https://www.faz.net/-gqz-842fa

Fifa-Skandal : Im Fahrstuhl nach unten

  • Aktualisiert am

Ist das der Weg zum Licht? Joseph Blatter beamt sich in eine andere Umlaufbahn. Bild: Reuters

Das Unvorstellbare ist geschehen: Der Fifa-Boss nimmt den Notausgang. Wie konnte das geschehen? Die Musik, die zu seiner Wahl gespielt wurde, gibt dazu wichtige Aufschlüsse.

          1 Min.

          Das Beste an der Wahl des Fifa-Präsidenten am vergangenen Freitag war die Musik. Die muss man einfach gehört haben. Den Sound kennt jeder, der schon einmal mit einem Fahrstuhl gefahren oder in einem Kaufhaus unterwegs gewesen ist. Erkennen Sie die Melodie? Tüdeldüdeldü, tüdeldü, tüdü, tüdü, tüdeldüdeldü, tüdeldü, tüdü, tüdü. Beste Fahrstuhlmusik, vom Parterre bis in die oberste Loge.

          Wo ein gewisser Herr Blatter über den Dingen zu schweben schien („Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“). Mochten die anderen auf den Fahrstuhl warten, wo er war, war oben. Immer. Da mochte sich der kleine Liftboy aus Paris noch so andienen, bis ganz hinauf in die Präsidentensuite durfte er nicht. Nur die Hand schütteln, auf Brusthöhe, im Vorbeigehen. Also quasi: Abklatschen. So war das für Herrn Platini.

          Der Prinz Ali Bin al Hussein war da schon längst stecken geblieben und dann in die falsche Richtung abgerauscht: Tiefparterre, Untergeschoss, Feinkostabteilung. Immerhin, auch da gibt’s Kaviar und Zigarren, aber keine schöne Aussicht. Die schien für Herrn Blatter allein reserviert. Und der dachte, er könne allen auf die Köpfe spucken. Vor allem einem gewissen Herrn Garcia aus Amerika, der ihm mit seinem Bericht über korrupte Geschäfte in diesem schönen Verein zu nahe getreten war. Und dann die Klamotten hinschmiss.

          Woher wir das mit der Fahrstuhlmusik wissen? Was das mit der Fifa und Joseph Blatter zu tun hat? Das war die Melodie, die Journalisten vorgedudelt wurde, als sie die Fußballpräsidentenwahl stundenlang live verfolgten. Wie zog sich das – von A wie Afghanistan bis Z wie Zypern gaben alle ihre Stimme ab. Begleitet von eben jenem Liftsoundtrack, der einen wahnsinnig machen kann. Weil er einfach nicht aufhört. Es dudelte und dudelte und dudelte und dudelte und dudelte, bis man vollkommen rammdösig war. So sollte es wohl auch sein.

          Nur dass Joseph Blatter irgendwann den Fahrstuhl nach unten nehmen würde, das schien unvorstellbar. „Und täglich grüßt das Murmeltier“, so heißt der passende Film. Und jetzt ist der Blatter Sepp doch zurückgetreten. Mal sehen, wer nun den Lift nach oben besteigt.

          Korruptions-Skandal : Fifa-Präsident Joseph Blatter tritt zurück

          Weitere Themen

          Teufelspakt im Fadenkreuz

          Der „Tatort“ wird fünfzig : Teufelspakt im Fadenkreuz

          Fünfzig Jahre „Tatort“: Die Doppelfolge zum Jubiläum ist ein Gipfeltreffen zwischen Dortmund und München und maßlos überbesetzt, aber erzählerisch und ästhetisch stark. So darf es weitergehen. Bis 2070.

          Mediziner gegen Mediziner

          Streit um von Schirachs „Gott“ : Mediziner gegen Mediziner

          Der Film „Gott von Ferdinand von Schirach“ beschwört eine heftige Kontroverse herauf. Palliativmediziner und Psychologen werfen ihm vor, er stelle die Frage nach dem Recht auf assistierten Suizid falsch. Andere Palliativmediziner und Juristen sagen nun, die Kritiker verzerrten alles von A bis Z.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.
          Markus Söder am Sonntag in München

          Söder bei der Jungen Union : Seine Art, sich nicht einzumischen

          Der CSU-Vorsitzende heizt auf dem „Deutschlandtag“ der Parteijugend die Debatte um Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur an. So zweifelt Markus Söder unter anderem daran, dass es bei den drei gegenwärtigen Kandidaten bleibt.
          Hier soll Impfstoff abgefüllt werden: im Werk des Impfstoffherstellers IDT Biologika in Dessau-Roßlau

          Wer? Wann? Wo? : Was Sie über die Corona-Impfung wissen müssen

          Bald soll es losgehen mit der Impfung: Kann man sich aussuchen, welchen Impfstoff man bekommt? Wie wirken mRNA-Vakzine? Was ist mit Nebenwirkungen? Und muss man sich aktiv um einen Impftermin kümmern? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.