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IS-Propagandavideos : Hinsehen, wegsehen

  • -Aktualisiert am

Die jordanische Königin Rania hält bei einer Solidaritätskundgebung ein Foto des Piloten Muaz al-Kasabeh hoch, den IS-Terroristen verbrannt hatten. Bild: Getty

Immer perfekter dreht der IS seine Hinrichtungsvideos – und kalkuliert auch Reaktionen ein. Sollen Medien das zeigen?

          Sie haben das Video, das zeigt, wie der jordanische Pilot Muaz al-Kasasbeh bei lebendigem Leib verbrannt wird, schon auf der Startseite verlinkt und bereits hier mit einem besonderen Hinweis versehen. „Extremely graphic video“, äußerst drastisches Video, steht in roten Versalien da. Das soll vielleicht ein Warnhinweis sein. Es funktioniert aber auch als Werbehinweis. So deutlich ist keiner der vielen anderen Links auf der Startseite von Foxnews.com hervorgehoben. Die auffällige Markierung, die vorgeblich verhindern soll, dass jemand versehentlich darauf klickt – sie schreit geradezu danach, geklickt zu werden.

          Das ist natürlich die einfachste Erklärung, warum Fox News, der konservative amerikanische Nachrichten- und Propagandasender von Rupert Murdoch, das Isis-Video in voller Länge von 22 Minuten auf seiner Internet-Seite veröffentlicht hat: die Steigerung der Klickzahlen. Keine andere größere Nachrichtenseite hat das sonst getan. Wer sich das Video ansehen will, muss also keine dubiosen Quellen in entlegenen Ecken des Netzes absuchen. Auch Islamisten verlinken zu Fox und freuen sich öffentlich, dass es nun einen Ort gibt, wo das Propagandavideo nicht entfernt wird – anders als bei Twitter oder Youtube.

          Video kommt Fox durchaus gelegen

          Nach der Enthauptung von James Foley hatte die Polizei in Großbritannien noch gewarnt, dass das Ansehen oder Teilen solcher Videos eine Straftat darstellen könne. Und Innenminister Thomas de Maizière hatte nach den Anschlägen von Paris noch an Unternehmen wie Youtube appelliert, solche Gewaltvideos und „Botschaften von Dschihadisten“ zu löschen.

          Eine andere Erklärung für das Verhalten von Fox News ist eine politische: Wenn den Amerikanern gezeigt wird, wie weit es die Islamisten treiben können, wie ungestört sie ihre Opfer ermorden und diese Ermordung auch noch technisch perfekt medial aufbereiten – perfekter als die Videos des amerikanischen Militärs, wie Fox-News-Moderator Shepard Smith bei der Beschreibung des Videos im Programm gleich sagte –, dann wird ihnen auch vorgeführt, wie sehr Präsident Barack Obama angeblich versagt hat. Der bei Fox News verhasst ist. Wenn man das Video als Provokation der Terroristen auch an die amerikanische Regierung interpretiert, kommt das Fox News durchaus gelegen – und wird vom Sender als Munition genutzt.

          Die Veröffentlichung des Videos im Original – ungekürzt, ohne jede Einordnung oder Erklärung – ist ein Tabubruch. Malcolm W.Nance, ein Terrorismusexperte, der für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet hat, sagte dem „Guardian“: „Fox News arbeitet dadurch im wörtlichen Sinne für die Medienabteilung von AlQaida und Isis. Die könnten ihnen im Grund Honorare dafür überweisen.“ Auch der eigene Medienexperte von Fox News, Howard Kurtz, äußerte im Programm vorsichtig Vorbehalte gegen die Veröffentlichung: „Ich mache mir Sorgen, dass wir dabei behilflich sind, die Angst zu verbreiten, die Isis so dringend verbreiten will.“

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