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Fileshoster gesperrt : Die Daten-Piraten gehen unter

Auf der abgeschalteten Seite von Share-Online.biz, der größten deutschsprachigen Filesharing-Plattform, wird informiert, dass die Plattform und der Inhalt durch die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) im Rahmen einer international koordinierten Operation beschlagnahmt wurden (Screenshot vom 17.10.2019). Über Share-Online.biz sollen Raubkopien von Filmen und anderen Inhalten verteilt worden sein. Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Köln hat die Website Share-Online.biz vom Netz genommen. Dort wurde in großem Stil mit illegalen Inhalten gehandelt. Für die Upload-Szene ist das ein schwerer Schlag.

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          Am Mittwochnachmittag begann in einschlägigen Foren das große Rätselraten: Das Datennetzwerk Share-Online.biz war nicht mehr erreichbar. Lag es an technischen Problemen, wie es sie ab und an schon einmal gibt? Oder steckte mehr dahinter? Es steckte mehr dahinter – die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW (ZAC NRW) der Staatsanwaltschaft Köln.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die ließ nämlich, wie sie tags darauf mitteilte, gerade „mehrere Wohn- und Geschäftsobjekte in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland“ durchsuchen und stellte „umfangreiche Beweismittel“ sicher. Das Ermittlungsverfahren richte sich gegen drei Tatverdächtige im Alter von vierzig, 48 und 54 Jahren. Ihnen werde vorgeworfen, durch ihre Fileshoster-Plattform Beihilfe zur unerlaubten Verwertung urheberrechtlicher geschützter Werke begangen zu haben: Kinofilme, Serien, Erotik und Musik seien zum Download angeboten worden. Dabei handelte es sich um Raubkopien, die Nutzer auf der Plattform hochluden – wofür sie Geld bekamen. Den Umsatz mit dem Raubkopiergeschäft beziffert die Staatsanwaltschaft für den Zeitraum von April 2008 bis Oktober 2017 auf fünfzig Millionen Euro.

          Bei dem Schlag gegen die Online-Piraterie handelt es sich also um eine kapitale Angelegenheit. Die Justiz geht hier gegen den wohl größten Player der Szene seit Kim „Dotcom“ Schmitz und seinem 2012 geschlossenen Portal „Megaupload“ vor. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen, schreibt die Staatsanwaltschaft Köln, handele es sich um „den größten in Deutschland betriebenen Filehoster“.

          Um wen genau es sich dabei handelt, sagt die Staatsanwaltschaft freilich nicht. Das übernahm an ihrer Stelle die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU): Am Mittwoch, 16. Oktober 2019, sei das Angebot von Share-Online.biz von der Justiz vom Netz genommen worden. Schon 2017 hätten Mitarbeiter der GVU Strafantrag gegen dessen Betreiber gestellt und die Behörden bei den Ermittlungen seither unterstützt. Nun habe man einen bahnbrechenden Erfolg erzielt.

          Bahnbrechend ist die Aktion in mehrfacher Hinsicht. Die Aktivität eines „Filehosters“, der eine Website betreibt, auf der Daten hoch- und heruntergeladen werden können, ist an sich nämlich nicht illegal. Datenpakete zu schnüren und zu verschicken, wie es etwa Dropbox unternimmt, kann ein durch und durch sauberes Geschäft sein. Illegal wird es, wenn Raubkopien von Werken unterwegs sind, an denen derjenige, der sie hochlädt, keine Rechte besitzt. Dem „File-“ oder „Sharehoster“ muss man nachweisen, dass er Kenntnis davon hat, dass bei ihm mit Raubkopien gehandelt wird. Und genau das, schreibt die GVU, habe man getan.

          Ein von der Gesellschaft beauftragter Dienstleister habe 2017 mehr als acht Millionen Löschaufforderungen an die Betreiber von Share-Online.biz verschickt. Diese hätten sich zwar kooperativ gezeigt, nach kurzer Zeit aber seien die betreffenden Inhalte schon wieder verfügbar gewesen. Das ist ein Indiz dafür, dass zwar die jeweiligen Links zu illegalen Inhalten, die ein Rechteinhaber gemeldet hat, gelöscht werden, das Nutzerkonto desjenigen aber, der die Daten bei Share-Online.biz eingestellt hat, bestehen bleibt. Das macht es umso leichter, die illegalen Inhalte postwendend unter neuen Links zu verbreiten. Da können Rechteinhaber sich im „Notice and Takedown“-Verfahren noch so oft melden, das Rennen zwischen Hase und Igel können sie nicht gewinnen, denn der illegale Handel mit ihren Werken geht weiter.

          Wenn es so hin und her läuft, wie die GVU mit Blick auf Share-Online.biz berichtet, ist das auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass ein Betreiber weiß, womit diejenigen, die bei ihm Inhalte hochladen, handeln – mit illegalen Inhalten.

          Für diese Inhalte wurden die Lieferanten, wie die Staatsanwaltschaft schreibt, von dem Onlineportal nach einem ausgeklügelten Punktesystem bezahlt. Wer besonders gefragte oder große Inhalte einstellte – Kino-Blockbuster zum Beispiel –, profitierte finanziell mehr davon als derjenige, der Arthouse-Filme im Angebot hatte, die nur wenige Downlaods verzeichnen.

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