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Fernsehwoche, 19. bis 25. August : Vorsicht! Wilde Fahrstühle!

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Dank der Mischung aus Überrumpelung und Provokation hält sich Andy Kaufman, in den siebziger Jahren zu zwiespältigem Ruhm gelangt, im Gespräch. Er ist immer für Überraschungen gut. Milos Forman hat der schillernden Showbiz-Karriere in seinem Film „Der Mondmann“ nachgespürt und den kanadischen Komiker Jim Carrey als kongenialen Darsteller gewonnen. Zu sehen ist ein Auftritt, der den permanenten Regelverstoß zur Devise erkoren hat. Zielstrebig wird die „political correctness“ vernachlässigt. Der Zuschauer soll sich für eine Komik erwärmen, die zu den archaischen Slapstick- und Tortenschlacht-Ritualen zurückfindet. Carrey spielt einen selbstverliebten Kaufman, der sich nicht schont, sondern sogar mit gespielten Krankheiten kokettiert. Gelegentlich wundert er sich über die Mißverständnisse. Doch als er lebensbedrohlich erkrankt, wird dem Entertainer das prompt als neue Verwirrstrategie ausgelegt. Die Laufbahn voller Glamour und Klamauk nimmt eine makabre Wendung.

Donnerstag, 24. August

Pro Sieben, Psychoschocker, 22.30 Uhr: Das Experiment

4000 Mark für zwei Wochen: Leicht verdientes Geld und ein netter Spaß noch dazu, denken die zwanzig Freiwilligen, die sich auf das von einer Universität ausgeschriebene Experiment einlassen. Um die Erforschung des Aggressionsverhaltens in einer künstlichen Gefängnissituation soll es gehen. Zunächst halten die Beteiligten, die per Zufallsprinzip in Gefangene und Wärter eingeteilt werden, das Ganze für ein Spiel. Doch schon bald setzt sich eine Spirale der Gewalt in Gang, und als der verantwortliche Professor für kurze Zeit nicht erreichbar ist, eskalieren die Ereignisse. Aus dem harmlosen Spiel wird ein erbitterter Kampf um Leben und Tod.

Das Experiment, an dem der Taxifahrer und Gelegenheitsjournalist Tarek (Moritz Bleibtreu) teilnimmt, findet im Untergeschoß einer Universität statt. Dort ließ Professor Thon (Edgar Selge), der Leiter des psychologischen Instituts, einen Gefängnistrakt für zwölf Sträflinge und acht Strafvollzugsbeamte nachbauen.

Freitag, 25. August

Vox, Horrothriller, 20.15: Down

Die Geschichte von den 76 Fahrstühlen, welche die 102 Stockwerke des „Millennium Building“ nicht immer störungsfrei hinauf- und herunterfahren, hat mit den zwei Sicherheitsmechanikern Mark (James Marshall) und Jeffrey (Eric Thal), der vorwitzigen Zeitungsdame Jennifer (Naomi Watts), den verschiedenen Bremsklötzen in der Ermittlungsarbeit und dem verrückten, strippenziehenden Wissenschaftler alle Versatzstücke eines eben nur durchschnittlichen und entsprechend überraschungsfreien Actionfilms, dessen Dialoge zuweilen ein Ärgernis sind.

Was die Sache - und am Ende die meisten Besucher und Angestellten des hohen Hauses - aber rettet, das ist die Logik des Tötens, das Dick Maas mit abgetrennten Köpfen und tiefen, tiefen Stürzen aberwitzig und nicht immer geschmackssicher in Szene setzt: Die Menschen müssen ihrem Mörder, der nur in die Vertikale, aber ihnen nicht nachstellen kann, schon direkt in die Arme laufen. Daß sie das auch tun, liegt an den ökonomischen Zwängen, wie sie seit Spielbergs „Weißem Hai“ noch jeden Horror zwingend und, im Verein mit der Ahnungs- und Wehrlosigkeit der Opfer, nervlich zuweilen etwas strapaziös machen: Stillstand wäre nämlich Rückschritt in dem Haus, und Vorsichtsmaßnahmen werden für einige Beteiligte so verhängnisvoll spät ergriffen, weil sie den Betrieb, wie manche wähnen, unnütz lahmlegten. Die Handlung aber kommt erst richtig in Fahrt, sobald die Mechaniker etwas genauer hinsehen.

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