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Filmkritik : Vom Himmel hoch, da kommt sie her

  • -Aktualisiert am

Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) muss in „Mörderische Jagd“ einen gefährlichen Entführungsfall lösen. Seine Freundin Agnes (Katja Danowski) hilft ihm. Bild: Gordon Timpen / ZDF

Hinnerk Schönemann macht abermals die Provinz unsicher und ermittelt zum „Tod einer Brieftaube“ - mit großer Lust am sinnfreien Blödeln.

          Seit einiger Zeit haben sich die sogenannten Schmunzelkrimis (ein hässliches Wort) im Vorabend- und Hauptabendprogramm geradezu schwarmhaft vermehrt. Kommissare und andere Ermittler sind in diesen nicht nur für die Lösung eines Falls, sondern vor allem für Pointen zuständig. Nicht selten sind diese Stücke auf dem Land angesiedelt. In der Vorstellung der fernsehmachenden Allgemeinheit birgt die Provinz (vom „Tatort“ sehen wir dabei geflissentlich ab) offenbar vor allem komisches Potential. Die Zeiten ruraler Düsternis sind jedenfalls einstweilen vorbei. Und so ist der Dorfkrimi im Fernsehen zum eigentlichen Heimatfilm geworden. Die Provinz lässt sich eben trefflich schildern. Und nach der Erfindung eines Genres folgt so sicher wie das Amen in der Kirche seine Dekonstruktion.

          Der Regisseur Markus Imboden und der Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt – beide erfahren und ausgewiesen in sämtlichen Genres –, legen mit „Tod einer Brieftaube“ nun schon den dritten postkonventionellen Dorfkrimi aus dem Norden vor. Das erste Stück, „Tod auf Amrum“, wurde mit Preisen bedacht. Im zweiten, „Mörderisches Wespennest“, trat der intellektuell nicht eben brillant ausgestattete Privatdetektiv Finn Zehender (die Begriffsstutzigkeit in Person spielend: Hinnerk Schönemann) im Dorf Aschberg auf den Plan.

          Nichts für ernste Gemüter

          Mit „Tod einer Brieftaube“ kehrt er zurück. In Aschberg hat er sich einen Hof gekauft, ohne zu ahnen, dass dieser mit einer hohen Hypothek belastet ist. Geld muss her, mahnt der nassforsche Berater der Ackermann-Bank. Sonst findet in zweiundsiebzig Stunden die Zwangsversteigerung statt. Erschwert wird die Geldbeschaffung auf legalem Weg durch das Auftauchen des ehemaligen Polizisten Mühlfellner (in dieser Rolle IQ-mäßig noch weniger gesegnet: Thomas Thieme), Zehenders Gegenspieler, der nach einem Streifschuss unter Amnesie leidet und sich nun für den „best buddy“ des Privatdetektivs hält.

          Dummerweise schießt Mühlfellner eine Brieftaube vom Himmel, die die Botschaft eines Entführungsopfers am Bein trägt. Beide „Ermittler“ stolpern sodann in einen seltsamen Fall mit hanebüchenen Bösewichten, obligatorischer Beteiligung des Landeskriminalamts und einem Taubenzüchter, der seine Tiere nach „Harry-Potter“-Figuren nennt. Zehender schließt einen Handel mit dem Vater des Entführten ab – die Erfolgsprämie würde seinen Hof retten. Bis es so weit kommt, überfällt er eine Bank, lässt das Entführungsopfer unter Einsatz des „Coffee-Boarding“ verhören und von einem Weihnachtsmann zusammenschlagen, stellt die Täter fast und betreibt quasi klassische Verfolgungsjagden mit seltsamem Ausgang.

          Mit großer Lust auch am sinnfreien Blödeln benutzen Imboden und Schmidt Genre-Versatzstücke, sattsam bekannte Motive und leicht verrückte Dialoge des konventionellen Krimis. Das kann man durchaus herrlich skurril und hintersinnig finden – oder eben quatschdämlich. Nicht jeder Gag zündet so trocken, wie er gedacht ist; manchmal galoppiert die reine Albernheit davon. Auch das ist beabsichtigt. Man muss hier nicht unbedingt das Vorbild der Coen-Brüder bemühen. Hinnerk Schönemann, Thomas Thieme und dem Ensemble mit Daniela Schulz, Katja Danowski, Karoline Eichhorn und Jan-Gregor Kremp bei der Nichterfindung des tiefen Tellers zuzuschauen, macht jedenfalls Laune. Es kann bei ernsthafteren Krimiliebhabern auf der Suche nach dem Anspruch aber auch schwer behandelbare Pein verursachen.

           
           

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