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„Das Erbe des Dschihad“ : Mein Enkel, der IS-Terrorist

  • -Aktualisiert am

Spurensuche: Thilo Mischke unterwegs mit Gabi, deren Enkel Lukas sich der Terrorgruppe IS anschloss. Bild: dpa/Pro 7

Auch aus Deutschland sind junge Leute nach Syrien gereist, um sich dem Terrorregime des IS anzuschließen. Was geschieht jetzt mit ihnen, wenn sie zurückkehren? Das fragt ein Film bei Pro Sieben.

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          Geschenke für die Urenkel: In den Läden stöbert die 65-jährige Gabi aus Dortmund-Scharnhorst nach Süßem, Kleidung und Schulranzen für ihre Kleinen. Sie schlendert über einen Basar in Qamischli, einer von den anhaltenden Kämpfen in der Region zerrütteten Stadt im von Kurden kontrollierten Nordosten Syriens. Ihre beiden Urenkel leben mit ihrer Mutter in einem Zeltlager vor den Toren der Stadt, in dem die Familien mutmaßlicher IS-Kämpfer gefangen gehalten werden. Denn Lukas, der Vater der beiden Kinder und Gabis Enkel, ist einer jener rund 1.000 Deutschen, die sich einst dem „Islamischen Staat“ in Syrien und Irak angeschlossen haben.

          Mit Neunzehn in den Dschihad

          Die bedrückende Szene entstammt der Dokumentation „Das Erbe des Dschihad: Was tun mit Deutschlands IS-Terroristen?“ des Pro-Sieben-Reporters Thilo Mischke, die der Sender heute um 20:15 Uhr ausstrahlt. Mischke reist mit Gabi nach Syrien, um mit lokalen Helfern Besuche bei ihren Urenkeln und Lukas zu arrangieren. Die Urenkel hat sie noch nie gesehen, den Enkelsohn, den sie zehn Jahre lang selbst groß gezogen hat, nicht mehr, seit er 2014 mit 19 Jahren in den Dschihad zog. Aus Lukas wurde „Abu Ibrahim al-Almani.“

          Nach vielem Hin und Her mit den Behörden kommt es endlich zur Begegnung mit den Urenkeln und ihrer Mutter Julia. Wie Lukas ist sie eine Deutsche, die in jungen Jahren zum Islam konvertiert ist. Sie lernten sich auf Facebook kennen, heirateten bald, zogen vier Wochen später ins ausgerufene Kalifat nach Syrien und bekamen dort zwei Kinder. Seit dem Ende des IS ist Lukas im Gefängnis und Julia lebt im Lager unter untragbaren Bedingungen, Gewalt und unzureichende medizinische Versorgung sind an der Tagesordnung. Während Gabriele ihre Urenkel umarmt, scheint sich Julia im Gespräch mit Mischke von ihren einstigen Einstellungen nur wenig distanziert zu haben und zeigt  Sympathien für eine nicht demokratische, islamische Gesellschaftsordnung.

          Er küsst der Großmutter die Füße

          Später, bei einer zweiten Reise, kommt es dann auch zum ersehnten Treffen mit dem Enkelsohn. In einer zum Gefängnis umfunktionierten Schule sitzt er mit 5.000 anderen mutmaßlichen IS-Kämpfern in Haft. In den Besucherraum tritt ein ausgemergelter, mittlerweile 26 Jahre alter Mann, in Handschellen und mit verbundenen Augen, begleitet von zwei mit Kalaschnikows bewaffneten Wächtern. „Es tut mir alles so leid“, sagt er zu seiner schluchzenden Großmutter und beginnt nach islamischer Demutsgeste ihre Füße zu küssen.

          Im Interview mit Mischke jedoch lässt er wenig Schuldbewusstsein erkennen. Durch seine Mitgliedschaft beim IS habe er zwar „nach deutschem Recht eine Straftat begangen.“ Doch würde er sich „als unschuldig betrachten, weil die Absicht, die mich nach Syrien gebracht hat, nicht falsch war.“ Er wollte den von Assad unterdrückten „islamischen Brüdern und Schwestern“ helfen, was er nach wie vor als „lobenswerte Zivilcourage“ ansieht. An den Kämpfen habe er sich nicht beteiligt, sondern für die Sittenpolizei Autos auf Drogen, Alkohol und Zigaretten kontrolliert – Vergnügungen, die im IS-Gebiet verboten waren und für die beziehungsweise deren Besitz Menschen öffentlich hingerichtet wurden.

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