https://www.faz.net/-gqz-9sbva

Fileshoster gesperrt : Die Daten-Piraten gehen unter

Die zuschauenden Nutzer von Share-Online.biz wiederum, also diejenigen, die Inhalte herunterladen, wurden durch langsamen Datentransfer bei besonders populären Inhalten dazu angehalten, einen Premium-Zugang zu kaufen, der pro Monat mit zehn Euro zu Buche schlägt. Obendrein verdiente Share-Online.biz an auf der Seite geschalteter Werbung – was ein fahles Licht auf diejenigen wirft, die in diesem Umfeld Reklame buchen, erst recht, wenn sie von Rechteinhabern darauf aufmerksam gemacht worden sind, bei wem sie da eigentlich werben.

Was die Größenordnung des Falls angeht, weiß wiederum die Staatsanwaltschaft Köln: Die Betreiber hätten binnen zehn Jahren fünfzig Millionen Euro umgesetzt. Seit 2010 habe der Hauptbeschuldigte bei einem niederländischen Provider Serverkapazitäten angemietet, die zuletzt im zweistelligen Petabyte-Bereich lagen. Ein Petabyte sind eine Billiarde Bytes. Zum Vergleich: Die fünfzehn Millionen digitalen Objekte, welche die amerikanische Library of Congress 2016 in ihrem Digitalarchiv „The American Memory“ vorhielt, machten eine Datenmenge von sieben Petabytes aus. Die Seite von Share-Online.biz habe, teilt die Gesellschaft für Urheberrecht mit, sechs bis zehn Millionen Besucher monatlich verzeichnet. Es wird geschätzt, dass Share-Online im Bereich der Kino- und Serienpiraterie im Netz in Deutschland einen „Marktanteil“ von fünfzig Prozent hatte.

Spektakulär ist der Schlag gegen Share-Online.biz aber nicht nur ob der Größenordnung, um die es bei ihm geht, und der Inhaftungnahme eines Datenanbieters für die Inhalte, die bei ihm hoch- und heruntergeladen werden. Bemerkenswert ist auch die geleistete Detektivarbeit. Offiziell firmiert Share-Online mit Verweis auf eine Unternehmen namens Xlice in Belize. Dabei dürfte es sich jedoch um nicht anderes als um eine Briefkastenfirma handeln. Die Betreiber, denen eine Rechercheurin der „Zeit“ vor Jahren schon einmal auf der Spur war, sitzen in Wirklichkeit direkt vor der Haustür – in Aachen. Sie scheinen sich sehr sicher gefühlt zu haben.

Bei Share-Online.biz sind jetzt weder Up- noch Downloads möglich.

„Erstmals“, sagt die Geschäftsführerin der GVU, Evelyn Ruttke, stünden hier die Betreiber einer Filehosting-Seite im Zentrum strafrechtlicher Ermittlungen, weil sie Seiten und Portale wie „DDL-Warez, Boerse, Movie-Blog und MyGully durch Partnerprogramme und Provisionszahlungen unterstützt und finanziert haben sollen.“ Auf den genannten Portalen tauchten Links zu den Inhalten auf, die bei Share-Online zu haben waren.

Die Ermittlungen dauerten an, teilt die Cybercrime-Stelle der Staatsanwaltschaft Köln mit. Sie könnten sich auch gegen die Nutzer von Share-Online.biz richten. Man werde schauen, ob man auch gegen Up-und Downloader vorgehen könne, sagte der zuständige Staatsanwalt Christoph Hebbecker im Gespräch mit dieser Zeitung. Würden im Rahmen der Datenauswertungen insbesondere Uploader identifiziert, gelte es, auch gegen diese zu ermitteln. Dabei werde man „abgeschichtet“ vorgehen und sich auf die Top-Uploader konzentrieren. Die drei bislang beschuldigten Betreiber von Share-Online.biz sind derweil auf freiem Fuß, ein Haftbefehl gegen sie wurde nicht beantragt, doch wurden Vermögenswerte beschlagnahmt. Bei einer Verurteilung drohen den Tatverdächtigen bis zu fünf Jahre Haft.

Dass nicht nur Share-Online.biz vom Netz ist, sondern sich die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch gegen dessen Nutzer richten könnten, dürfte in der Szene, die sich an die Nutzung illegal verbreiteter Inhalte im Netz gewöhnt hat, für Verunsicherung sorgen. Die Piraterie im Netz, der massenhafte Verstoß gegen Urheberrechte, erhält so zwar einen spürbaren Dämpfer, doch lässt sich auch beobachten, dass, seitdem die Meldung die Runde machte, Share-Online werde dichtgemacht, ähnliche Portale wie wild um die „Kunden“ der Aachener werben. Den Staatsanwälten von der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW geht die Arbeit nicht aus.

Weitere Themen

Klima-Kunst am Strand Video-Seite öffnen

Mega-Stau in Miami : Klima-Kunst am Strand

Kurz vor dem Start der Kunstmesse Art Basel in Miami hat der argentinische Künstler Leandro Erlich am Strand einen Stau mit Autos aus Sand nachgebildet. Damit will er auf das Thema Kimawandel aufmerksam machen.

Topmeldungen

Nobelinsel Martha’s Vineyard : Ein neues Haus für die Obamas

Martha’s Vineyard ist eine der exklusivsten Wohnadressen in den Vereinigten Staaten. Jetzt darf sich die illustre Reihe Prominenter dort über neue Nachbarn freuen – sofern man die Obamas auf ihrem riesigen Anwesen zu Gesicht bekommt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.