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Fernsehen : Wir trommeln uns nicht auf die Brust

Das Wunder des Lebens: Szene aus „Survival” (Vox) Bild: Vox/BBC

Der Fernsehsender Vox liegt in der Branche am Rande der Wahrnehmung. Immer mehr Zuschauer allerdings sehen das anders: Mit amerikanischen Serien und sensationellen Dokus wird Vox still und heimlich zum großen Sender.

          6 Min.

          In Köln-Ossendorf ist die Welt noch in Ordnung. Sogar mehr als das. In Sichtweite des häßlich-protzigen „Coloneums“, in dessen Studios etliche Shows fürs Deutsche Fernsehen produziert werden, liegen die Büros von Vox. Ein paar Büroetagen braucht der Sender nur, das Parkhaus um die Ecke nimmt mehr Raum ein. Vom Glamour, mit dem sich die Branche dann und wann gern umgibt, und der Bedeutung, die irgendwann auch die Architektur bestimmt, findet sich hier nichts. Vierzehn Jahre ist der Sender alt, ein Privatsender der sogenannten „zweiten Generation“, der nach wenigen Monaten schon in Liquidation und so gut wie tot war, sich aber in den letzten Jahren still und heimlich von den anderen, kleineren Privatsendern abgesetzt und Tuchfühlung mit den Großen aufgenommen hat. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Doch noch immer, so scheint es, liegt Vox am Rande der Wahrnehmung der Branche. Immer mehr Zuschauer allerdings sehen das anders.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Frank Hoffmann, der Geschäftsführer von Vox, weiß das. Und er weiß es zu schätzen. „Wir sind 2006 als einziger Privatsender überhaupt gewachsen. Wir liegen bei der jüngeren Zielgruppe am Vor- und Hauptabend auf Augenhöhe mit Pro Sieben Sat.1 und über alle Zeitzonen betrachtet in der Zielgruppe nur 0,1 Prozentpunkte hinter der ARD“, sagt Hoffmann. Er führt den Sender seit dem 1. April 2005, übernommen hat er ihn von Anke Schäferkordt, die seither beim großen Bruder RTL das Sagen hat. Hoffmann (41) ist ein RTL-Gewächs und ein Selfmademan zugleich. Er fing an als freier Mitarbeiter des „Westfalen Blatts“ und der „Bonner Rundschau“, war Redakteur und Fotograf bei der Agentur „teutopress“, dann Redakteur bei der Fernsehagentur „teuto tele“, dort schließlich Studiochef in Hannover, bevor er 1992 als Redakteur bei RTL anfing. Vom CvD brachte er es zum Redaktionschef bei „Explosiv“ und „Extra“, schließlich war er als Bereichsleiter für sämtliche Magazine von RTL zuständig. Er wirkte im Hintergrund, als er zu Vox in die erste Reihe berufen wurde, sagte sein Name zunächst nur wenigen etwas.

          Erfolgreicher Underdog

          Doch daraus hat Hoffmann das Beste gemacht. Die Rolle des Underdogs liegt ihm. Die Vorlage seiner Vorgängerin war nicht übel: Bei einem Marktanteil von 5,5 Prozent lag Vox vor drei Jahren bei den Zuschauern unter fünfzig. Im vergangenen Jahr kletterte der Marktanteil auf 7,1 Prozent, und jetzt, zum Ende des ersten Halbjahres 2007, liegt Vox bei den Zuschauern im Alter zwischen vierzehn und neunundvierzig bei sage und schreibe 7,6 Prozent.

          Erfolgreicher Underdog: Vox-Chef Frank Hoffmann
          Erfolgreicher Underdog: Vox-Chef Frank Hoffmann : Bild: Vox

          Dabei könnte Vox, wie Hoffmann sagt, „schon längst Opfer der Fragmentierung sein“. Schließlich werden der Kanäle immer mehr - neben RTL 2, Kabel 1 und Super RTL haben sich zu den kleineren Tele 5, Das Vierte und DMAX hinzugesellt. Vox aber geht nicht unter, sondern steht und setzt sich ab - „weil wir den Sender ganz klar positioniert und als Marke aufgebaut haben“, sagt Hoffmann.

          Wer verliert, muss spülen

          Und in der Tat weiß man, was kommt, wenn man Vox einschaltet: amerikanische Premiumserien, vornehmlich Krimis; Reisemagazine, Tiersendungen und vor allem: Kochshows. Bei Vox wird jeden Abend gebrutzelt, und von Herbst an mehr denn je. Tim Mälzer bekommt bei seiner Vorabendshow „Schmeckt nicht, gibt's nicht“ zwar Entlastung durch den Hamburger Kollegen Steffen Henssler, doch taucht er mit sechs Ausgaben der Abendshow „Born to cook“ wieder auf: Dabei liefern sich zwei Teams einen Kochwettstreit, bei dem es um praktische Fertigkeiten als auch um „Food-Wissen“ geht. Wer gewinnt, darf „kühlen“, also kalte Drinks als Lohn für die Arbeit am Herd schlürfen. Wer verliert, muss „spülen“, also die in neunzig Minuten angerichtete Sauerei gemeinsam mit Mälzer beseitigen. Und es geht noch sportlicher: In der neuen „Koch-Arena“ treten fünf Hobbyköche gegen fünf Profis an - darunter Johann Lafer -, um ein ganzes Restaurant zu bekochen. Durch die Sendung führen die RTL-Formel-1-Reporter Florian König und Heiko Wasser.

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