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Fifa-Boss Gianni Infantino : Der Mann hinter der Glasscheibe

Gib mir ein Fünf-zu-null für Russland: Gianni Infantino (Mitte) freut sich mit dem saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman und Wladimir Putin. Bild: imago

Die Fußball-WM in Russland endet. Einen Mitspieler haben wir oft gesehen: Fifa-Präsident Gianni Infantino. Kein Wunder. Er hat die Macht über die Bilder.

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          Erinnert sich noch jemand an Sepp Blatter? Der ehemalige Präsident des Weltfußballverbandes Fifa soll zu Beginn der Weltmeisterschaft in Russland einen bizarren Gaga-Auftritt hingelegt haben. Eingeladen vom russischen Präsidenten Wladimir Putin, vermittelte Blatter, der wegen Korruptionsvorwürfen bis 2021 gesperrt ist, offenbar den Eindruck, er habe seinen Job immer noch (F.A.Z. vom 22. Juni). Dass dem nicht so ist, müsste aber selbst dem inzwischen 82 Jahre alten Ex-Funktionär aufgefallen sein, als er beim Spiel Portugal gegen Marokko zu seinem Platz im Stadion geleitet wurde. Den fand er nämlich ganz schnöde auf der VIP-Tribüne und nicht, wie es sich für einen Fifa-Boss geziemt, in der Präsidentenloge.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der sitzt stattdessen sein Nachfolger Gianni Infantino. Er hält dort oben Hof, sichtbar für alle im Stadion und für Hunderte Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt. Infantino thront meist recht leger, links und rechts von ihm sitzen die Staatsoberhäupter der Nationen, deren Mannschaften sich gerade unten auf dem Platz miteinander messen. Da sitzen auf den Sesseln, hinter Glas, Wladimir Putin und Dmitrij Medwedjew, der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman, der französische Präsident Emmanuel Macron, Belgiens Königspaar Philippe und Mathilde oder Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic im rotweißgemusterten Outfit wie ihre Nationalkicker. Die Staatsoberhäupter grüßen sich formvollendet, springen vor Freude auf oder leiden sichtlich und gratulieren einander artig. Stets dabei als Dritter im Bunde ist Infantino, manchmal feixend, doch meist mit gütiger Miene zum für die Beteiligten so emotionsgeladenen Spiel. Im Gegenschnitt sehen wir die Fans, auch sie jubeln oder leiden, Alt und Jung, Frauen, Männer und Kinder, in buntesten Verkleidungen (auch schon mal mit einem überdimensionierten Käse auf dem Kopf), ganzkörperbemalt, völlig aus dem Häuschen.

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