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Filmfest München : Mehr als ein „Tatort“ darf das Ganze nicht kosten

  • -Aktualisiert am

Kein Geld, „um eine Catherine Deneuve einzukaufen“: Diana Iljine setzt beim Filmfest andere Prioritäten. Bild: Seewald

Gegen die Preisflut und ein Übermaß an Filmen: Das Münchner Filmfest hat wenig Budget, verzichtet auf Stars, setzt auf Fernsehfilme und - das Publikum kommt.

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          Fast flehentlich wiederholten viele Journalisten auf der Pressekonferenz zum 31. Münchner Filmfest, die Frage nach den Stars: Wer kommt denn Prominentes? Und die Geschäftsführerin Diana Iljine wiederholte fast gebetsmühlenhaft: „Es kommen Michael Caine, der den Preis für sein Lebenswerk erhält und Sandra Nettelbecks ,Mr. Morgan’s Last Love’ vorstellt. Es kommt Ariane Mnouchkine und jede Menge oscargekrönter Regisseure, aber wir haben keine fünfzigtausend oder hunderttausend Euro über, um eine Catherine Deneuve einzukaufen wie etwa Berlin.“

          So viel Seitenhieb darf dann doch sein. Längst überstrahlt die Berlinale mit ihren vielen Stars das Münchner Filmfest. Letztes Jahr kam Melanie Griffith, die Diana Iljine dank guter persönlicher Kontakte nach München geholt hatte. Nun breitet das Filmfest den Ehrengästen Paolo Sorrentino und Alejandro Jodorowsky den roten Teppich aus. Über den schreiten sonst noch: Helge Schneider, der sein Agentenspektakel „00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse“ vorstellt; Caroline Link, die heute Abend zur Eröffnung ihren Film „Exit Marrakech“ mit Ulrich Tukur zeigt; und Lars Eidinger, der gleich in vier Stücken zu sehen ist.

          174 Filme aus 48 Ländern

          Der Vorgänger von Diana Iljine, Andreas Ströhl, hat die notorische Unterfinanzierung des Münchner Filmfests lange ausgehalten. Seine Nachfolgerin, die als Filmeinkäuferin gewirkt hat, ist dazu nicht mehr bereit. Sie hat das Programm rigoros zusammengestrichen. Um fast sechzig Filme im Vergleich zu Ströhls Programm. „Es gab so viele Filme, die ich nicht verstand und dachte, warum soll ich die gucken? Für mich war wichtig, die Zahl zu reduzieren und sie nicht zu etikettieren als Filme aus Frankreich, aus Dänemark. Für mich gibt es eher globale Handschriften“, sagt Diana Iljine.

          So sind es immer noch 174 Filme aus 48 Ländern, die an neun Tagen gezeigt werden. „München ist ein Publikumsfestival mit dem Etat eines ,Tatorts’, sagt Diana Iljine. Übersetzt heißt das, dass man mit etwa 1,5 Millionen Euro auskommen muss. Damit liegt das Festival noch hinter Wien, Edinburgh und angeblich sogar dem in Ouagadougou in Burkina Faso. Da trifft es sich gut, dass Iljines Vorvorgänger Reinhard Hauff schon früh eine eigene Fernsehfilmreihe beim Münchner Filmfest etablierte. „Er wollte, dass die Branche sich hier versammelt, damit das Filmfest eine größere Bedeutung erhält. Das ist ihm gelungen“, sagt Diana Iljine. Die Fernsehreihe sei „wahnsinnig beliebt“ und sie „immer erstaunt, wie voll die Kinos sind mit Zuschauern, die sich dann einfach ihren ,Dampfnudelblues’ mal auf der Leinwand ansehen.“

          Sponsoren können helfen

          Die Reihe ist denn auch ein zuverlässiger Seismograph der aktuellen Fernsehmoden: Krimis massenhaft. Starke Bilder seien das entscheidende Kriterium, nach dem die Festivaljury die Filme auswähle. „Einfach eine gute Idee reicht nicht. Der Film muss eine besondere Form haben“, sagt Diana Iljine. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender sorgten für Qualität. Kein Wunder also, dass sich Volker Herres, Programmdirektor der ARD, die beim Filmfest mit sechzehn Filmen vertreten ist, als „starker Partner“ der deutschen Filmwirtschaft brüstet. Diana Iljine sieht das differenzierter. Die immer stärkere Ununterscheidbarkeit von Kino und Fernsehen hänge auch damit zusammen, dass viele Leute, die man eher im Kinobereich einordne, Fernsehen machten, weil sie dort bessere Bedingungen vorfänden - „ohne den Druck, der auf Verleih und Auswertung liegt“.

          Der Wertschätzung internationaler Serien in Kinoqualität wird das Münchner Filmfest mit einem Serienspecial gerecht, das von dem Abosender Sky bestückt wird. Die sechste „Mad Men“-Staffel sind zu sehen und der Auftakt der dritten Staffel von „Downton Abbey“. Aber auch Rolf Lassgard ist dabei in der gefeierten schwedischen Miniserie „Death of a Pilgrim“.

          Es gebe „so unglaublich viel Talent“, hat Diana Iljine beim Sichten der Filme bemerkt und sagt Frithjof Gawenda und Christina Große in Axel Ranischs Coming-out-Film „Ich fühl mich Disco“ große Karrieren voraus. Vielleicht werden sie ja mit einem der inflationär verliehenen Preise auf dem Filmfest bedacht. Diana Iljine ist jedenfalls entschlossen, die Preisflut einzudämmen. Natürlich ist man in München stolz auf den mit 70.000 Euro dotierten Förderpreis Neues Deutsches Kino oder den auf 50.000 Euro aufgestockten ARRI/Osram Award für den besten ausländischen Film. „Seit ich da bin, gibt es aber keinen neuen Preis“, sagt Diana Iljine.

          Viele Firmen würden sich gern mit einem Preis beim Filmfest schmücken, doch unter 50.000 Euro sei mit ihr da nichts zu machen. Als Sponsoren hingegen könne man dem Filmfest sehr helfen. Sponsoren dürfen in München zumindest sicher sein, dass nicht für teures Geld Stars wie Angelina Jolie oder George Clooney angeworben werden, die angeblich zwischen 200.000 und 500.000 Euro für ihre Charity-Projekte aufrufen, bevor sie kommen.

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