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Fernsehkritik : Katzenklo: Pro Sieben startet den „Gameshow-Marathon“

  • -Aktualisiert am

Da jubelt auch nur Sonya Kraus: Pro Sieben startet den „Gameshow-Marathon” Bild: Pro Sieben

Das muss ihnen erst mal einer nachmachen: Alle setzen auf Impro-Comedy, und Pro Sieben macht eine Show, in der jeder einzelne Witz aufgeschrieben wirkt. So können sich nicht eimal Fernsehnostalgiker am „Gameshow-Marathon“ freuen.

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          Wenn das Auffälligste an einer Sendung die Werbepausen sind, ist das meist kein besonders gutes Zeichen. Am Montagabend zeigte Pro Sieben die erste Folge seines neuen „Gameshow-Marathons“, doppelmoderiert von Oli Pocher und Oli Petszokat, und das, was einem als Zuschauer neben den Sticheleien der beiden Präsentatoren am eindringlichsten in Erinnerung bleibt, sind die viel zu kurzen Pausen, in denen man gerne noch abgespült hätte oder zumindest den Müll heruntergebracht. Dafür waren dreieinhalb Minuten ein bisschen wenig, wenn man an die doppelte Unterbrechungszeit gewöhnt ist.

          Selten waren bei Pro Sieben zur Hauptsendezeit so wenige Werbespots zu sehen. Zwölf Minuten dürfen die Privatsender in der Stunde werben, und für ihre Spielshow-Reminiszenz haben die Münchner am Montag insgesamt gerade einmal siebeneinhalb davon verkaufen können. Das ist nicht viel für eine der wichtigsten Sendezeiten im deutschen Fernsehen - und lässt sich auch nicht schön rechnen, wenn man die kurze Pause einkalkuliert, die der Sender seinen Zuschauern davor vom öden „Single-Dinner“ gönnte, weil die zweite „Marathon“-Pause in die neue Stunde nach neun Uhr gerutscht war.

          Vom Medley für Fernsehnostalgiker zur Trash-Show

          Das Vertrauen der Werbekunden in die Show war also nicht groß. Bei den Zuschauern hingegen ist sie mit 11,6 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe recht gut angekommen. An der Umsetzung kann es nicht gelegen haben. In Großbritannien war die Sendung, deren Konzept Pro Sieben übernommen hat, vor anderthalb Jahren bei ITV ein Riesenerfolg. Eine Reihe von Prominenten spielte Rateshow-Klassiker nach, dazu wurden die schönsten, lustigsten, absurdesten Bilder aus den Original-Sendungen gezeigt, eine Art aufgepepptes Medley für Fernsehnostalgiker.

          Pro Sieben hat eine reine Trash-Veranstaltung daraus gemacht, mit der ehemaligen „Glücksrad“-Buchstabenfee Sonya Kraus als Kandidatin, Comedian Hennes Bender und Viva-Moderatorin Gülcan, bei der man gar nicht so recht weiß, ob sie überhaupt noch bei Viva arbeitet, weil sie die meiste Zeit in irgendwelchen Rateteams bei anderen Sendern sitzt. Und alle wollten sie zeigen, wie wenig ernst sie diese Veranstaltung nehmen.

          Sieben Wochen nacheinander lässt Pro Sieben nun „Glücksrad“, „Hopp oder Top“, „Ruck Zuck“ und „Geh aufs Ganze“ nachspielen, am Montag machte „Der Preis ist heiß“ den Auftakt, und die Prominenten mussten wie damals in den Neunzigern die mit Bussen heran gekarrten Hausfrauen Preise ihren Produkten zuordnen oder andersherum.

          Immerhin: Die Gewinnpalette war realistisch

          Die meiste Zeit ging allerdings dafür drauf, dass der eine Oli-Moderator den anderen herum kommandierte. Irgendjemand bei Pro Sieben muss die Idee gehabt haben, dem Pocher den Petszokat als Sidekick ans Bein zu binden. Das hat eigentlich auch ganz gut funktioniert, wäre aber vielleicht besser in einer separaten Show am späten Abend nach „TV total“ aufgehoben. Andererseits muss das dem Sender erst mal einer nachmachen: Alle setzen auf Impro-Comedy, und Pro Sieben macht eine Show, in der jeder einzelne Witz aufgeschrieben wirkt.

          Am Ende blieb bloß Zeit für drei mäßig spannende „Der Preis ist heiß“-Spiele. Mit dem Tempo des Originals hatte das nicht viel gemein. Dass Ex-Moderator Harry Wijnvoord für einen wortlosen Gastauftritt vorbei schaute, half auch nicht. Man kann diese furchtbaren Gameshows mit den ratlosen Kandidaten und den albernen Pappkulissen aus den Anfangsjahren des Privatfernsehens sicher nicht bierernst nehmen - aber für eine Parodie ist der „Gameshow-Marathon“ zu sehr auf sein Spielprinzip konzentriert, für eine lustige Neufassung der RTL-Show jedoch viel zu überladen. Gewonnen wurden Porzellanhunde, Rasierer, Liegestühle, Toaster, Katzenklos und auch ein paar nützliche Utensilien wie Kameras und Computer, die nun per kostenpflichtiger Hotline an die Zuschauer weitergereicht werden. Immerhin: eine realistische „Der Preis ist heiß“-Gewinnpalette.

          Nur bei einem Detail hat sich Pro Sieben keine Mühe gegeben, die Neuauflage ans Original anzupassen: Auf die Einblendung „Dauerwerbesendung“ am Bildschirmrand wurde verzichtet, trotz umfassender Promotion für Computerhersteller und Reiseveranstalter. Wenn man Lust hat, kann man sich so auch zusammenreimen, was es mit den kurzen Werbepausen auf sich hatte.

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