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Fernsehkritik : Nachts in Wien auf der Reeperbahn

Nicht nur auf einen Heurigen ins Rotlichtviertel: Vera (Aglaia Szyszkowitz) wandelt auf ihren eigenen Spuren Bild: SWR/ORF/Oliver Roth

Die ARD hat schon jetzt den falschesten Film des Jahres im Programm. An den „Schatten, die dich holen“ interessiert nur, was alles nicht stimmt: Wien, zum Beispiel.

          Dieser Film spielt unverkennbar in Wien. Mal sieht man die Hofburg, mal den Stephansdom und mal einen Fluss, der durchaus die Donau sein kann. Auch reden Haupt- wie Nebenfiguren immerfort davon, wie angenehm es doch in der Stadt sei. Bereits dieses Dauerlob auf die Metropole des Schmähs, der Intrige und der kunstvoll üblen Nachrede weist sie als Ausländer aus, im speziellen Fall sind sie durchweg zugereiste Piefkes.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Das verwundert nicht wenig, stammt doch die Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz allen biographischen Angaben gemäß aus Graz und der Hauptdarsteller Bernhard Schir aus Innsbruck - ihre Dialoge werden jedoch in einem so gestochenen Hochdeutsch geführt, dass selbst Hannoveraner darüber vor Neid erblassen müssen.

          Zur Fondsmanagerin des Jahres nominiert

          Zumindest Wahlwiener sind der Drehbuchautor Uli Brée und der Regisseur Robert Dornhelm. Aber auch ihnen fällt zu dieser Stadt nicht mehr ein als die Behauptung, wir befänden uns in ihr. Nicht einmal der Hotelportier redet hier wienerisch, sondern lieber gar nicht, am allerliebsten aber schläft er selig, wenn ganz nahe seinem Ohr eben mal ein Gästezimmer zerlegt wird. Kurzum, der Film "Die Schatten, die dich holen" ist in etwa so wienerisch wie ein Kaffeehaus in Hongkong oder ein Fiaker auf der Reeperbahn.

          Kurt (André M. Hennicke) will von Vera (Aglaia Szyszkowitz), die einst für ihn anschaffte, nun einen Anteil vom neuen, sauberen Reichtum

          Mit der Reeperbahn kommt man der Handlung schon sehr nahe. Denn dort hat die nun in Wien zur Fondsmanagerin des Jahres nominierte Vera Schlink (eben: Aglaia Szyszkowitz) bis vor gut einem Jahrzehnt ein Vorleben als Prostituierte geführt, wenn auch eines, das dem edelsten aller Motive geschuldet war: der Liebe zu ihrem hoffnungslos überschuldeten Freund.

          Gleichwohl, das versteht man, soll dieses nördliche Vorleben nun, da sie im Restbestand der k.u.k. Kulisse etwa mit Investments in "Clean Energy" auch gesellschaftlich reüssierte, erst gar nicht ruchbar werden. Das ruft unweigerlich Kurt (André M. Hennicke), den eingeschworenen Kiezluden und Kapitalverbrecher, auf den Plan. Gerade nach gut zehnjähriger Haft aus Santa Fu entlassen, braucht er naturgemäß Geld. Und da er die gewandelte und geläuterte Vera auf dem Titelbild eines Hochglanzmagazins entdeckt, weiß er umgehend auch, von wem er es sich holen kann und will. So also nimmt das Schicksal für Vera Anlauf zu einem ziemlich schlechten Lauf.

          „Mir fehlen gerade die Worte“

          Der Film, der diese Geschichte erst supponiert und dann durchdekliniert, ist in einer Hinsicht wirklich spannend - als Lehrstück darüber, was man in knapp neunzig Minuten als renommierter Drehbuchautor und als renommierter Regisseur mit einem renommierten Schauspielerensemble so alles falsch machen kann. "Die Schatten, die dich holen" ist jedenfalls so voller Unwahrscheinlichkeiten und Klischees, dass man zunächst ungläubig staunt, bald jedoch nur noch Augen hat für das unfreiwillig Komische einer wie besinnungslos vor sich hin taumelnden Schmacht-, Sex- und Crime-Handlung.

          Vera und ihr Mann Hannes (eben: Bernhard Schir) betreiben ihre Finanzfirma gemeinsam. In den Büros aber trifft man sie nur kurz an, dann geht es, dilettantisch genug, auf Verbrecher- und Erpresserjagd. Aber obwohl ihr Laden darob Tage lang einfach dicht ist, wird Vera natürlich zur Managerin des Jahres gekürt. „Mir fehlen gerade die Worte“, sagt sie bei der Preisverleihung. Dem lässt sich nur beipflichten. Zuvor gibt es irgendwie zwei Tote und einen völlig sinnfreien, dafür voyeurfreundlichen Auftritt Veras in ihrer ehemaligen Berufskleidung. Wiens Polizei ist bei all dem höflichst abwesend. Aber Wien ist hier ja auch nur ein Fake.

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