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Fernsehkritik : Drei Oberlehrer und ein Hilfsschüler

Der haarsträubende Unsinn, den Steimle verzapfte, war nicht nur für die Kollegen schwer erträglich - und wirkte dennoch fast erfrischend neben den abgeklärten Auslassungen von Richling, Rogler und Jonas. Edmund Stoiber wurde ein versöhnlicher Abschied bereitet (Jonas: „Man vermisst ihn jetzt schon“) und Ulla Schmidt von Richling, der sie meisterhaft zu parodieren vermag, dafür gelobt, dass sie auch ohne Kameras über sich lachen könne. Rogler wiederum pries Guido Westerwelle, der ein „Freak“ sei: „Ich finde den wirklich gut, der fällt zumindest noch auf.“ Jonas durfte sich in einem Einspielfilm ansehen, wie er vor zwanzig Jahren gegen Kernkraftwerke wetterte, und dies als Beweis dafür werten, damals wie heute die richtige „Haltung“ zu besitzen. Lobende Worte für sich selbst als kritisches Individuum fand auch Rogler: „Ich passte schon als Schüler nirgendwo rein.“ Zumindest bei Maischberger hatten sie gottlob alle ihren Platz gefunden; zwischen den Stühlen saß hier niemand.

Der gutgelaunten Moderatorin stand auch nicht der Sinn danach, ihre Gäste mit unbequemen Fragen, etwa nach dem stolzen Altersdurchschnitt der bekanntesten deutschen Kabarettisten, zu stören - so wie es keinem der Berufsspötter einfiel, eine Spitze zum aktuellen Jauch-Theater der ARD abzuschießen, in dem Sandra Maischberger noch eine gewichtige Rolle zufallen könnte (siehe auch: ARD entwickelt Pläne für Sandra Maischberger, Frank Plasberg und Anne Will). Nur kurz angeschnitten wurde das heikle Thema Islam; auf Maischbergers Frage, ob man darüber „Spaß“ machen dürfe, gerierte sich Richling als empörte Kleinkunst-Diva: „Es geht nicht darum, Spaß zu machen!“ Als ob sich seine Ulla-Schmidt-Parodien nur als strenge Satire statt als purer Spaß goutieren ließen.

Unser Öl in Nahost

Als Sympathieträger taugt, wer sich die Besserwisserei zum Beruf erkoren hat, nur bedingt. Bezeichnend waren die Reaktionen der Kollegen auf die Äußerungen Steimles, die sich vom Kopfschütteln übers Aufstöhnen bis zu hämischem Gelächter steigerten. So wagte es Steimle, sich gegen Windräder und für Atomkraft auszusprechen. „Die ganze Anti-Atombewegung hat er nicht mitgekriegt“, kommentierte Rogler im gönnerhaft-mitleidsvollen Ton des Lehrer-Veteranen, der den Hilfsschüler rügt. Auf Ablehnung stießen auch Steimles Thesen zur Energiekrise, wonach - wenn wir einigermaßen folgen konnten - Russen und Weißrussen gemeinsam den Öl-Zapfhahn zudrehen, damit Deutschland wieder Kernkraftwerke baut, während es auch im Nahen Osten nicht um Religion, sondern nur um Rohstoffe geht, dort ist schließlich „unser Öl“, es sind ja unsere Steuergelder, die direkt vom Bundestag nach Amerika gehen, und weil sich Russland und Iran so gut verstehen... nein, tut uns leid - wir konnten doch nicht folgen.

Der Höhepunkt aber kam zum Schluss. Da warf Steimle dem „Scheibenwischer“ vor, „manchmal auch Staatskabarett“ zu sein, weil gewisse Leute nicht eingeladen würden, und für einen Moment sah es aus, als würde sich Richling seines edlen Jacketts entledigen und über den Tisch springen wollen. Statt dessen höhnte er nur: „Du willst zu uns kommen!“ Was Steimle auch gar nicht abstritt, worauf wiederum Richling erklärte, ihn längst eingeladen zu haben - doch „du hast uns abgesagt“. Dieses kleine Fegefeuer der Eitelkeiten dürfte den Politikern der Regierungsparteien, so sie diese Sendung gesehen haben, Genugtuung verschafft haben: Sollen die Kabarettisten doch weiter über die große Koalition lästern. Sie selbst bekommen ja nicht einmal eine kleine hin.

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