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Flussromantik bei Arte : Tja, warum ist es denn nun am Rhein so schön?

Zu Bacharach am Rheine wohnt eine Zauberin: Von diesem Anblick ließ sich schon Brentano verzaubern. Bild: © Bilderfest

Arte geht der Sache auf den Grund und folgt dem längsten, schönsten, geschichts- und geschichtenträchtigsten Fluss Deutschlands. An diesem Strom führt kein Weg vorbei.

          2 Min.

          Was hat sich diese Arte-Dokumentation nicht alles vorgenommen: mehr als tausend Stromkilometer durchmessen und rund fünfzehn Millionen Jahre, die Erde in Animationen beben, die Wasser fluten und ausgestorbenes Urgetier an den Ufern in Deckung gehen lassen, bevor in drolligen Re-Enactments, die zum Glück bald Begegnungen mit echten Menschen weichen, die lange Reihe der Flussanrainer aufmarschiert. Steinzeitliche Jäger, Römer, Ritter, Flößer, Schiffer, Franzosen, Romantiker, die Loreley höchstselbst und schließlich, angekommen jenseits der Brücke von Remagen, eine Winzerin dürfen zu pathetischer Musik bekräftigen, was allen, die am Rhein leben, ohnehin klar ist: dass er nicht irgendeine mit viel Nass gefüllte Rinne in der Landschaft ist, sondern der längste, schönste, geschichts- und geschichtenträchtigste Fluss Deutschlands, europäischer Strom, Biotop, Urlaubsziel, Industriestandort, Lebensader zahlreicher Regionen und nebenbei eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das alles in anderthalb Stunden unterzubringen kann nur im Schweinsgalopp gelingen. Und so eilt der Film von Florian Breier und Christian Stiefenhofer in „Terra X“-Manier (in diesem Format wird er auch bald im ZDF laufen) von einem staunenswerten Spektakel zum nächsten, springt munter vor und zurück durch die Jahrhunderte, von Napoleon zu den Nibelungen zur Bonner Republik, handelt die nationalistische Vereinnahmung des Vaters Rhein eilig ab und schert sich nicht darum, dass es eigentlich ein Vielfaches der Sendezeit brauchte, um seinen Gegenstand auf einen Begriff zu bringen.

          Ein Labsal für alle

          „Der Rhein – Strom der Geschichte“ schöpft eklektizistisch aus dem Vollen. Das Ergebnis hat viel von der gehetzten Betulichkeit, die solchen Rundumschlag-Produktionen gern zu eigen ist, und muss ein Labsal für alle sein, die sich sonst eher mit zusammenbrechenden Rheinbrücken, donnernden Güterzügen im engen Tal oder touristischen Konzepten aus den fünfziger Jahren herumschlagen. Trotz allerlei Stückwerk und unfreiwillig komischer Szenen aber, in denen in Phantasie-Lumpen gehüllte Schauspieler mit erdverschmierten Gesichtern den Ur-Rheinländer mimen, vermittelt die Dokumentation einen Eindruck davon, wie viel Spannendes der Rhein zu bieten hat.

          Man nennt es Reenactment: Die beiden Herren tun so, als wären sie Clemens Brentano (mit Laute, links) und Achim von Arnim.
          Man nennt es Reenactment: Die beiden Herren tun so, als wären sie Clemens Brentano (mit Laute, links) und Achim von Arnim. : Bild: © Bilderfest

          Wer weiß schon, dass er einmal südlich von Bingen nach Westen abbog und sein jetziges Bett in der Eiszeit fand? Dass der Ausbruch des Vulkans, dessen Krater heute den Laacher See in der Eifel füllt, dazu führte, dass der Rhein sich aufstaute, bis eine gewaltige Flutwelle sich bis in die heutige Kölner Bucht ergoss? Und dass Starkregen nach außergewöhnlich trockenen Monaten im 14. Jahrhundert zu einem derart verheerenden Hochwasser führte, dass sich Schluchten auf den Höhen rechts und links des Stroms bildeten und riesige Erdmassen zu Tal gingen? Dass die Computertechnik, mit der solcherlei ins Bild gesetzt wird, nicht an Hollywood heranreicht, kann man wohl verschmerzen.

          Archäologen treten auf und halten Knochen eiszeitlicher Rheinländer in die Höhe, Naturschützer berichten von der Wiederansiedlung des Lachses im Oberrhein, und die Schiltacher Flößer vermitteln einen Eindruck davon, wie der Alltag der Männer aussah, die aus den Einzugsgebieten des Rheins Stammholz zu Flößen von der Größe eines Flugzeugträgers verbanden und gen Holland steuerten. Die Kamera fliegt über die Häfen von Rotterdam und Basel, die Römerstädte Köln und Koblenz und blickt in die Hochwasserzentrale, in der die Pegelstände zusammenlaufen. Dass es von dort nur ein Schritt ist bis zur Idylle einer renaturierten Rheinaue, von denen der von Johann Gottfried Tulla begradigte Rhein viel zu wenige hat, liegt in der Logik der Überblicksdokumentation mit Wohlfühlfaktor. Die ungelöste Hochwasserproblematik wird aber ebenso wenig verschwiegen wie die Tatsache, das ein mäandernder, sumpfiger Fluss zwar ökologisch einwandfrei war, allerdings auch nicht schiffbar und eine Brutstätte für Malaria.

          Warum also ist es am Rhein so schön? Für Clemens Brentano wohl, weil er sich in eine blonde Wirtstochter verguckte und die Sage von der Schiffer bezirzenden Loreley erfand. Für die Filmemacher, weil sie sich nicht sattsehen können an den Burgen und Höhen im Mittelrheintal und eine Story nach der anderen aus dem Wasser ziehen können.

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