https://www.faz.net/-gqz-9101n

Film über Kim Dotcom : „Dabei kommt keiner gut weg“

  • -Aktualisiert am

Geboren in Kiel, bekannt geworden als Hacker, verurteilt wegen Betrugs und Insiderhandels, setzte sich Kim Schmitz 2010 nach Neuseeland ab. Dort wurde er wegen des Vorwurfs der Urheberrechtsverletzung verhaftet. Gegen seine Auslieferung kämpft er vor Gericht. Bild: Getty

Sein Portal „Megaupload“ war Heimstatt für illegalen Datentausch, seine Verhaftung war spektakulär. Nun ist Kim Dotcom Held des Films „Caught in the Web“. Ist er etwa ein Held? Ein Gespräch mit dem Produzenten Alexander Behse.

          4 Min.

          Herr Behse, in Ihrer alten Heimat löst der Name Kim Schmitz negative Reaktionen aus. Bei Ihnen auch?

          Eher gemischte Gefühle. Ist er ein Held oder Schurke? Die Antwort überlassen wir den Zuschauern. Die bisherigen Reaktionen auf den Film zeigen, dass uns ein schwieriger Balanceakt gelungen ist und wir keine unkritisch verherrlichende Biographie abgeliefert haben.

          Das Bild des vorbestraften Hackers aus Kiel und das des vermeintlichen Robin Hood, als welcher Schmitz sich selbst darstellt, liegen weit auseinander. Helfen Sie ihm, sich reinzuwaschen?

          Er hat es hingekriegt, sich neu zu erfinden. Jedes Land hat seine eigene Geschichte mit ihm, und die bringen wir im Film zusammen. Aber keiner kommt gut weg dabei – der neuseeländische Staat nicht, die Vereinigten Staaten nicht und Kim auch nicht. Die Deutschen werden sicher etwas Neues von ihm mitnehmen.

          Kim Schmitz, alias Dotcom, auf dem Weg zu einem Gerichtstermin.

          Kannten Sie ihn von früher aus den deutschen Medien?

          Nein, ich war zu jung und bin 2000 als Student nach Australien und später Neuseeland ausgewandert. Auch das Portal „Megaupload“ kannte ich nicht. Ich habe Schmitz erst durch die Verhaftung 2012 wahrgenommen. Und als wenig später ein Aufruf für Dokus kam, war das ein „No-Brainer“ – die größte internationale Story, die Neuseeland damals hatte.

          Sie waren mit der Regisseurin Annie Goldson bereits ein paar Jahre an dem Film zugange, bevor Sie ein Interview mit Kim Schmitz bekamen. Warum hat er in letzter Minute doch noch zugesagt?

          Er wusste, dass wir den Film auch ohne ihn machen, und war schlau genug, lieber über sich selbst zu reden, als es anderen zu überlassen.

          Hat dabei geholfen, dass Sie beide Deutsche sind?

          Eher nicht. Beim ersten Treffen habe ich deutsch geredet. Aber das hat mir wohl keine Bonuspunkte gebracht. Der Kontakt fand hauptsächlich mit der Regisseurin statt.

          Neulich auf seiner eigenen Pool-Party: Kim Dotcom zeigt die Ghettofaust

          Er übergab Ihnen schließlich auch sein privates Filmmaterial.

          Wir hatten einen riesigen Server voll, in allen Auflösungen, vieles davon hochwertig produziert. Er hatte sich über Jahre von Filmteams aufnehmen lassen.

          Wollte er seinen eigenen Film machen?

          Wahrscheinlich waren das einfach seine Heimvideos, für seine Kinder. Dafür hat er halt Tausende von Dollar ausgegeben. Aber wir haben daraus das Material gesucht, wo ihm die Kamera nicht bewusst war – zum Beispiel, als er aus der Untersuchungshaft kommt und zu Hause erstmals seine hochschwangere Frau Mona wiedertrifft. Solche Momente, die ihn menschlich zeigen – keine Show.

          Hat sich Ihr Bild von ihm durch die Dreharbeiten verändert?

          Nein. Es war völlig übertrieben, ihn in einer solchen Aktion zu verhaften. Man kann in seiner schillernden Geschichte vom Vorbestraften zum Volkshelden zum Verlierer auch Positives finden. Als er verhaftet wurde, war die Medienlandschaft noch eine andere. Dotcom hat seitdem wichtige Themen zur Diskussion gebracht: globale Spionage, digitaler Medienkonsum und staatliche Unabhängigkeit. Dass der Geheimdienst ihn illegal bespitzelt hat, ist aus meiner Sicht ein Skandal – egal, wie ich zu ihm stehe.

          Der Film hatte gute Kritiken im Ausland, manche Medien in Neuseeland wollen ihm keine Zeile widmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Notbetreuung in einer Grundschule in Brandenburg

          Wie lange ohne Schule? : Bildung ist mehr als Betreuung

          Statt Kindergeld-Prämien zu zahlen, sollte der Staat mit dem Geld besser Reihentests finanzieren. Dadurch wäre ein geregelter Schulbetrieb wieder möglich. Der ist dringend nötig.
          Zielscheibe der „Bild“-Zeitung: der Virologe Christian Drosten.

          „Bild“ & Kekulé gegen Drosten : Nachtreten bis zum Umfallen

          Die „Bild“-Zeitung macht mit dem perfiden Kesseltreiben gegen den Virologen Christian Drosten weiter. Ein paar Helfershelfer springen auf den Zug auf. Und dieser rast mit Vollgas, so wie das Boulevardblatt es sich wünscht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.