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Filmkritik „Vikings“ : Stumpfe Horden mit spitzen Schwertern

Genau, er führt nichts Gutes im Schilde: Ragner (Travis Fimmel) Bild: © 2013 TM TELEVISION PRODUCTIONS LIMITED

Sex and Crime unterm Nordlicht: Neben „Spartacus“ sendet Pro Sieben am „Helden-Freitag“ die Serie „Vikings“. Das Gemetzel und Blutbad nimmt hier kein Ende.

          Der gemeine Wikinger trägt sein Haar gern offen. Vokuhila oder Hippie extrem. Undercut mit Zopf geht auch. Er kleidet sich in groben Pelz. Seine Gegner durchbohrt er mit dem klobigen Schwert oder enthauptet sie mit der Axt. Handelt es sich dabei um einen unbewaffneten Mönch, geht die Mordlust noch leichter von der Hand. Danach setzen die Männer aus dem Norden die Segel heimwärts. Auf dem Lager wartet die Holde, begierig, den mit Schätzen beladenen Helden zu „reiten wie einen Stier“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So jedenfalls sieht der Alltag von Ragnar Lodbrok (Travis Fimmel) und seiner Frau Lagertha (Katheryn Winnick) aus. Die beiden führen eine offene Beziehung, in die sie den gefangen genommenen Mönch Athelstan (George Blagden) freigebig mit aufnähmen, hätte der nicht so seltsame christliche Skrupel und verweigerte sich dem flotten Dreier. Dummerweise hat er den Wikingern treuherzig erzählt, dass es in England noch viel größere Schätze zu holen gebe als jene, die sie in seinem kümmerlichen Kloster erbeutet haben, aus dessen rauchenden Trümmern die wenigen überlebenden Betbrüder in die Sklaverei geführt worden sind.

          Der Held zwischen Familie  und kriegerischer Berufung: Ragnar (Travis Fimmel) und seine Frau Lagertha (Katheryn Winnick)

          Bei so viel räuberischem Erfolg muss sogar der grausame Earl Haraldson (David Byrne) ein Einsehen haben. Er fuhr bis dato lieber gen Osten, um bei den armen Nachbarn im Baltikum schmale Beute zu machen. Ragnar und dessen Bruder Rollo (Clive Standen), der, wenn er nicht gerade in irgendwelche Metzeleien verwickelt ist oder Sklavinnen missbraucht, hinter seiner Schwägerin her ist, wagen sich aufs offene Meer.

          Mit einem neuen, schnittigen Kahn, den ihnen der Schiffsbauer Floki (Gustaf Skarsgard) gezimmert hat, der mit den Bäumen spricht und von seinem Äußeren und seinem koboldhaften Gebaren her an den Hexenmeister „Catweazle“ aus der legendären britischen Fernsehserie der siebziger Jahre erinnert. Floki hat zwar eine Schraube locker, baut aber Boote, deren Planken sich wie von selbst aneinanderfügen. Der finstere Earl freilich, der mit seiner Frau Siggy (Jessalyn Gilsig) ein mörderisches Paar von Macbethschem Format bildet, hat nichts anderes im Sinn, als Ragnar zu beseitigen. Feinde hat der aufstrebende Wikinger also reichlich. Doch er weiß sich zu helfen.

          Es ist kein Wunder, dass Pro Sieben „Vikings“ mit den Folgen der schon länger laufenden Serie „Spartacus“ zusammenspannt. Der Sender nennt das den „Helden-Freitag“. Helden? In Wahrheit ist es ein Blutbad, mit reichlich Nahkampf und Sex, ergänzt um gegenwärtige Rollenspiele. Lagertha zum Beispiel ist eine sehr emanzipierte Wikingerin. Sie brandschatzt gern selbst, statt sich daheim um die Wäsche zu kümmern. Ragnars auf Tapferkeit und Treue eingeschworener Sohn findet Vorbilder bei beiden Geschlechtern. „Spartacus“ kann man immerhin noch zugutehalten, dass er für seine und die Freiheit der mit ihm Unterdrückten kämpft. Ragnar indes, den Travis Fimmel sixpackbepackt und mit wenig variiertem Siegergrinsen spielt, hat nichts als Beutezüge im Sinn.

          An die historischen Vorbilder - den Wikinger Ragnar Lothbrok gab es wirklich, seine Taten wurden schon in den „Gesta Danorum“ im zwölften Jahrhundert beschrieben - erinnern die Serien nur entfernt. Der Drehbuchautor Michael Hirst macht aus ihm einen dumpfen Martial-Arts-Meister des Nordens, dem im Schwertkampf niemand gewachsen ist. Und derlei Figuren liegen im Augenblick ja im Trend. Im vergangenen Jahr begann die Serie bei History Television in Kanada, die zweite Staffel läuft schon, die dritte ist in Auftrag gegeben. Ragnars grausamer Siegeszug scheint unaufhaltsam.

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