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TV-Filme zur Schlecker-Pleite : Ende, Aus, der Laden wird dichtgemacht

Der Chef an der Kasse: Drogeriepatriarch Max Faber (Robert Atzorn) taucht in Janines (Josefine Preuß) Filiale auf. Bild: Hans-Joachim Pfeiffer

Die Schlecker-Pleite war vor zwei Jahren ein großes Thema. Jetzt kommen dazu zwei Filme bei Sat.1 und im ZDF. Eine Komödie tritt gegen ein Drama an. Und wer hat das bessere Ende für sich?

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          Wenn in Deutschland Minister stürzen, Bundespräsidenten zurücktreten oder sonst ein Aufreger das Land bewegt, dann kann man inzwischen sicher sein, dass ungefähr zwei Jahre später der Sat.1-Film zum Skandal ins Fernsehen kommt. Solange etwa braucht eine Produktion, so lange müssen Zuschauer warten auf die fiktionale Aufarbeitung vergangener Traumata, bei der wahlweise alles noch mal so richtig durch den Kakao gezogen oder zu einem Drama wird, das größer ist als das Leben. So war das bei „Der Minister“ und „Der Rücktritt“, so ist es nun wieder. „Die Schlikkerfrauen“ heißt der Film, der kommende Woche läuft und die Schlecker-Pleite von 2012 aufs Korn nimmt.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nur dass dieses Mal auch das ZDF auf die Idee gekommen ist, aus dem Zusammenbruch von Deutschlands einst größtem Drogeriemarkt-Imperium Unterhaltungskapital zu schlagen. Sonst verschiebt das Zweite Gegenwartsdeutung mit Vorliebe in einen seiner vielen Krimis. Jetzt schlägt es gleich doppelt zu und entfaltet mit dem Zweiteiler „Alles muss raus - Eine Familie rechnet ab“ all das, worum es auch in der Ufa-Fiction-Produktion für Sat.1 geht: den Niedergang eines Unternehmens, das am Altersstarrsinn seines Gründers zerbricht und die Eigentümerfamilie gleich mit sprengt, den Kampf ebenso lebenslustiger wie geschäftstüchtiger Verkäuferinnen gegen das Unausweichliche.

          Stoff genug für zwei Filme?

          Es ist eine Geschichte von unten gegen oben, menschliche Wärme gegen kapitalistische Kälte, Tattoo gegen Seidenkrawatte hier wie dort. Beim ZDF wird daraus ein Drama, mit dem Oliver Berbens Produktionsfirma in die Fußstapfen von Serien wie „Borgen“ und „House of Cards“ treten will. Was hoch gepokert ist. Sat.1 dagegen hat mit Uwe Janson den Regisseur verpflichtet, der schon die Ministersatire des Senders inszenierte. Hier wird die Insolvenz zur Komödie.

          Es ist ein bisschen wie in der Schule, wenn zwei zum selben Thema einen Aufsatz schreiben sollen. Dass beide von Schlecker inspirierten Filme beinahe gleichzeitig ausgestrahlt werden, mag man als Zeichen für die Ideenarmut der Branche deuten. Oder dafür, dass die reale Vorlage einfach zu gut war: eine Riesenpleite, die rund 30 000 „Schlecker-Frauen“ den Job kostete. Eine Firma, die für ihre miesen Arbeitsbedingungen und die Überwachung ihrer Mitarbeiter berüchtigt war. An der Spitze ein Mann, der es vom Metzgerlehrling zu einem der reichsten Deutschen geschafft hat. Seine zwei Kinder wurden einmal entführt und wieder freigelassen, später, als Erwachsene, versuchten sie dem Unternehmen ein neues Gesicht zu geben - zu spät. Das reicht für mehr als zwei Filme. Die natürlich in den Vorspann schreiben: Das Folgende ist frei erfunden.

          Um das zu markieren, reicht schon ein bisschen Namensspielerei. „Schlikker“ prangt es weiß auf blau in den Schaufenstern, vor denen die „Schlikker-Frauen“ tanzen, als wäre das hier ein Werbespot, und gleich böge Friedrich Liechtenstein um die Ecke und hauchte: supergeil. Stattdessen klatschen ein paar treue Kunden. Sollen sie auch, denn Katharina Thalbach spielt nach der Bundeskanzlerin nun eine zu allem entschlossene Filialinhaberin in Berlin-Moabit, und - das sei gleich vornweg gesagt - ohne sie hätte der ganze Film keinen Sinn.

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