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Fernsehserie zum 1.Weltkrieg : Das Leid, der Schmerz, die Angst sind stets gleich

  • -Aktualisiert am

Der Chefzensor des britischen Militärgeheimdienstes, Charles E. Montague (David Acton), fürchtet das Bedürfnis seiner Landsleute „die Besiegten zu demütigen“. Bild: © Looks Film/Tobias Fritzsch

Vierzehn Menschen im Ersten Weltkrieg, vierzehn Lebenswege, die eine Erfahrung verbindet, an die sich Europa erinnern muss: Die Reihe „14 Tagebücher“, zuerst bei Arte, läuft nun im Ersten. Hinsehen!

          4 Min.

          Wahre Geschichten sind immer besonders eindringlich, und wenn es um den Krieg geht, besonders schrecklich. Viele der sogenannten Doku-Dramen im Fernsehen, welche Geschichte teils nachspielen, teils dokumentarisch darstellen, machen sich dieses Prinzip zunutze. Das Problem liegt allerdings häufig darin, dass vor allem nachgespielte Szenen der Wahrhaftigkeit des Geschehens nicht gerecht werden - weil man ihnen so überdeutlich ansieht, dass sie gestellt sind. Es gibt ja kaum etwas Peinlicheres als etwa preußische Husaren, die in Guido-Knopp-Sendungen durchs Bild stolpern, als wären sie gerade noch beim Karneval aufgetreten. Der Grat zwischen Lächerlichkeit und Glaubwürdigkeit ist schmal. Auf diesem Grat aber balanciert der Autor Jan Peter, der bei der nun in der ARD zu sehenden Reihe „14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ auch Regie führte, mit bemerkenswerter Leichtigkeit.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Vier Jahre hat die Arbeit an den Filmen gedauert, in dieser Zeit sind sein internationales Team und er in Dutzende Archive gestiegen und haben in Hunderten von Aufzeichnungen gelesen. Beim Sichten des aus allen möglichen Ländern stammenden Filmmaterials, erzählt Peter im Gespräch mit dieser Zeitung, haben sie Monate in einem mit „Uniformtafeln“ geschmückten Raum verbracht. Das Schwierige sei weniger gewesen, die Filmaufnahmen aufzuspüren, sondern, sie vollständig zu sichten. „Man findet vieles, allerdings auch vieles, das niemand verschlagwortet hat.“ Dies hat Peters mit Hilfe der Uniformtafeln und zweier Filmhistoriker aus Leipzig nachgeholt - und es hat sich gelohnt. Etwa die Hälfte der historischen Filmsequenzen war bislang noch nie zu sehen. Die aus acht Folgen bestehende Langversion seiner Reihe hat Arte schon gezeigt . Die ARD hat diese Folgen nun in vier kürzere gefasst, die an zwei Abenden hintereinander laufen. Und das nicht einmal zu nachtschlafener Zeit.

          Exzellent recherchiert und klug ausgewählt

          Sehenswert sind die Filme indes nicht nur wegen der neuen Aufnahmen, sondern auch, weil sie die dokumentarischen und die schauspielerischen Teile in so dichten Bezug zueinander stellen. Die Darsteller blicken die Kamera und damit den Zuschauer immer wieder direkt an. Sie halten ihre Rollen in der Schwebe zwischen der eines Sprechers und der des Schauspielers und passen sich dem Charakter des dokumentarischen Erzählens an. Das ist gewagt, aber es mindert die Wirkung der Geschichten nicht. Im Gegenteil, man wird ständig daran erinnert, dass man es nicht nur mit wahren Begebenheiten, sondern vor allem mit Zitaten zu tun hat, denn alles, was hier gesprochen wird, wurde zuvor geschrieben: Aus den vielen Tagebüchern und Briefen, die Peter und sein Team lasen, haben sie vierzehn Lebenswege ausgewählt.

          Ernst Jünger und Käthe Kollwitz gehören dazu. Wir sehen den 21 Jahre alten Jünger (Jonas Friedrich Leonhardi) in den Schützengräben die Orientierung verlieren und plötzlich in der Ferne Soldatenstimmen hören: „Sind es Engländer? Sind es Deutsche? Sind es Engländer?“ Wir beobachten Käthe Kollwitz (Christina Große) dabei, wie sie nach der Einnahme Antwerpens im Oktober 1914 die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaisers aus dem Fenster hängt und wenig später vom Tod ihres Sohnes erfährt. Doch diese beiden Figuren sind, so prominent sie sein mögen, nur zwei unter vielen. Die anderen sind einfache Leute, Bauern und Handwerker, jung und alt, Männer und Frauen, die aus all den Ländern stammen, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren. Zwischendurch vernehmen wir Sätze auch von Menschen aus der Türkei, Iran, Kanada und Galizien.

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