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Anonymisierungsnetzwerk : Forscher wollen Großteil der „Tor“-Nutzer enttarnen können

  • Aktualisiert am

Da hilft auch kein Hoodie: Fast alle Tor-Nutzer, behaupten Forscher, lassen sich enttarnen Bild: Picture-Alliance

Vergangene Woche gelang es internationalen Ermittlern angeblich, das Anonymisierungsnetzwerk „Tor“ zu knacken. Nun behaupten Forscher, mit einer Router-Software über achtzig Prozent seiner Nutzer enttarnen zu können.

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          Die Betreiber des Anonymisierungsnetzwerks Tor haben momentan wenig Grund zur Freude. Erst vergangene Woche war es einer Gruppe amerikanischer und europäischer Ermittler gelungen, mehrere Webadressen zu enttarnen, die Tor als Deckmantel verwenden, und neben anderen illegalen Diensten den virtuellen Drogenumschlagplatz „Silk Road 2.0“ abzuschalten. Bislang ist unklar, wie die Ermittler „Tor“ knacken konnten, und naturgemäß blieben sie in der Sache eher schweigsam.

          Nun aber hat eine Forschergruppe um den Computerwissenschaftler Sambuddho Chakravarty eine weitere Sicherheitslücke entdeckt, mit der sich nach ihren Angaben über 80 Prozent aller Tor-Nutzer identifizieren lassen.

          Entschlüsselung mit Routern von Cicso

          Chakravarty machte sich nach einem Bericht in der „International Business Times“ eine Eigenheit von Routern der Firma Cisco zunutze. Diese sind mithilfe einer bestimmten Software in der Lage, Internet-Traffic zu analysieren und verschiedenen Typen zuzuordnen. Charkravarty hat nun selbst versucht, gewisse Muster in den Datenverkehr einzuschleusen, zum Beispiel die HTML-Datei einer Website, die Tor-Nutzer aufrufen. Anschließend gelang es ihm, die Router-Einträge nach diesen Mustern zu durchsuchen und so die IP-Adresse des Tor-Nutzers herauszufinden.

          Tor funktioniert nach dem Prinzip der Dezentralisierung. Webtraffic wird nicht direkt zum Nutzer durchgeleitet, sondern über mehrere Relais. Jedes Relais hilft dabei, den Traffic stärker zu verschleiern, und erschwert es Angreifern, seinen Herkunfts- und Bestimmungsort zu erkennen. 

          Experten sind nicht überrascht

          Mitarbeiter von Tor haben in einem Blogeintrag betont, Chakravarty sei in seinen Annahmen zu optimistisch. Die Sicherheitslücke sei schon länger bekannt, und die Trefferquote von Chakravartys Methode liege weit unter achtzig Prozent – es sei denn, ein Angreifer kontrolliere große Teile des Internets.

          Auch Sicherheitsexperten zeigten sich wenig überrascht. Kevin Johnson, Chef des Sicherheitsunternehmen SecureIdeas, sagte, man könne nicht davon ausgehen, dass Tor per se Anonymität garantiere. Sobald ein Baustein des Systems, zum Beispiel eine im Hintergrund laufende App, sich nicht an die strengen Vorgaben von Tor halte, entfalle der Schutz.

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