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Fernsehkritik „Wetten, dass..?“ : „Man lebt nur zweimal“

  • -Aktualisiert am

Markus Lanz: „Der älteste Debütant“ als „Wetten, dass..?“-Moderator Bild: dapd

James Bond ist dieser Tage in seiner Kinoversion gerade 50 Jahre alt geworden und hat bereits seinen sechsten Hauptdarsteller. „Wetten, dass..?“ hat nach über dreißig Jahren mit Markus Lanz seinen vierten Moderator. Die Frage ist: Wird er der Timothy Dalton oder der Pierce Brosnan des ZDF?

          „Das Showevent des Jahres 2012“, sagt die Stimme aus dem Off, während das Publikum frenetisch klatscht und Markus Lanz die Bühne betritt, die er jetzt drei Stunden und zwölf Minuten nicht mehr verlassen darf. „Die schlechte Nachricht zuerst“, sagt Lanz nach der Begrüßung, „ich bin der älteste Debütant als ’Wetten, dass..?’-Moderator.“ In James-Bond-Kategorien gedacht also Roger Moore. Die gute wäre, führt Lanz weiter aus, dass Düsseldorf eine höhere Pelzdichte hätte als Grönland. Deswegen hätte er den Job auch angenommen, obwohl er wie „jeder vernünftige Mensch“ gezögert hatte.

          Es folgt ein schlechter Witz, in dem „Wetten, dass..?“ dreimal vorkommt und eine Geschichte in - gerade für einen Südtiroler wie Lanz - schlecht nachgemachtem österreichischen Dialekt. Lanz ist nervös. Das ist klar, und das sieht man auch ein bisschen.

          „Ich wette, dass das eine oder andere in die Hose gehen wird“, sagt er und dann ist auch schon Campino von den „Toten Hosen“ auf der Bühne neben ihm. Campino, der Punker mit Krawatte und Vorstandssprecher der weltbekannten Krawallschlagertruppe aus Düsseldorf, sieht aus wie Lanz‘ verlorener Zwillingsbruder. Er ortet in Fortuna Düsseldorf den „Nimbus der Unbesiegbarkeit“, obwohl diese erst Stunden zuvor gegen Mainz 05 verloren haben. Er gibt den fest in Düsseldorf verwurzelten Jungen von nebenan, für den es mit Lederhose und Seppelhut am Oktoberfest rumzulaufen, schlimmer ist als nackt, und wird mit dieser Rolle den ganzen Abend nicht mehr aufhören.

          Seine erste Sendung  „Wetten, dass..?“ war ein Balanceakt. Bilderstrecke

          Dann kommen die Wettpaten mit „ihren“ Kandidaten. Sylvie und Rafael van der Vaart, der später erzählen wird, dass er in einem Wohnwagen aufgewachsen ist; Karl Lagerfeld, der den Muppet-Figuren Waldorf und Statler nicht nur äußerlich immer ähnlicher wird; die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die Grippe hat und einen an Enzensbergers Essay „Habt Mitleid mit Politikern“ denken lässt; Rolando Villazón, der später mit seinen Augenbrauen morsen wird; Wotan Wilke Möhring, der mit Campino um die Wette cool ist; und Comedian Bülent Ceylan. Der wird später, von Lanz über das Verhältnis der Komiker untereinander gefragt, antworten: „Wenn Komiker andere Komiker angucken, dann lachen sie nicht dabei.“ Der Rezensent wird sich seines Zweitberufs erinnern und sich den Ratschlag zu Herzen nehmen. Endlich sitzen alle auf der Couch und wir sehen, dass sie durch das Studio fahren kann. Eine Neuerung. Für das ZDF.

          Zarte Zoten

          Es wird körperlich und es folgen zarte Zoten. Lanz träumt angesichts der Haarpracht von Ceylan und Lagerfeld von einer „Zusammenführung der Pferdeschwänze“. Er erzählt vom gegenseitigen Nasenhaarschneiden von Villazón und Domingo in Wien. Das Ehepaar van der Vaart wird später noch Fahrrad fahren müssen, Möhring Nacktszenen versprechen, Kraft wird zugeben, den Ruderern auf die Muckis geschaut zu haben, von Jennifer Lopez erfahren wir, dass ihr Hintern ihr Macht verleiht, Ceylan muss tanzen und Lanz selbst wird Liegestütze mit Bierkästen auf dem Rücken machen müssen. Das ist echtes Körperfernsehen. Das ist neu. Für das ZDF. Dazwischen geht es meistens um Fußball.

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