch ganz andächtig, wenn ein Büroangestellter im unvorteilhaft engen Strickpulli plötzlich die große Schluss-Arie des Scarpia aus Puccinis „Tosca“ anstimmt. Da gibt es schnell mal Standing Ovations für jemanden, der 15 Sekunden den Ton halten kann, und die Andacht legt sich auch schnell wieder. Aber ich lass’ mir die Genugtuung nicht nehmen, dass da eben ein paar Zuschauer ein paar Momente lang etwas mitbekommen haben, was sie sonst nirgendwo gefunden hätten, weil sie es nie gesucht haben. Ich weiß, dass diese Glücksmomente kurz sind, aber es gibt sie. Und es gibt sie viel öfter, als man vermutet, davon konnte ich mich inzwischen überzeugen, denn im Gegensatz zu vielen Kritikern des „Supertalents“ habe ich dort über die ganze Distanz eingesessen.

          Es gehört zum guten Ton, dieses Format, trotz oder gerade wegen seines Erfolges, furchtbar zu finden. Aber das ist moderne Fernsehunterhaltung, wie sie beim jugendlichen Zuschauer, und nur dem läuft das Fernsehen derzeit nach (ein Unding, das wir an dieser Stelle demnächst gerne ausführlicher diskutieren können), ankommt. Falls er überhaupt noch fernsieht.

          Ich musste mich den Quoten des „Supertalents“ in den letzten Jahren als „Wetten, dass ..?“-Moderator immer wieder geschlagen geben. Ein Umstand, den mir auch jene immer genüsslich vorgehalten haben, die jetzt barmen, wie es mich dorthin verschlagen konnte. Aber gegen seinen Willen wird dort niemand mehr „vorgeführt“, auch ich nicht. Allerdings habe ich die Anzahl derer unterschätzt, die sich mit großer Begeisterung ausbuhen lassen, nachdem sie sich zuvor in noch größerer Selbstüberschätzung vor die Kamera gedrängt haben. Hier gehe ich eher von einer pädagogisch heilsamen Wirkung auf Kandidat und Zuschauer aus. Und gebe die Hoffnung nicht auf, dass mir dort, irgendwann, ein wirkliches, bewegendes Talent in die Arme läuft. Ein Ort, wo das möglich ist, kann kein ganz schlechter sein. Denn auf der Bühne steht immer einer, „... der strebend sich bemüht“, und den können wir, mit Faust, „erlösen“. Mit diesem Goethewort winke ich meinem Mitkolumnisten zu, den ich immer an meiner Seite wusste und der mich nun sogar auf seiner Seite duldet. Ich werde mich bemühen.

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