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Fernsehvorschau : Erzählen, wie es wirklich war

Fremd im eigenen Land: Ben Winter (Ken Duken) kann die Kriegserfahrung nicht verwinden Bild: obs

Ein Bundeswehrsoldat kehrt aus Afghanistan zurück, doch die seelische Verwundung durch den Krieg droht den Heimkehrer zu zerbrechen. Die ARD zeigt heute Abend einen deutschen „Vietnam-Film“ und behandelt mit großer Wucht ein Thema, das vernachlässigt wurde.

          Ben Winter starrt aus dem Fenster. Hinter ihm liegt Afghanistan, landen wird die Bundeswehrmaschine, in der er mit seinen Kameraden sitzt, in der Heimat. In Wahrheit aber kehrt er zurück in die Fremde. Denn fremd geworden sind ihm seit dem Sprengstoffanschlag, den er überlebte und dem sein Freund Torben zum Opfer fiel, alle, die vertraut schienen - die Freundin, die Eltern, die Kumpels. „Geht's dir gut“, fragt Tine, die ihm bald sagen wird, dass sie schwanger ist. „Na klar, war 'ne klasse Zeit“, sagt Ben. Das Grauen, dem er nur scheinbar mit heiler Haut entkommen ist, verschweigt er. Während seine Familie ihm um den Hals fällt, fährt im Hintergrund der Sarg seines Freundes vorüber. Der Vater des Verstorbenen bleibt mit seiner Trauer allein.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ein fröhliches Willkommen soll es geben. „Bislang warst du Ben Winter aus Deidesheim, jetzt bist du Ben Winter, der Held“, sagt ein Freund des Rückkehrers. „Hast denen da unten gezeigt, wo der Hammer hängt“, bekommt er noch zu hören. Doch schon beim anschließenden Grillen zeigt sich, dass Ben niemandem etwas gezeigt hat, sondern ein Gezeichneter ist. Den Geruch von verbranntem Fleisch erträgt er nicht. Seine Freundin will wissen, wie denn das Essen in Kundus war.

          Außer Kontrolle

          Bens Eltern (Kirsten Block, Oliver Stritzel) verstehen gar nichts, stumm stehen sie vor dem plötzlich Verstummten, seine unkontrollierbaren Wutanfälle bekommen Tine (Mira Bartuschek) und sein Freund Ivan (Torben Liebrecht) ab, den Ben krankenhausreif prügelt. Sobald ein Glas zerspringt, brennen seine Sicherungen durch. Er beginnt zu laufen. Mit vollem Sturmgepäck rennt er durch die Weinberge, bei Tag, bei Nacht und trifft schließlich die schlaflose Nachbarin Lona Reimann (Ulrike Folkerts), Ärztin in dem Krankenhaus, in das Ivan eingeliefert wird. Sie als Einzige erkennt, wie es um Ben steht, der sein Problem verdrängt, bis er auf der Straße zusammenbricht.

          Der Ursprung des Traumas: Ben vor seinem tödlich getroffenen Freund Torben (Franz Dinda)

          Sein Problem hat einen Namen: Von einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ sprechen die Mediziner. Oftmals mit Verzögerung setzt sie ein, kommt in Schüben, und wer sich ihr nicht von Beginn an stellt, droht unter die Räder zu geraten. Mit einer äußeren Verletzung wüsste Ben umzugehen, doch ehe er in der Hartmännerwelt der Bundeswehr als Weichei mit Dachschaden gilt, verschließt er sich lieber. Bis es nicht mehr geht.

          Allgemeine Sprachlosigkeit

          Der Film „Willkommen zu Hause“ hat ein Thema; eine Handlung, das merkt man, musste der Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt erst finden. Immer wieder sind den Personen in diesem Stück leicht hölzerne Dialoge aufgegeben. Das mindert die Wucht der Erzählung nicht, vor allem zum Ende hin. Und es erklärt sich aus der allgemeinen Sprachlosigkeit, die ob des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan in unserer Gesellschaft herrscht. Was mit den deutschen Soldaten im Norden Afghanistans passiert, kratzt, um es deutlich zu sagen, hierzulande keinen. Es interessiert niemanden, es wird verdrängt, im kleinen, privaten Kreis wie in der großen Politik. Die spricht von einem „humanitären Einsatz“, dabei ziehen die Soldaten in ein Kriegsgebiet; in einen Krieg, den sie nicht führen wollen und sollen, der aber über sie kommt.

          Wie lange hat es gedauert, bis der Verteidigungsminister bei den Toten endlich von „Gefallenen“ sprach, und wie lange, bis endlich Einigkeit herrschte über einen Ort, an dem dieser Gefallenen gedacht werden kann? Wenn es um Afghanistan und um die Bundeswehr am Hindukusch geht, lügen sich alle in die Tasche. Den klarsten Satz, den wir zu diesem Thema gehört haben, sprach der frühere Verteidigungsminister Peter Struck: Die Freiheit der Bundesrepublik Deutschland werde auch am Hindukusch verteidigt. Wobei dann immer noch die Frage bleibt, welche die Afghanen an uns stellen: Was haben wir davon? Wo bleiben der versprochene Fortschritt, die Demokratie, der Wohlstand, die Menschenrechte?

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