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Laschets Kritik an ARD und ZDF : Tierfilme oder ein „Brennpunkt“?

Blick ins Innere der ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame de Paris. Bild: EPA

Armin Laschet hat die Öffentlich-Rechtlichen wegen ihrer Berichterstattung zum Brand der Kathedrale Notre-Dame de Paris kritisiert. Die ARD kontert. Wie plausibel sind die Vorwürfe?

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          Armin Laschet hat in ein Wespennest gestochen. Per Twitter, wie sich das gehört, wenn man schnell für Aufregung sorgen will, echauffierte er sich darüber, dass auf den Hauptkanälen von ARD und ZDF das Normalprogramm lief, während in Paris die Kathedrale Notre-Dame nicht nur lichterloh brannte, sondern ganz einzustürzen drohte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das tauchte als Nachricht in der „Tagesschau“ um acht Uhr erst an dritter Stelle auf, was nicht nur dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten übel aufstieß. „Banausiger geht’s nicht“, schrieb der emeritierte Professor für Neuere Geschichte, Michael Wolffsohn, der Redaktion ins Stammbuch.

          Den nachfolgenden Ausgaben der „Tagesthemen“ und des „heute journals“ kann man indes kaum vorwerfen, dass ihre Macher die Tragweite des Ereignisses nicht erkannt hätten. Davor aber gab es, was Armin Laschet störte – keine Unterbrechung im ZDF, einen Tierfilm in der ARD und eine Ausgabe der Talkshow „hart aber fair“ zum Thema „Die Fleisch-Frage: Mit hübschen Siegeln gegen schlechtes Gewissen?“.

          Wer auf dem Laufenden bleiben wollte, war mit „France 24“ oder anderen internationalen und nationalen Nachrichtensendern besser bedient, mit denen man das Erste und das Zweite freilich nicht vergleichen kann. Gleichwohl darf man fragen, was bei diesen immer noch als besonders wichtig erachtenden Kanälen den Ausschlag für einen „Brennpunkt“ oder ein „Spezial“ gibt und wie lange die Apparate brauchen, um auf Sendung zu gehen. Bei stärkerem Schneefall in hiesigen Breiten scheint das schneller der Fall zu sein als nun beim Brand von Notre-Dame oder zuletzt bei dem islamistischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg.

          „Warum muss ich so lange bei CNN oder BBC einschalten?“, fragte die frühere WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich, „Tagesschau24 ist doch dafür genau geeignet“. Genau dort und im Internet bei „tagesschau.de“, entgegnete tags darauf ARD-Chefredakteur Rainald Becker, habe es Live-Berichterstattung gegeben. Ein „Brennpunkt“ wäre „wünschenswert“, sei aber „zu diesem Zeitpunkt logistisch nicht darstellbar“ gewesen, weil der ARD-Reporter unterwegs zum Ort des Geschehens gewesen sei, „um als erster deutscher Korrespondent direkt vor Ort zu berichten“. Drei „Crawls“ (Laufbänder) habe man den Abend über eingeblendet, ergänzte der Chef der Nachrichtenredaktion ARD-aktuell, Kai Gniffke, und verwies aufs Angebot im Netz.

          Dort aber werden ARD und ZDF eben nicht so wahrgenommen wie auf dem Bildschirm. Und ein Weiteres sollte man nicht vergessen – dass, worauf Armin Laschet hinwies, „rechte Hetzer“ über die Ursache des Brands, die nicht geklärt ist, schnell Verschwörungstheorien verbreiteten, die an einen Umstand anknüpfen können, der in den Medien oft unterbelichtet bleibt: In Frankreich werden pro Tag drei Kirchen Opfer von Vandalismus (F.A.Z.-Woche vom 5.April). Dass nicht jeder weiß, was es bedeutet, wenn Notre-Dame de Paris brennt, kann Armin Laschet indes an den vielen aggressiven, antireligiösen Antworten auf seinem Twitter-Account ablesen.

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