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Fernsehen : Hier bin ich Mann, hier darf ich's sein

Im Programm von „DMAX”: „Eine Frage des Geschmacks” Bild: DMAX

Da können Frauen noch etwas lernen: Heute geht „DMAX“ an den Start, der Sender für das unterdrückte Geschlecht. An der Spitze des Programms, das auf Erotik ganz verzichtet, steht eine Frau.

          Als im August 1995 das Frauenfernsehen TM3 an den Start ging, lachte ganz Deutschland. Anna Doubek, die Chefredakteurin des Fernsehsenders, versprach Programme mit einem weiblichen Blick. Als der Sender dann aber plötzlich die Rechte für die Champions League erwarb, ging der weibliche Blick ins Leere. TM3, hieß es, war nur als Frauensender gestartet, weil das den besten Kabelplatz versprach.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sieben Jahre sind vergangen, und das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist inzwischen eine Frauenloge. Alles und jedes ist in Zuckerwatte gepackt, verständig, ein bißchen verrückt und vor allem verantwortungsvoll. Männer, die sich eher für Wissenssendungen, Sport und Nachrichtliches interessieren, haben resigniert und die Fernbedienung aus der Hand gegeben. Heute geht der neue, frei empfangbare Fernsehkanal DMAX auf Sendung, hervorgegangen aus Alexander Kluges XXP, der das mit seinem speziell auf Männer zugeschnittenen Programmen ändern will.

          Männerbild im Wanken

          „Wir verstehen, was Männer wollen, und versuchen, das in den Themen und in der Machart der Programme umzusetzen“, sagt Patrick Hörl, der „Country Manager“ von Discovery Networks Deutschland, das XXP gekauft und daraus DMAX gemacht hat. Den männlichen Zuschauer, der ihm dabei vorschwebt, haben die Marktforscher bei der Konzeption des Senders genauestens analysiert. Einfach sei es nicht gewesen, das deutsche Männerbild zu fassen zu bekommen - glaubt man den Feuilletons und der Fachliteratur, dann gerät die Identität des deutschen Mannes bei all der Diskussion um Begriffe wie „Gendermainstreaming“, „Fehlgeleitete Männlichkeit“ und angesichts des Aufstiegs einer Frau zur Bundeskanzlerin offenbar immer mehr ins Wanken. Mit DMAX könnte künftig nicht mehr allein der Baumarkt eine männliche Ruhezone für all dies sein.

          „Die Männer, die wir ansprechen wollen, sind zwischen zwanzig und 39 Jahre alt. Sie waren schon mit vielen Erwartungen konfrontiert und mußten einige Klischees durchlaufen. Sie waren harte Machos, weiche Frauenversteher und sind durch die Metrosexuellen-Welle geschwommen. Diese ganzen Rollenzwänge haben sie gründlich satt.“ Durch beruflichen Erfolg seien die Männer selbstsicher geworden und wollten ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten, sagt Hörl „Das gilt für Freizeit, Beruf und Partnerschaft.“ Alle drei Bereiche deckt der Sender thematisch ab. Die weiblichen Erwartungen an Männer habe man bei der Programmkonfektionierung beiseite geschoben und in Männermanier mal ein bißchen unkompliziert und einfach gedacht.

          An der Spitze eine Frau

          Der Trailer des Senders verrät, wie man sich das vorzustellen hat - an der Spitze der Programmentscheidungen steht übrigens eine Frau, Katja Hofem-Best, die DMAX von RTL2 abgeworben hat. Die Sendung „Experimente am Limit“ verspricht Lösungen für „unerfüllte Kindheitsträume und Alltagsprobleme“: Kann man eine Waffe unter Wasser abfeuern? Ist es möglich, mit Dynamit zu fischen? „Die Ludolfs - vier Brüder auf dem Schrottplatz“ beobachtet Peter, Manni, Uwe und Günther beim Frittenessen und Herumschrauben an kaputten Autos. Die Anglershow „Fish ,n' Fun“ besticht mit schönen Landschaftsaufnahmen, verrät Tricks beim Fischen und Hochseeangeln und zeigt, wie Mann aus seinem Fang ein leckeres Gericht zaubern kann. Auch die männliche Lust auf Abenteuer wird befriedigt, etwa mit der Dokuserie über Krabbenfischer in den Gewässern Alaskas. „Die Krabbenfischer von Alaska gehen einem echten Knochenjob nach - und riskieren dabei täglich ihr Leben. Doch für den Traum vom großen Geld nehmen die Männer auch meterhohe Wellen und eiskaltes Wasser in Kauf. Fünf Tage lang arbeiten sie am absoluten Limit“, verrät die Programmankündigung.

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