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Film über eine „Welt ohne Menschen“ : Ein Netzwerk aus Mathildas

  • -Aktualisiert am

Sind Maschinen auch im Fußball die besseren Menschen? Roboter während des „Robo-Cup German Open“ im April in Magdeburg Bild: dpa

Sind Menschen völlig durch Maschinen ersetzbar? Arte untersucht das Phänomen des Transhumanismus und zeigt, wie die „Welt ohne Menschen“ aussieht.

          Stephen will diesen Job. Dazu muss er allerdings erst an Mathilda vorbei. Und obwohl die mit ihren Kulleraugen eigentlich recht niedlich wirkt, sind Stephens Chancen gering. Denn die kugelige Mathilda ist eine Maschine. Die Roboter-Dame spult monoton Fragen ab und misst bei jeder Antwort die Veränderung seiner Gesichtszüge. Hinter Mathilda sitzt Rajiv Khosla, Direktor des Forschungszentrums für Computer und soziale Innovation in Melbourne, am Rechner und beobachtet, wie auf dem Bildschirm Stephens emotionales Profil entsteht. Anhand dessen wird entschieden, ob er die Stelle bekommt.

          Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine

          Mathilda ist das knuffigste Synonym für „Transhumanismus“, das Philippe Borrel in der Dokumentation „Welt ohne Menschen“ findet:Transhumanismus, die Vernetzung von Mensch und Maschine. Körperliche und geistige Kapazitäten der Menschen können längst so verändert werden, dass künstliche Lebensformen entstehen.

          In Zukunft wird es also ein ganzes Netzwerk von Mathildas geben, die den „normalen“ Menschen überflüssig machen könnten. Es geht also darum, im Wettbewerb zu bleiben. „Human Enhancement“ lautet das Stichwort: die Optimierung des Menschen durch den „Einbau“ von Technik. Ist die Maschine noch Werkzeug, die unseren Alltag erleichtert, oder schon Teil unserer Identität? Um das herauszufinden, widmet sich Borrel bionischen Prothesen, künstlicher Intelligenz und Molekularbiologie. Er bemüht eine ganze Reihe von Philosophen, Neurowissenschaftlern und Quantenphysikern.

          Die Aufnahme des Anti-Technologie-Aktivisten, der im Schneidersitz im Wald hockt, kontrastiert mit der Doktorandin für künstliche Intelligenz am Rechner vor ihren Studienergebnissen. Borrel sucht wissenschaftliche Distanz zu wahren und fängt mit der Kamera sowohl die alte als auch die neue digitale Welt ein, Bilder aus dem Silicon Valley und von Modellen von Atomen finden sich ebenso wie Aufnahmen aus dem Alltag.

          Fachübergreifendes Interesse

          Das ist zwar kein Feuerwerk spektakulärer Experimente und neuer Erkenntnisse. Wohl aber eine umfassende Bestandsaufnahme. Die Grenzen zwischen Politik, Wissenschaft und Philosophie sind längst verwischt. Borrel macht sich nicht die Mühe, sie nachzuziehen. Aber er nennt die wichtigsten Faktoren: Da ist das Militär, das auf Human Enhancement setzt, damit mehr Soldaten, die Gliedmaßen verloren haben, wieder in den Krieg ziehen können.

          Da ist die Wirtschaft, die von der verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der Menschen profitiert, und da sind die Grundlagenwissenschaftler, die sich über Fördergelder freuen, die in ihre Projekte fließen. Borell macht deutlich: Wir sind auf dem Weg. Was das Ziel ist, lässt sich aber nicht sagen. Pierre Faccini unterlegt diese Suche mit sphärischen Klängen, die an Steven Spielbergs „A.I.“ erinnern.

          Was fehlt, sind die warmen Zwischenklänge von Piano und Cello, die an den ganz normalen Menschen erinnern. Der Futurologe John Smart ist allerdings zuversichtlich, dass die sich noch einstellen. „Wir werden Maschinen auf Emotionen programmieren können“, sagt er. Dann würde vielleicht auch Roboter Mathilda mal lächeln.

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