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Fernsehen : Sie haben so viel von diesem kleinen Hund

Kommissar und Society-Lady: Jürgen Vogel, Iris Berben Bild: ZDF/Mathias Bothor

Der traurige Kommissar und das „Duell in der Nacht“: Das ZDF macht Frankfurt in einem einzigartigen Fernsehfilm mit Jürgen Vogel und Iris Berben zum Krimischauplatz par excellence.

          2 Min.

          „Hat er gestanden?“ „Dafür sind Sie ja da.“ Der Auftrag, den Kommissar Jonas Birke vom Polizeipräsidenten höchstselbst erhält, ist eindeutig. Und scheinbar einfach. Er soll den des Mordes an einem Polizeibeamten verdächtigen Wolfram Ernst überführen. Im Verhör. In dieser Nacht.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Am nächsten Morgen will sein Chef der Presse die Lösung des Falles präsentieren und - „das Maul stopfen“. Denn die Presse berichtet im Augenblick über nichts lieber als die unfähige, korrupte Polizei. Und das finde er wenig witzig, sagt der Polizeipräsident. „Machen Sie ihn fertig!“, brüllt er, klopft seinem neuen Kommissar auf die Schulter und geht fröhlich pfeifend und im Frack zum Empfang des zwielichtigen Immobilienhändlers Wellingsen, mit dessen Frau Kommissar Birke in dieser Nacht noch Bekanntschaft schließen wird. In dieser Nacht, in der sich alles verändert. Im Leben aller, die mit diesem Fall zu tun haben.

          Nichts soll aufgeklärt werden

          Denn nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Alles spricht gegen den vorbestraften Ernst, und gerade deshalb zieht Kommissar Birke alles in Zweifel. Was er nicht ahnt, ist, dass er genau das tun soll. Mit seiner unbestechlichen Hartnäckigkeit soll er dafür sorgen, dass dieser Mord und seine wahren Hintergründe nicht aufgeklärt werden. Daran hat niemand ein größeres Interesse als der Polizeichef Lehm, die mit Birke ermittelnde Kommissarin Mechthild Adler und der besagte Immobilienmakler Wellingsen.

          Einen solch klaren Handlungsaufbau, solch gestochen scharfe Dialoge und ein solch prägnantes Genrestück wie dieses „Duell in der Nacht“ gewärtigen wir selten im Fernsehen. Alles und jedes stimmt in diesem Film. Die Regie von Matti Geschonneck, die Bilder des Kameramanns Martin Langer, das Buch von Daniel Nocke. Und dann erst die Besetzung: Jürgen Vogel als trauriger Kommissar Birke, Uwe Kockisch als gedungener Mörder und Verlierer vom Dienst, Iris Berben als Isabel Wellingsen, die von allen das gefährlichste Spiel treibt, Thomas Thieme als ihr verschlagener Gatte, Ina Weisse als innerlich zerbrochene Helfershelferin und Peter Lerchbaumer, der den Polizeichef spielt, als der wahre Mephisto.

          Krimi und Gesellschaftsstück

          Wäre der Begriff nicht verbraucht und reizte er nicht zum Gähnen, würde man von einem Kammerspiel sprechen. Von einem Krimi im Kopf, der zugleich Gesellschaftsstück ist. Und in Frankfurt spielt, einer Stadt, die, wie der verantwortliche ZDF-Redakteur Daniel Blum zu Recht schreibt, unterschätzt wird. „In seiner Schönheit, aber auch in seiner Gefährlichkeit.“ Die fängt der Kameramann Martin Langer durch Tag- und Nachtbilder der Skyline ein, für die er die Bankentürme aus der Luft vielfach umrundet. In amerikanischen Krimis sind solche Bilder Standard, im deutschen Fernsehen die Ausnahme. Und sie sind besser als viele Stadtbilder aus Manhattan. Und doch ist das „Duell in der Nacht“ nicht an den Ort gebunden.

          „Mir geht es darum, frühzeitig Missverständnisse zu vermeiden“, sagt der Mordverdächtige und leitet damit die Litanei der Lügen ein. Während der Kommissar ihm im Verhörraum mit dem Degen zusetzt, fechten die feinen Herrschaften auf dem Cocktailempfang mit dem Florett. Sie unterstützen die Kultur und die jungen Künstler, sagt der Polizeipräsident - wie schön. „Und Sie fangen also Mörder ein. Das ist doch auch eine schöne Arbeit“, antwortet Isabel Wellingsen, die dem Mörder ein Alibi verschaffen soll, in dieser Nacht, in der sie dem Kommissar die traurige Geschichte eines kleinen Hundes erzählt, den sie als Kind einmal hatte. Der nicht die Badenden am Strand, sondern die großen Schiffe am Horizont anbellte, verfolgte und - ertrank. „Sie haben so viel von diesem kleinen Hund.“

          Jeder umlauert hier jeden, trauen kann keiner dem anderen, und weil das so ist und weil die Dialoge zum Mitschreiben ausgefeilt sind und man keine Nuance verpassen darf, weil sich in diesen das Drama offenbart, bleibt es spannend bis zuletzt. Und überraschend. Das große Komplott ist nur scheinbar von Erfolg gekrönt, ein glückliches Ende aber gibt es nicht. Sondern die Handreichung für eine Fortsetzung, zu der man dem ZDF nur raten möchte. Auch wenn dies ein einzigartiger Fernsehfilm ist.

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