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Fernsehen im Netz : Ein Klick und es geht weiter

  • -Aktualisiert am

Keine Angst mehr vor der NBA: Die „Desperate Housewives” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Erfolgsserien „Lost“ und „Desperate Housewives“ des Senders ABC kann man sich seit neuestem auch im Netz anschauen. Der Sender tut nicht nur den Zuschauern einen Gefallen, sondern krempelt auch den Internet-Werbemarkt um.

          Auf amerikanischen Fernsehsofas lauert das jährliche Frühsommer-Konfliktszenario: Zeitgleich mit den Endspielen der Basketball-Liga NBA verabschieden sich Serien wie „Desperate Housewives“ und „Lost“ in die Sommerpause.

          Doch in diesem Jahr gibt es eine Alternative zum Videorekorder: Die Serien des Senders ABC kann man derzeit schon einen Tag nach der Originalausstrahlung kostenlos im Internet anschauen - im Rahmen eines zweimonatigen Experiments, mit dem der Sender den Werbemarkt aufrollen will.

          Im Frühsommer beginnen die Sendernetze mit dem Vorverkauf von Werbezeiten für ihre neuen Shows im Herbst. Doch inzwischen stehen nicht mehr allein die Fernsehspots im Mittelpunkt des Interesses. Die Internetauftritte der Sender sind beinahe so bedeutend wie die Shows. Denn vieles deutet darauf hin, daß für die Fernsehindustrie hier ein milliardenschwerer Werbemarkt schlummert.

          Erstaunliche Bandbreite der Innovationsfreude

          Ein Schlüsselreiz der Mehrfachvermarktung auf verschiedenen Plattformen ist der maßgeschneiderte Konsum. Ob man sich die Affäre von „Housewife“ Gabrielle mit ihrem Gärtner auf den iPod lädt oder Lockes mysteriöse Heilung durch einen Flugzeugabsturz in „Lost“ auf dem Computer rekapituliert - mehr und mehr gibt das Fernsehen seine schnellebige und vergängliche Struktur der Vervielfachung und Dauerverfügbarkeit auf einer Reihe von Geräten preis. Das ist auch für die Werbeindustrie verlockend.

          Bei seinem öffentlichen Testlauf im Netz betont ABC vor allem die Formatoffenheit des Internets. Während ein Werbespot die Serie im Netz unterbricht, verspricht ein kleiner Pfeil und ein Countdown: „In 30 Sekunden zurück zur Story.“ Diesen Klick nach Ablauf der Zeit muß der Zuschauer selbst tun - sofern er nicht an der Werbung klebt.

          Zehn Konzerne konnte ABC für sein achtwöchiges Experiment gewinnen. Die Aufforderung des Senders an die Werber lautete: Spielen Sie mit den Möglichkeiten der Interaktivität. Doch der Blick in die von jeweils drei Werbepausen unterbrochenen Online- Episoden von „Lost“, „Desperate Housewives“, „Alias“ und „Commander in Chief“ auf www.abc.go.com offenbart eine erstaunliche Bandbreite der Innovationsfreude.

          Erfolg beim Publikum

          Nicht überall, scheint es, hat man das Potential der Internetwerbung erfaßt. So schaltet ein Allergiemittelproduzent schlicht seinen Fernsehspot in die Werbepausen von „Lost“. Andere zeigten sich experimentierfreudiger. Ein Autohersteller bietet eine „virtuelle Testfahrt“ an.

          Andreas Combuechen, Online-Chef der Werbeagentur BBDO, sagte der Tageszeitung „USA Today“: „Diese Werbeform beginnt erst, Modelle und Innovationen sind noch in der Entwicklung.“ Beim Publikum entpuppte sich das Online-Experiment - sicher nicht zuletzt dank des klug gewählten Timings während der Basketball-Play-offs - indes als Erfolg.

          In den ersten zwei Wochen wurden zwei Millionen Zuschauer im Netz verzeichnet, einer Umfrage zufolge konnten sich 87 Prozent an den Sponsor einer Episode richtig erinnern. Unterdessen sagen Experten dem Online-Werbemarkt bis 2010 eine Verdopplung seines Volumens voraus. Bei Autoritätsstreitigkeiten vorm Fernseher könnte es demnächst heißen: Geh doch ins Netz.

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