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Finanzjournalismus mit Fun : Matt Taibbi wechselt zu Omidyars First Look Media

Er weiß auch noch nicht so ganz genau, was auf ihn zukommt: Matt Taibbi im Interview von „Huffpost Live“ Bild: Huffpost Live

Für den „Rolling Stone“ hat er aus Abu Ghraib, dem Bush-Wahlkampf und der Finanzkrise berichtet. Jetzt soll Matt Taibbi ein zweites Online-Magazin des Ebay-Gründers Pierre Omidyar entwickeln.

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          „The Intercept“ war nur der Anfang, das hatte der Ebay-Gründer Pierre Omidyar, der mit dem Unternehmen First Look Media in den Journalismus gewechselt ist, immer klargemacht. Jetzt nimmt seine zweite Online-Plattform Gestalt an. Der Name der Seite steht noch nicht fest, ihr erster prominenter Journalist wurde jetzt vorgestellt. Es ist Matt Taibbi, langjähriger Reporter des „Rolling Stone“.

          Für das Magazin, erinnert sich der 43 Jahre alte Journalist in seinem letzten Beitrag wehmütig, habe er sich in einer Zelle des irakischen Gefängnisses Abu Ghraib versteckt, in einem Wahlkampfbüro George W. Bushs derart engagiert mitgearbeitet, dass er sich schließlich dabei ertappte, unwillkürlich froh zu sein, als Bush die Präsidentschaftswahl gewann, oder so tief in das durch den Wirbelsturm Katrina verwüstete New Orleans vorgewagt, dass er von einem Militärhubschrauber für ein Flutopfer gehalten und mit einem Nahrungsmittelpaket beworfen worden ist. 

          Etwas Farbe

          Es sind seine Recherchen, Analysen und Kommentare zur Finanzkrise, die Matt Taibbi für First Look Media interessant gemacht haben, Beiträge wie der aufsehenerregende Artikel „The Great American Bubble Machine“ im Juli 2009, in dem Taibbi Goldman Sachs als „Vampirkrake“ beschreibt, die sich um das Gesicht der Menschheit geschlungen habe.

          Die neue Plattform von First Look Media soll sich, wie Taibbi in einem Interview bei „Huffpost Live“ berichtet, um die Wall-Street-Berichterstattung ebenso kümmern wie um politische Korruption. Es gehe dabei allerdings nicht nur um harten investigativen Journalismus. „Wenn man viel Finanzmagazine liest, fällt auf, wie farblos sie sind“, sagt Taibbi. „Wir werden versuchen, ein bisschen Spaß mit dem Thema zu haben.“ Es sei wie geschaffen für Satire: „Wenn man es einmal geschafft hat, hinter die Tarnsprache dieser Leute zu kommen, trifft man auf die reine Absurdität“, erzählt Taibbi. 

          Auch mit satirischen Formaten hat Taibbi bereits seine Erfahrungen gemacht: Im Jahr 2005 musste er die
          „New York Press“ verlassen, nachdem sein Artikel „Die 52 lustigsten Dinge über den bevorstehenden Tod des Papstes“ in die Kritik geraten war.

          Erst vor anderthalb Wochen hatte First Look Media die Enthüllungsplattform „The Intercept“ gestartet. Hier werten der Journalist Glenn Greenwald und die Dokumentarfilmerin Laura Poitras die Geheimdienstdokumente aus, die Edward Snowden den beiden anvertraut hatte.

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