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Schwarzwald-Krimi im ZDF : Sie haben aber auch schöne Aussichten

  • -Aktualisiert am

Max von Thun und Jessica Schwarz spielen die Schwarzwald-Ermittler. Bild: ZDF und Maor Waisburd

In dem Schwarzwald-Zweiteiler „Und tot bist Du“ sterben junge Frauen – heute und 1945. Die Parallelhandlung fesselt, ohne zu verwirren.

          3 Min.

          Für eine Polizistin mit Kindheitstrauma stehen die Chancen im Fernsehen recht gut, dass alles noch mal auf den Tisch kommt. So war es bei Hannah Zeiler in „Die Toten vom Bodensee“, und so gilt es auch für Maris Bächle (Jessica Schwarz), die uns Anna Tebbes Krimi „Und tot bist Du“ als Kriminalhauptkommissarin im Schwarzwald vorstellt. Eine mutige Frau, in ihrer Freizeit steigt sie gerne in Höhlen ein. Sie ermittelt an der Seite von Konrad Diener (Max von Thun), der aus Norddeutschland in den Schwarzwald versetzt wurde, und trägt im Ort den Spitznamen „Hauser“. Die Gründe dafür werden wir in diesem Zweiteiler, der vorerst kein Einstieg in eine neue Reihe sein will („Ein Schwarzwaldkrimi“), bald kennenlernen.

          Im Mittelpunkt der Haupthandlung steht, mit leicht verzögertem Auftritt, der nachdenkliche Theologe Hans Katrein (Rüdiger Vogler). Katreins Seele hat ebenfalls einen Sprung: Im Krieg starb seine Mutter bei einem Fliegerangriff, der Vater kam ins KZ Natzweiler-Struthof. Noch Schlimmeres verdankt er aber einem Dorftrio, das den Bub im Mai 1945 in ein Spiel hineinzog, das keines war.

          Wenn man den emeritierten Professor heute in einem Bett gegen unangenehme Flashbacks ankämpfen sieht – dann hängt das mit dieser Sache zusammen. Nur kann man sie noch nicht mit dem Fall in Verbindung bringen, den die Kommissare zu lösen haben: Bei einer Wanderung im Grünen, bei der so ziemlich alles zur Sprache kam, was den Gruselfaktor des Schwarzwalds erhöht (Wölfe, Jäger, Seegeister), fanden Gentrifizierungstäter aus einer nahen Großstadt etwas wirklich Gruseliges – eine Frauenleiche im See, die sie mit offenen Augen anstarrte. Sie scheint freiwillig ins Wasser gegangen zu sein. Oder auch nicht.

          Die Tote ist die Schwester des ernsten Bürgermeisters Max Natterer (Robin Sondermann). Sie hat aber auch einen legendären Großvater: den 94 Jahre alten Hermann Natterer (Lambert Hamel). Schon der führte einst die Geschicke der Stadt: Die französischen Besatzer, auf deren Plakaten „Plündern und Vergewaltigen verboten“ zu lesen stand, machten ihn 1945 zum Bürgermeister. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt: Hermann Natterer war damals einer der jungen Kerle, denen Hans Katrein die allerschlimmsten Momente seines Lebens verdankt.

          Hin und Her zwischen den Ebenen

          Anna Tebbe (Drehbuch) und Marcus O. Rosenmüller (Regie), sonst für Nele-Neuhaus-Verfilmungen zuständig, schildern die Geschichte aus dem Mai 1945 in „Und tot bist Du“ parallel zu den Ermittlungen Bächles und Dieners. Ein Handlungsstrang folgt den freundlichen Kommissaren von Hinweis zu Hinweis, ein anderer schnipselweise dem Geschehen im Sommer der Befreiung. Dem Hin und Her zwischen den Ebenen lässt sich mühelos folgen (Schnitt: Claudia Klook). Die Figur eines Stadtarchivars (David Zimmerschied) bekommt im rechten Moment mehr Gewicht, um das eine mit dem anderen verknüpfen zu können.

          Gerade im zweiten Teil merkt man nun, was in vielen überfrachteten Neunzigminütern nicht funktioniert: Weil diesem Film die doppelte Länge zur Verfügung steht, wie es auch bei den letzten drei Taunuskrimis der Fall war, kann er in die Gegenwartshandlung nach und nach neue Fäden einflechten, durch die der Krimi rätselhaft bleibt – auf der Kurzstrecke hätte er sich verheddert. Selbst für den kurzen Regionalsagen-Budenzauber ist Raum, der stimmungsvoller gewesen wäre, würden die zugehörigen Textzeilen nicht klingen wie während der Montagskrimi-Redakteurssitzung ergoogelt.

          Mehr Drohnenflüge und Sportkameras als verwunschener Flair

          Kameramann Stefan Spreer lässt den Schwarzwald des Jahres 2019 nicht ganz so verwunschen erscheinen, wie es in Kapiteln wie dem mit der Wasserleiche angelegt ist. Er hat größere Lust, seine Drohnenkamera über Fachwerkfassaden und Klosterdächer schweben zu lassen oder Sportkameras an Montainbike-Lenker zu schnallen. Die Gegenwart ist bei ihm zumeist hell.

          Das ist gut. Denn auf diese Weise erhöht Spreer gerade im ersten Teil den Kontrast zu den entfärbten und schon per se düsteren Szenen aus dem Mai 1945 – und zu den Bildern, die der kleine Hans Katrein malt, um das Erlebte auf Papier festzuhalten. Die Kamera ist Katreins Kohlestift manchmal so nahe, dass man selbst die Hand führen zu meint.

          Nicht lang, und die Zeichnungen kommen auch in der Gegenwart wieder zum Vorschein. Ob sie von einem Menschen stammen, der für den Tod des Mädchen im See verantwortlich ist, oder nur von den Verbrechen erzählen, die 1945 geschahen, ist die zentrale Frage des verhalten spannend, aber angenehm ausgewogen inszenierten Falls.

          Und tot bist Du: ein Schwarzwaldkrimi läuft um 20.15 Uhr, Teil zwei Mittwoch.

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