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Fernsehkritik : Keine „Gebärmaschinen“ bei „Christiansen“

  • -Aktualisiert am

Bischof Mixa beobachtet ein Frühgeborenes im Josefinum in Augsburg (Sommer 2006) Bild: dpa

„Wer rettet die Familie?“ wollte Sabine Christiansen wissen, doch Bischof Mixa nahm der Debatte früh die Brisanz. Seine Kritik an der Familienpolitik von der Leyens sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, insbesondere sein Wort von den Müttern als „Gebärmaschinen“. Von Tilmann Lahme.

          Nach drei Minuten war alles vorbei. Eigentlich. Schon in seinen Eingangssätzen in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“ („Wer rettet die Familie?“) gestern Abend sagte Bischof Walter Mixa, er fühle sich falsch verstanden.

          Seine Kritik an der Familienpolitik der Ministerin Ursula von der Leyen („schädlich für Kinder und Familien“) sei aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden, insbesondere sein Wort von den Müttern als „Gebärmaschinen“, das in den vergangenen Tagen für scharfe Kritik gesorgt hatte.

          Mixas Missverständnis

          „Ich wollte damit ganz eindeutig eintreten für die Frau“, erklärte der Bischof nun im Ersten. Es gehe ihm vor allem darum, Respekt und Anerkennung gegenüber jenen Frauen einzufordern, die sich dafür entschieden, ihre Kinder zumindest in den ersten drei Jahren zu Hause zu erziehen. Man dürfe sie nicht als „Heimchen am Herd“ diffamieren.

          „Sabine Christiansen”: Seltsamer Konsens ohne notwendige Nachfragen

          Man merkte der Runde, die sich bei Sabine Christiansen versammelt hatte, regelrecht die Enttäuschung darüber an, dass der Hauptgegner der vergangenen Tage, der störrisch von seinen Worten nicht hatte lassen wollen, nun scheinbar einlenkte, alles als ein großes Missverständnis hinstellte. Man vergaß darüber sogar, den Bischof zu fragen, welche unterschwellige Diffamierungskampagne er denn in den Plänen von der Leyens, in den kommenden Jahren für mehr Krippenplätze in Deutschland zu sorgen, erkannt haben wollte.

          Stattdessen forderte Mixa rasch noch ein Erziehungsgeld für alleinerziehende Mütter, dass es ihnen ermögliche, in den ersten drei Jahren nach der Geburt zu Hause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Gegen Kinderkrippen sei er nicht, erklärte der Bischof noch, „sonst wäre ich ja von vorgestern.“

          Langweilig, uninspiriert und konfliktfrei

          Jemand von vorgestern, aus Medienperspektive, durfte in die deutlich abgekühlte Atmosphäre des Berliner Fernsehstudios hinein eigene Erfahrungen zum Thema Kinderbetreuung vortragen. Die frühere Fernsehmoderatorin Margarethe Schreinemakers, die mit ihren beiden Kindern in Belgien lebt, erklärte, wie selbstverständlich es in anderen europäischen Ländern bei der Kinderbetreuung zugehe.

          Eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die ihre Familie mit mehreren Jobs ernährt, sprach von ihren Problemen, eine Unternehmerin und Mutter von ihrem harten, aber erfolgreichen Kampf, beides hinzubekommen, und ein Ehepaar um die siebzig, das schon optisch wie aus den fünfziger Jahren importiert zu sein schien, pries die heile Welt der „bewährten“ Rollenverteilung.

          Das war alles so langweilig, uninspiriert und eigentlich sogar konfliktfrei, indem man dem jeweils anderen Lebensentwurf seine Daseinsberechtigung gnädig zugestand, dass man froh sein durfte, dass wenigstens zwei Diskussionsteilnehmer für Zündstoff sorgten: Wolfgang Grupp, Textilunternehmer (Trigema), und die Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby.

          „Erziehung ist Mutterpflicht“

          Grupp übernahm die frei gewordene Stelle des Bischofs Mixa, sprach von den „Mutterpflichten“ und den wunderschönen Zeiten der Kindeserziehung durch die Mutter, von der Modernität seines Vaterbildes (Väter, die Elternzeit nehmen wollen, gebe es bei ihm im Unternehmen grundsätzlich nicht, Erziehung sei eben Mutterpflicht) und von eigener Kindeserziehung.

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