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Fernsehkritik : Drei Oberlehrer und ein Hilfsschüler

Hände hoch: Uwe Steimle geht in Deckung Bild: WDR/Thomas Ernst

„Kabarettisten an die Macht“: Das forderte gestern Abend die Runde bei Sandra Maischberger. Gut, dass es dazu nicht kommen wird: So eitel und zänkisch wie unsere Politiker sind unsere Kabarettisten schon lange. Die FAZ.NET-Fernsehkritik von Jörg Thomann.

          Es gehört zu den angenehmen Merkmalen der Demokratie, dass jeder die Regierenden kritisieren darf, ohne den Beweis antreten zu müssen, es besser machen zu können. Das Recht, über die Gesundheitsreform zu lästern, müssen wir uns nicht dadurch erkaufen, dass wir höchstselbst Konzeptpapiere entwerfen, zäheste Gremiensitzungen durchstehen und unsere Ideen gegen unwillige Koalitionspartner verteidigen. Ganze Berufsgruppen leben davon, vermeintliche Wahrheiten ungeprüft in den öffentlichen Raum zu stellen. Dazu gehören die Journalisten, allen voran die politischen Leitartikler, und ebenso die Kabarettisten.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Kabarettisten an die Macht!“: Dieser Ausruf als Motto der gestern Abend ausgestrahlten Maischberger-Runde war natürlich ironisch gemeint. Die Machtfrage haben die Geladenen jeder für sich längst geklärt: Sie haben keine Macht, doch immerhin oft die Lacher auf ihrer Seite und dabei ein ordentliches Auskommen. Letzteres gilt beileibe nicht für alle Politsatiriker, wohl aber für die vier Maischberger-Gäste, mit denen die ARD ihre Hauskabarettisten versammelte: die „Scheibenwischer“-Stammbesetzung mit Bruno Jonas, Mathias Richling und Richard Rogler sowie Uwe Steimle, der zwar nicht als Kabarettist, aber als NDR-„Polizeiruf“-Kommissar in Diensten des Senders steht. Regieren möchten diese vier nicht, schon gar nicht gemeinsam. Für das Land ist das, wie die gestrige Sendung bewies, ein großes Glück.

          Grundschüler auf dem Abi-Ball

          Anders als die Politiker, so Richling, „wissen wir, was wir nicht können“. Es war einer der wenigen Momente, in denen so etwas wie Selbstkritik aus dem Gespräch herauszuhören war. Mit Hildebrandts „Scheibenwischer“-Erben saßen drei in sich selbst ruhende, graumelierte Herren in feinem schwarzen Zwirn der Moderatorin gegenüber, die keinen Zweifel daran ließen, wer hier die Platzhirsche waren und wer das Reh. Neben den Kollegen wirkte Steimle im knallbunten Hemd und Jeans wie der Grundschüler, der sich auf den Abi-Ball verirrt hat - ein Eindruck, der sich unglücklicherweise jedesmal bestätigte, wenn er den Mund aufmachte.

          Will kein Spaßmacher sein: Mathias Richling

          So schwärmte der Sachse Steimle von den 60.000, die gerade wieder „zu Karl und Rosa“ gepilgert seien, und konstatierte, dass „Kommunismus und Kirche nicht weit voneinander entfernt“ seien - was ihm vom geläuterten Maoisten Rogler eine Rüge einbrachte: „Kommunismus ist ein Verbrechen.“ Zum Thema Rauchverbot fiel Steimle auf, dass es in diesem Lande viel einfacher sei, „das Rauchen zu verbieten, als Neonazis“. Da staunte nicht nur Jonas darüber, „was du für Kausalitäten aufstellst“.

          Die richtige Haltung

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