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Fernsehkritik: Beckmann : Der Star ist der Star ist der Star

Wetterte gegen den „Pisa-Komplex”:Moderator Reinhold Beckmann Bild: picture-alliance/ dpa

Was haben Andrea Ypsilanti und Roland Koch mit Tom Cruise zu tun? Und was die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen mit Scientology? Bei Reinhold Beckmann wurde es verraten.

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          Was Nicolas Sarkozy betreibe, sagte Miriam Meckel inmitten der Sendung, sei „Politainment“. Doch ist es Politik als Unterhaltung, Unterhaltung als oder gar anstatt Politik? Wohl eher Letzteres, meinte der ehemalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, und das sei für den französischen Staatspräsidenten sehr riskant. Denn über kurz oder lang werde sein Auftreten nicht mehr zu dem Bild passen, das sich die Franzosen von ihrem Staatspräsidenten und dessen Amt machten. In seiner Funktion, aber auch in seiner Person sieht sich die Nation repräsentiert. Da muss man mit neckischem Geturtel und Schabernack für die Fotografen aufpassen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Monsieur Sarkozy kam in der Sendung von Reinhold Beckmann nur in einem Halbsatz vor, doch in diesem wiederum fand sich die Essenz einer ziemlich interessanten Stunde Talkshowfernsehen. Denn was anderes als „Politainment“ betreibt Beckmann selbst? Und mit welchem Selbstverständnis unternimmt er es? Wie steht es um Einheit und Unterscheidbarkeit zwischen öffentlicher Rolle und realer Person? Ist er so mit sich eins, wie es die hessische SPD-Heldin Andrea Ypsilanti offenbar ist? Und wie gewinnt der Ministerpräsident Christian von Niedersachsen, „der sich einen Wulff lächelt“ (sorry, das war ein Beckmann-Kalauer) locker eine Wahl?

          Roland Koch aber nicht. Und was ist mit Tom Cruise? Ist er ein Schauspieler, der bei Scientology die Familie gefunden hat, die er immer suchte? Oder ist er ein Scientologe, der einen Schauspieler darstellt, der wiederum in dem Film „Valkyrie“ Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielt, um mit diesem Film nicht die Zuschauer in aller Welt, sondern die Welt als solche und die Bundesrepublik im Besonderen für diese seltsame Hollywood-Heilsarmee für Prominente zu erobern? Man glaubt es kaum, doch das alles hing bei Beckmann an einem roten Faden und wurde fest vernäht.

          Biedenkopf und Engholm gaben sich staatsmännisch

          Daran hatten tatsächlich alle in dieser Sendung einen Anteil. Kurt Biedenkopf und Björn Engholm gaben sich mit ihrer Einordnung der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen als elder statesmen, wie man sie selten sieht. Sie führten nicht den Wahlkampf weiter, sondern analysierten sachlich und distanziert. Mit seiner Ausländerjugendkriminalitätskampagne sei Roland Koch, meinte Engholm, „einem Stammtisch hinterher gelaufen, den es seit zehn Jahren nicht mehr gibt“.

          Kurt Biedenkopfs Einschätzung war nicht weniger eindeutig, bei seinem Parteifreund Koch sah er überhaupt keine „strukturierte Thematik“ und keine Strategie, allenfalls Taktik und zwar eine, mit der er die Intelligenz der Wähler unterschätzte. Insbesondere gering geschätzt habe der hessische Ministerpräsident das Thema Bildungspolitik und „G 8“ - also die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von neun auf acht Jahre -, warf Reinhold Beckmann ein, der an dieser Stelle als Vater zweier schulpflichtiger Kinder die Rolle des Moderators fahren ließ, gegen den „Pisa-Komplex“ wetterte und Biedenkopfs Einwand, dass es in Sachsen G 8 seit 1990 gibt, nicht gelten lassen wollte. So sieht man Beckmann eher selten.

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