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Models bei Beckmann : Eine penetrant unaufmerksame Talkstunde

  • -Aktualisiert am

Die Zehen blieben diesmal unterm Tisch: Heidi Klum Bild: AP

Reinhold Beckmann hatte wieder Heidi Klum zu Gast - das Gespräch über „ihr Leben in Amerika, über die Chancen von Hillary Clinton und Barack Obama, über ihre Liebe zu Seal sowie über Schönheitsideale und Schlankheitswahn“ aber interessierte nicht einmal den Gastgeber selbst.

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          Vorabmeldungen sind eine prima Sache. Für Reinhold Beckmann zum Beispiel, wenn ihm auffällt, dass ihm nichts mehr einfällt. Oder auch für Heidi Klum, wenn ihr einfällt, dass sie nicht genug auffällt.

          Kurz vor Ausstrahlung der Talkshow „Beckmann“ jedenfalls und wenige Tage vor Neuauflage einer Sendung, bei der abermals ein deutsches Supermodel über konkave Mädchen-Bäuche und krumme Beine befinden lassen wird, blitzte in deutschen Medienspalten die Nachricht auf, Heidi Klum wolle der schwer entgleisten Pop-Sängerin Britney Spears in ihrer Familie gern Asyl gewähren: „Die würde ich schon zurechtbiegen“, hieß es da.

          Kein Jahrhundertgespräch

          Mehr noch: Klum spreche in der bereits aufgezeichneten Sendung „Beckmann“ über „ihr Leben in Amerika, über die Chancen von Hillary Clinton und Barack Obama, über ihre Liebe zu Seal sowie über Schönheitsideale und Schlankheitswahn“. Und schon hielt man am Montag mal selbst die „Tagesthemen“ durch, um irgendwie noch eine Talkstunde zu erleben, die zwar kein Jahrhundertgespräch sein würde, das war klar, aber immerhin: die ein bisschen gesellschaftspolitischen Zündstoff und eine gute Portion Unterhaltung mit sich zu bringen schien.

          Lena Gercke: Die Gewinnerin der ersten Staffel

          Vielleicht würde sie noch einmal ihren Humor und die Nummer mit den Zehen und den Kaubonbons auspacken, mit der die wache Blonde bereits bei vorangegangenen Fernsehbegegnungen Publikum und Werbepartner bei Laune hielt. Und vielleicht würde sie Bruce Darnell, dem „Germany's Next Topmodel“-Kollegen von einst, gar zur Hilfe eilen, um ihn nach dem Wechsel ins Erste gegen die Übermacht der Skeptiker zu verteidigen - trotz allem!

          Belangloses am Rande

          Doch daraus wurde nichts. Die Zehen blieben unter dem Tisch. Bruce Darnell wurde so gut wie übergangen. Auch von der verstörten Spears, dem unerhörten Obama und der überhörten Clinton („eine starke Frau“) war allenfalls belanglos am Rand die Rede, mit besagtem Sätzchen.

          Und die Magermodel-Debatte, die 2006 noch dank „Germany's next top model“ aufgeworfen worden war, kam daher wie eine müde Gefälligkeit für die unlängst von den Bundesministerinnen Schmidt, von der Leyen und Schavan angestoßene Initiative „Leben hat Gewicht“. Auch weil da mit Lena Gercke und Barbara Meier zwei Frauen saßen, „Next Topmodels“ aus dem Hause Klum, die von ihrer Fördererin bei jeder Gelegenheit für ihre Schönheit und ihren gesunden Appetit gelobt wurden.

          Und weil Beckmann von den eigenen Fragen nach dem „Heroine-Chique“ in Paris, dem „Hochgeschwindigkeitsleben“ der Modebranche, der „inneren Alarmanlage“, kurz: den tausendfach abgenutzten Klischees und Phrasen, derart gelangweilt war, dass er gegen Ende des Abends verstohlen an seinen Fingern zupfte und froh war, sich mit einigen Fragen zur Liebe im Zeichen des Seehunds über Wasser halten zu können.

          So bleib nach dieser viel zu langen und viel zu penetrant unaufmerksamen Talkstunde eigentlich nur eines für die Nachwelt: die Erinnerung an den eingespielten Werbeclip für einen BH-Hersteller, in dem Heidi Klum, sechs Monate schwanger, merkwürdige Dinge mit ihren Brüsten anstellt und dabei lacht. Und davon war noch nicht einmal in der Vorabmeldung die Rede. Na prima.

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