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„Wetten, dass ..?“ : Finaler Rettungsschluss

Er wird wiederkommen: Markus Lanz verlässt am Samstag die Erfurter „Wetten, dass ..?“-Bühne. Vor der Sendung Bild: dpa

Ob sie auch beim ZDF denken: Hoffentlich ist es mit „Wetten, dass ..?“ bald vorbei! Doch soll dann Johannes B. Kerner das Zweite retten? Zweifel sind angebracht.

          Hätte sich das ZDF nicht längst dazu entschlossen, mit der Unterhaltungsshow „Wetten, dass ..?“ Schluss zu machen, jetzt wäre es soweit: Mit 5,48 Millionen Zuschauern verzeichnete die Sendung am Samstag einen neuen Minusrekord. Dafür lohnt der Aufwand nicht mehr, das passt nicht zu dem Anspruch, den man an einen Show-Klassiker wie diesen stellt. Es wäre weise gewesen, das Kapitel beizeiten zu schließen und den Niedergang nicht so langsam und quälend zu gestalten – quälend für die Zuschauer, für den Sender und für den Moderator Markus Lanz.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Nun aber geht es mit „Wetten, dass ..?“ runter und runter und runter, bis zur allerletzten, also der übernächsten Ausgabe im Dezember, die sich viele nur noch unter dem Gesichtspunkt ansehen werden, dass dies dann wirklich die letzte Sendung  nach dreiunddreißig Jahren ist: finaler Rettungsschluss. Es reicht ja auch wirklich. Man muss keine knutschenden oder gelangweilten amerikanischen Schauspielerinnen mehr sehen, keine Wetten mit garantiertem Peinlichkeitsfaktor, keinen Moderator, der nicht weiß, wohin mit sich.

          Dann doch lieber Rasenmähen

          Da ist nichts mehr zu retten, zumindest nicht, wenn man glaubt, man müsste für den Samstagabend eine Dreistundenshow für die ganze Familie ausrichten. Schaut man auf das Tableau des Dargebotenen -  Stars, die gerade irgendwas bewerben wollen; sympathische Amateure, die mit irgendeiner verwegenen Zirkusnummer für drei Minuten ins Rampenlicht treten -, fragt man sich vor allem, warum das jüngere Zuschauer interessieren sollte. Die bekommen die Gimmicks, die bei „Wetten, dass ..?“ abgespult werden, schließlich rund um die Uhr hunderttausendfach im Internet angeboten.

          Grundsätzlich gilt ja, dass man am Samstagabend etwas Besseres zu tun haben sollte, als sich eine der Unterhaltungsshows anzusehen, die ARD, ZDF und RTL dann ins Programm rücken. Selbst nächtliches Rasenmähen erscheint einem abwechslungsreicher und sinnstiftender als die Lebenszeitvernichtung mit Markus Lanz. Und auch in der Branche hat sich längst herumgesprochen, dass der große Showsamstagabend der Vergangenheit angehört. Es empfiehlt sich also, kleinere Brötchen zu backen und sich gar nicht erst vorzunehmen, an die Quoten und Zeiten von Frank Elstner und Thomas Gottschalk anknüpfen zu wollen.

          Das weiß man beim ZDF, und das dürfte auch Johannes B. Kerner wissen, der jetzt etwas vorschnell zum neuen Show-Titan des Zweiten ausgerufen wird. Würde er sich als solcher gerieren, bräuchte er nicht lange darauf zu warten, dass die Leute (und ein Teil der Presse) Spaß daran haben, ihn scheitern zu sehen. Insofern sind die verschiedenen Shows, die er in den nächsten Wochen fürs ZDF macht („Quiz-Champion“, Udo-Jürgens-Gala, „Ein Herz für Kinder“), samt der Pläne für eine neue Sendung vom kommenden Jahr an in der Addition zwar eindrucksvoll. Viel zu bedeuten hat das aber noch nicht. Es heißt zumindest nicht, dass man beim ZDF daran glaubt, Kerner werde es allein schon richten. Es ist erstaunlich genug, dass Sender und Moderator wieder zueinander finden, nachdem sie sich vor Jahren einigermaßen unfreundlich voneinander getrennt hatten. Sie werden, wenn sie noch alle Sinne beisammen haben, die Dinge bescheiden angehen.

          Bei Markus Lanz hat man, wenn man ihn bei „Wetten, dass ..?“ und auch bei seiner Talkshow herumhampeln sieht, allerdings den Eindruck, dass er sich immer noch für den Größten hält. Das hat schon fast etwas Tragisches.

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