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TV-Film „3 Türken und ein Baby“ : Drei neue Väter auf die türkische Art

  • -Aktualisiert am

Die Junggesellen Sami (Kida Khodr Ramadan, l.), Celal (Kostja Ullmann) und Mesut (Ekrem Bora) kümmern sich gemeinsam um Baby Clara (Nala). Bild: ARD Degeto/Egoli Tossell Film/Wild Bunch Germany/Vanessa Fuentes

Anderthalb Stunden Windel-Gags, Vatersuche und Geldauftreiberei: An dem Culture-Clash-Remake der berühmten „Baby“-Filme im Ersten dürften vor allem Rapper-Fans ihre Freude haben.

          Es kann einen rühren, wie harmlos damals alles noch war. Dabei ist der Film von Sinan Akkus (Buch und Regie) erst knapp zweieinhalb Jahre alt. Er kam Anfang 2015 in die deutschen Kinos. In der Türkei standen die Zeichen gerade auf Versöhnung, Präsident Erdogans AKP sollte im Sommer für kurze Zeit ihre absolute Mehrheit verlieren. Besten Gewissens konnte man völlig unpolitisch sein mit Blick auf die türkische Community in Deutschland.

          Allerdings hat dieser Schenkelklopfer-Film, der weit hinter seinen Vorlagen „Drei Männer und ein Baby“ (1985) und „Noch drei Männer, noch ein Baby“ (1987) zurückbleibt, sonst auch nicht viel zu bieten. Das Etikett „Culture-Clash-Komödie“ dient einmal mehr als Lizenz für stereotype Kalauer: Beschneidungswitze, Kopftuchwitze, Sprengstoffgürtelwitze. Immerhin: Das Baby, wenn auch eher ein Kleinkind, ist schon sehr süß.

          Perfekt in einem Film, der Niedlichkeit bewirtschaftet

          Die Handlung passt komplett in den Titel „3 Türken und ein Baby“. Den nach dem Tod der Eltern weiter zusammenlebenden Brüdern Celal (Kostja Ullmann), Sami (Kida Khodr Ramadan) und Mesut (Ekrem Bora alias Eko Fresh), drei sympathischen Losern, plumpst eines Tages ein Baby in den Schoß. Nach einem Unfall liegt Celals ehemalige Freundin Anna (Jytte-Merle Böhrnsen) im Koma, und ihr Ex soll sich um das Kind kümmern. Doch muss der noch den Seelenschmerz bezüglich eines anderen Mannes in Annas Leben verwinden. Man ahnt früh die Pointe: Dass die drei Chaoten ihr Leben nicht im Griff haben, gehört zwingend zum Genre des Tölpel-Films. Sie haben einen Brautmodenladen in den Ruin gewirtschaftet, müssen der Mietschulden wegen den elterlichen Goldschmuck versetzen, und Windhund Celal verjubelt den Erlös im Casino. Für Brautmodenläden hat Akkus ein Faible, war ein solcher doch auch Dreh- und Angelpunkt seines Langfilmdebüts „Evet, ich will“ (2008), in dem – leicht anspruchsvoller – über vermeintliche Kultur- und Sittengrenzen hinweg geheiratet wurde.

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          Diesmal liegen anderthalb Stunden Windel-Gags, Vatersuche und Geldauftreiberei vor uns. Celal erniedrigt sich vor einem in der Schulzeit gehänselten Bankmitarbeiter, versucht sich als Call-Boy und schreckt vor Kleinkriminalität nicht zurück. Alles scheitert zuverlässig und führt zu Missverständnissen, bei denen das Drehbuch tatsächlich manch naheliegenden Scherz zugunsten einer komischeren Pointe unterläuft. Nebenstränge widmen sich den Alltagsproblemen der Brüder: Sami, der Impulsive, absolviert ein Anti-Aggressions-Training – das hat man schon gewitzter gesehen; nur Ramadans punktgenaues Spiel in viel zu kleiner Badehose rettet die Situation –; Mesut, der neuerdings Ultrareligiöse, der aber zwischen Judentum und Islam nicht unterscheiden kann, verlässt eine U-Bahn-Cowboyband, um eigene Songs zu schreiben. Am Ende hat das Baby allen Verantwortung beigebracht, das biedere Happy End zieht herauf.

          Lange Erzählbögen interessieren Sinan Akkus nicht. Er reiht Witzszene an Witzszene. Der Reiz, den der Film trotzdem hat, beruht auf Situationskomik und geht gänzlich von den Hauptdarstellern aus. Kida Khodr Ramadan hat die besten Dialogzeilen abbekommen: „Denkst du bitte daran, die geliehene Badehose noch zurückzugeben?“ „Herr Rommel, ich denke an nichts anderes.“ Kostja Ullmann ist eine perfekte Besetzung in einem Film, der Niedlichkeit bewirtschaftet. Ein Vabanquespiel dagegen war die Verpflichtung des dritten Hauptdarstellers, der bis dahin wenig gespielt, aber bereits eine illustre Rapper-Karriere vorzuweisen hatte. Eko Freshs Spezialität ist engagierter Wohlfühl-Rap mit Ironie, Liebeserklärungen an Frauke Petry beispielsweise. Als Schauspieler kann der Autodidakt, der in der Unterschichten-Sitcom „Blockbustaz“ zu sehen war, aber halbwegs mit den Profis mithalten. Dabei hat er es sogar doppelt schwer, denn sein Film-Charakter ist derart armselig ausgefallen, dass eine Eko-Fresh-Songzeile auf ihn zuzutreffen scheint: „Du hast zirka den IQ von einem Sesambrot.“ Und doch entlockt uns der Darsteller mit seiner trockenen Art einige Schmunzler.

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