https://www.faz.net/-gqz-7pq1v

„Mord in Aschberg“ im ZDF : Nicht ohne meine Freundinnen

Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) scheint beliebt zu sein. Bild: ZDF / GORDON Photographie

Sein Mitbewohner ist nach dem Kopfschuss etwas komisch, er selbst die Frauenversteher-Ausgabe eines Philipp Marlowe: Hinnerk Schönemann spielt den coolsten Detektiv im deutschen Fernsehen. An diesem Montagabend läuft „Mord in Aschberg“ im ZDF.

          Dieser Adam. Bei dem stimmt doch was nicht. Die Sache mit der Rippe. Wenn Eva aus der Rippe erschaffen wurde, wieso hat Adam dann einen Bauchnabel? War er nicht der erste Mensch? Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) hört zu, verzieht keine Miene und legt ein Stück Fleisch auf den Grill. Er ist es gewohnt, dass ihm sein Untermieter, mit dem er auf einem alten Bauernhof in der norddeutschen Prärie wohnt, mit solchen Fragen kommt. Nachdem er einen Kopfschuss überlebt hat, ist dieser Gerhard Mühlfellner (Thomas Thieme) nun mal etwas wunderlich. Vorher war er begriffsstutzig, jetzt schaltet er schnell vom Hier und Jetzt ins Nirwana.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Rippe, das Fleisch, der Grill, der Privatdetektiv, der ältere Ex-Polizist - schon in ihrer ersten Szene fühlt man sich in dem Film „Mord in Aschberg“ wieder zu Hause in der Welt des Regisseurs Markus Imboden und des Autors Holger Karsten Schmidt. Sie schreiben dieser Besetzung (zu der noch ein paar andere gehören) schräge Geschichten zu, die in kein Raster passen. Komödie, Satire, Thriller, Krimi, Drama, Groteske - hier ist alles eins, steckt voller Anspielungen, Zitate und pointenreicher Dialoge plus einem coolen Soundtrack.

          Mit dem Bagger zum Showdown

          Den Mord gibt es auch gleich zu Beginn. Professionell ausgeführt von dem Scharfschützen Thomas Trappe (Florian Lukas) und hinterlistig eingefädelt von Simone Albrecht (Julischka Eichel), die nicht nur den Mörder beauftragt, sondern auch den Detektiv Zehender. Er soll ihren Mann Jörg (Peter Schneider) überwachen. Der weiß von alldem noch nichts, trifft sich mit einem Erpresser, der segnet das Zeitliche. Das sieht aus wie in einem amerikanischen Krimi, klappt alles wie am Schnürchen, nur verlangt der miese Killer von Simone Albrecht noch einen besonderen Preis.

          Und auch der Detektiv tanzt aus der Reihe, weil er sich fragt, wie hier eins zum anderen passt. Den ebenso cholerischen und bornierten wie in seinen Mitteln limitierten Kommissar Festenberg (Aljoscha Stadelmann) konsultiert Zehender besser nicht. Dafür ist er bei seiner früheren Kollegin vom LKA in Hamburg, Karin Herzog (Stephanie Eidt), an der richtigen Adresse. Und wenn nicht bei ihr, dann bei der Jurastudentin und künftigen Staatsanwältin Agnes Sonntag (Katja Danowski). Ohne die beiden stünde der Detektiv, der sich bald selbst im Kugelhagel wiederfindet, auf verlorenem Posten. Wobei er auch als Frauenversteher-Ausgabe eines Philipp Marlowe ein hohes Risiko eingeht. Er hält die Damen nämlich beide hin und verschenkt Ringe. Es fragt sich, wie lange die Menage-à-trois funktioniert.

          Mühlfellner (Thomas Thime) und Zehender (Hinnerk Schönemann) sitzen in der untergehenden Sonne, die Currywurst ist fertig, sie reden übers Glück.

          Das Schöne an der Sache ist, dass hier alle die eine oder andere Macke haben. Agnes Sonntag kippt sich gern einen hinter die Binde, Karin Herzog lässt den Detektiv gar nicht ausreden, da befingert sie ihn schon und setzt, als es gefährlich wird, rechtzeitig die Kavallerie in Marsch. Und bei diesem Finn Zehender selbst weiß man gar nicht, ob er unterschätzt wird und das einzusetzen weiß oder wirklich auf dem Schlauch steht. Sein Mitbewohner Mühlfellner jedenfalls ist nicht ganz von dieser Welt. Zum Showdown fährt er todesmutig, aber unbewaffnet mit einem Bagger, den er beim Preisausschreiben gewonnen hat, und die Frau seiner Träume erscheint ihm als Blumenmädchen auf der Wiese.

          Am Ende sitzen die beiden Herren in der untergehenden Sonne, der Grill qualmt, die Currywurst ist fertig, und sie reden übers Glück. Der nächste Fall aus Aschberg kann kommen. Unbedingt bitte, wenn wir an dieser Stelle eine Forderung ans ZDF stellen dürfen.

          Detektiv Finn Zehender

          Finn Zehender ist der einzige Detektiv von Aschberg - und auch der günstigste. Das ZDF ließ ihn bisher in zwei Comics ermitteln, die auf der Webseite des Senders immer noch abrufbar sind:

          In „Tödliches Wolfsrudel wird Stefan Kaltenbrunner unter einem Hochsitz tot aufgefunden. Als Tierschützer und Jagdgegner hatte er nicht gerade viele Freunde in Aschberg. Mit Hilfe diverser Damen findet Finn Zehender aber bald heraus, dass die Motive für die Tat ganz andere waren.

          In „Tödlicher Windhauch kommt Jennifer Reckermann ums Leben, sie war verantwortlich für den Bau eines Windparks. Bald wird Frank Mühlfellner festgenommen, ein Bio-Bauer und Windpark-Gegner. Er ist der Neffe von Gerhard Mühlfellner, dem Ex-Polizisten, der praktisch Finn Zehenders Mitbewohner ist. Die Mission der beiden: Franks Unschuld beweisen.

          Jetzt ermittelt Finn Zehender erstmals auch im Fernsehen: Mord in Aschberg läuft an diesem Montag, 26. Mai 2014, um 20.15 Uhr im ZDF.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bayern 3:3 in Amsterdam : „Ein sensationell gutes Spiel“

          Beim 3:3 der Münchner in Amsterdam spielt der Fußball verrückt. Trainer Niko Kovac ist zufrieden. Doch die Partie offenbart einige Baustellen beim FC Bayern. Vor allem einer spricht sie an.

          Vor EU-Gipfel in Brüssel : Maas bleibt hart bei Brexit-Vertrag

          Nach ihrem überstandenen Misstrauensvotum will Theresa May das Brexit-Abkommen in Brüssel nachverhandeln – doch dafür sieht die Bundesregierung kaum Chancen. Man sei „auf alles vorbereitet“, sagt der Außenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.