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Finale „The Voice of Germany“ : Der Sieger stand lange fest

Andreas Kümmert mit seinem speziellen Bart Bild: dpa

Es zeichnete sich früh ab, dass Andreas Kümmert das Finale von „The Voice of Germany“ gewinnen würde. Langweilig war die dritte Staffel trotzdem nicht. Das hatte einen Grund.

          Es war ein Finale mit Ansage: Andreas „Rocket Man“ Kümmert sang einfach zu gut, um durch andere Finalisten ernsthaft gefährdet zu werden. Das Publikum verlangte bei seinen Vorführungen als erstes eine „Zuuugabeee“ und tobte sichtlich, nachdem der kleine Mann mit dem Kampfzwergenbart den letzten Ton gesungen hatte. Dabei tat Andreas Kümmert ansonsten alles dafür, um nicht zum Publikumsliebling zu werden. Er verweigerte konsequent eine Showkleidung, indem er bei jedem Auftritt seinen unübersehbaren Bauch entweder mit einem offenen Hemd nur halb oder mit einer Kapuzenjacke ganz verdeckte. Auch Kümmerts Frisur inklusive Bart sind so individuell, dass sie nur schwer beschreib-, weil nicht vergleichbar sind. „Als hätte man ihn 1969 eingefroren und kurz vor der Staffel wieder aufgetaut“, sagte sein „Trainer“ Max Herre in einem Einspieler.

          Andreas' Brille hing meist so schief, dass er sie während der Auftritte immer wieder gerade rücken musste. Sein Gesicht kannte für  Freude, Überraschung und Nachdenklichkeit nur eine einzige Mimik. Es sein denn, er sang. Dann kippte der Schalter um, und aus Andreas Kümmert wurde ein „Rocket Man“. Er sang leise und laut, gefühlvoll und rockig, hoch und tief. Er riss den Mund weit auf und spitzte gekonnt die Lippen. Alles hörte sich ziemlich perfekt an. Und vor allen Dingen berührte es die Zuhörer.

          Chris Schummert wurde von Sendung zu Sendung entspannter Bilderstrecke

          Die Teams wiederholten zwar etwas zu häufig, dass die dritte Staffel die beste und die Qualität der „Talente“ unvergleichbar hoch sei, was  manchmal etwas bemüht wirkte. Aber über alle Staffeln hinweg betrachtet, lagen sie mit ihrer Einschätzung wohl richtig. Das zeigte sich auch an Andreas' härtestem Konkurrenten Chris Schummert. Auch er überzeugte von Anfang an durch seine sehr gute Stimme. Im Finale verlor er sogar seine Ernsthaftigkeit, die ihn vorher einige Sympathien gekostet haben dürfte. Hinzu kommt, dass während der Vorrunde und im Halbfinale einige Kandidaten scheiterten, die man sich durchaus auch im Finale hätte vorstellen können. Trotzdem bleibt wie bei jeder Talentshow die Frage, ob die Favoriten „da draußen“ bestehen könnten. Ab und zu beantwortete „The Voice of Germany“ die Frage selbst: Selbst professionell ausgebildete Sänger erreichten oft nicht die nächste Runde. Eine perfekte Stimme allein genügt offenbar nicht, um Erfolg zu haben.

          Doch in einem Punkt wurden die Zuschauer dann doch etwas verschaukelt - und nicht nur in dieser Castingshow: In Deutschland wird aus dem Gewinner von „The Voice of Germany“ kein Star - bislang zumindest. Sie schaffen es zwar, eigene Platten zu produzieren, sie treten auf kleinen Festivals auf und finden ein bisschen Beachtung in Musikfachzeitschriften. Aber Ivy Qainoo, die Gewinnerin der ersten Staffel, und Nick Howard, der die zweite Staffel gewonnen hat, sind keine sehr bekannten oder erfolgreichen Musiker geworden. Das liegt wahrscheinlich noch nicht einmal an ihnen selbst. Fähigkeiten und Erfahrung, um oben bestehen zu können, bringen sie zur Genüge mit. Doch das reicht im Musikgeschäft nicht.

          Sympathische Jury

          Eigentlich sollten die Talente bei „The Voice“ ja auch von ihren Teams profitieren können, da diese schließlich schon länger im Geschäft sind. Doch auch das funktioniert nur bedingt. Nun kann man sich darüber streiten, in welcher Liga Samu Haber, Nena, The BossHoss und Max Herre spielen. Gerade im Vergleich zu den Jurys in anderen Ländern, wo „The Voice of Germany“ zum Teil sehr erfolgreich vermarktet wird, könnten die Teams in der deutschen Version jedoch exklusiver besetzt sein.

          Eines muss man den Produzenten, die die vier Teams ausgewählt haben, trotzdem lassen: Bei der Besetzung haben sie ein gutes Händchen bewiesen. Samu Haber, Sänger der Band „Sunrise Avenue“, ersetzte Rea Garvey. Der blonde Finne hat Charme, ist smart, witzig, authentisch und ging recht clever bei der Songauswahl seiner Talente vor. Max Herre übernahm nicht nur den Sessel von Xavier Naidoo, sondern auch dessen Rolle. Seine musikalische Expertise konnte die qualifizierten und konstruktiven Kommentare von „Dr. Ton“ durchaus vergessen machen. Zudem hat er diese Staffel mit seinem Talent Andreas gewonnen. Nena war wieder Nena, was auch dazu führte, dass sie ohne Talent ins Finale einzog. Und The BossHoss zogen wieder ihre Cowboy-Nummer durch. Das war okay.

          Anbiedernde Ästhetik ohne Wirkung

          Auch bei der dritten Staffel trat bei uns übrigens der unerwartete Effekt auf, dass wir nicht genervt waren von der „Powered by emotion“-Masche von Sat1 und ProSieben. Beide Sender übertrugen diese Staffel wie schon die beiden letzten abwechselnd, und die Mischung aus Schnitt, Kameraführung, Einspielern, Slow-Motion-Ästhetik und Bühnengestaltung trug eindeutig die Handschrift der Sender. Je länger die Staffel dauerte, desto mehr Größenwahn brach sich allerdings in den Köpfen der Produzenten Bahn. Ohne halbnackte Tänzer, Pyrotechnik und Nebelschwaden ging in den „Liveshows“ nichts mehr. Die Superlative in den Kommentaren der Teams und den Ansagen des Moderators häuften sich. Und dennoch haben zumindest wir uns nicht angewidert abgewandt, sondern weiter zugeschaut.

          Das lag allerdings auch an Moderator Thore Schölermann, dem früheren Schauspieler der Soap „Verbotene Liebe“. Mit „The Voice“ hat er seine Rolle gefunden und moderierte mal wieder souverän. Abgesehen von seinen Ansagen, die etwas konstruiert wirkten, zeigte er im Umgang mit den Kandidaten und den Teams zudem eine unwiderstehliche Natürlichkeit.

          Thore und die Teams können so weitermachen. Die vierte Staffel kann kommen.

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