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Fernsehen : Funkelnd: Zum Tode von Peter Schulze-Rohr

Die deutsche Fernsehzunft hat einen ihrer Großen verloren. Peter Schulze-Rohr, der Miterfinder der „Tatort“-Reihe, hat dem deutschen Fernsehfilm Meilensteine gesetzt und zu hohem Rang verholfen. Ein Nachruf von Michael Hanfeld.

          Die deutsche Fernsehzunft hat einen ihrer Großen verloren. Die Stelle des Doyens, sie ist vakant. Im Alter von 81 Jahren ist Peter Schulze-Rohr gestorben, der Regisseur, Dokumentarfilmer und langjährige Fernsehspielchef des Südwestrundfunks. Er hat dem deutschen Fernsehfilm Meilensteine gesetzt und zu einem Rang verholfen, der heute im Einerlei glanzloser Komödien und imitierter Krimiserien verloren zu gehen droht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Er hat 1970 die berühmte, erste „Tatort“-Episode „Taxi nach Leipzig“ gedreht und mit ihr Fernsehgeschichte geschrieben. Und er hat es - pensioniert, aber in kreativer Unruh - mehr als zwanzig Jahre später mit dem Film „Amok“ abermals ein Fernsehstück inszeniert, das bleibt, das über den Tag hinausweist und einen gesellschaftlichen Nerv trifft. Was im Fall von „Amok“, der zu Zeiten der ausländerfeindlichen Unruhen in Hoyerswerda von einem frustrierten Arbeitslosen handelte, der aus Fremdenhass zum Täter wird, dazu führte, dass der Film zweimal verschoben und nur im Dritten Programm gezeigt wurde.

          Aufrechte Haltung

          Peter Schulze-Rohr war ein Mann von aufrechter Haltung. Ein Herr mit Herzensbildung, ein Gentleman, ein bürgerlicher Querdenker, ein Liberal-Konservativer, ein vornehmer Widerstandskämpfer gegen Ideologien, Moden und gleichförmiges Denken, gegen „Sachzwänge“ und gegen den Apparat, zu dem unter anderem der öffentlich-rechtliche Rundfunk geworden ist. Peter Schulze-Rohr war eine Thomas-Mann-Figur. Und den Thomas Mann des deutschen Fernsehens könnte man ihn auch nennen. Unbeugsam trat er für seinen moralischen Standpunkt ein, verfasste aber bei seinen knapp hundertzwanzig Filmen kein einziges Traktat.

          Als Siebzehnjähriger wurde er zur Kriegsmarine eingezogen und kam in Gefangenschaft. Er studierte nicht nur Literatur- und Theaterwissenschaften, sondern - und das passt - auch Jura (mit Staatsexamen) in Jena, Bern und Berlin. Zu inszenieren lernte der 1926 in Leipzig Geborene Anfang der fünfziger Jahre bei Bertolt Brecht, am Berliner Ensemble war er Regieassistent, er wechselte ans Schiller-Theater in West-Berlin, dann kam das Fernsehen. Und dort entwickelte Peter Schulze-Rohr seinen eigenen Stil, der zugleich Schule machen sollte.

          Unglaubliche Präzision

          Eine unglaubliche Präzision zeichnet seine Arbeiten aus; da gibt es keine belanglosen Bilder und keine hingesagten Dialoge. Bis ins hohe Alter inszenierte Schulze-Rohr mit einer solchen intellektuellen Kraft, die vergessen ließ, dass er als Fernsehspielchef des Südwestfunks schon 1989 in Pension gegangen war. Die feinsten Figuren des deutschen Krimis hatten mit ihm zu tun, denken wir nur an die Anfänge von Ulrike Folkerts wiederum im „Tatort“ oder an Dieter Pfaff in den Krimireihen „Sperling“ und „Bloch“. Und die traditionsreichste Nachwuchswerkstatt geht ebenfalls auch Peter Schulze-Rohr zurück - das „Debüt im Dritten“ des SWF, das längst Nachahmer gefunden hat.

          Wie eins dieser Peter Schulze-Rohr mit seinem Werk war, konnte erleben, wer ihn und seine Frau Christa - die Schwester des verstorbenen Mitherausgebers dieser Zeitung, Joachim Fest, die im Jahre 2004 verstarb - in ihrem Haus auf einer Anhöhe oberhalb von Baden-Baden besuchen durfte. In dieser etwas seltsam verbauten Industriellenvilla lebten die politische Journalistin und der Fernsehmann umgeben von Büchern und einander innig zugetan auch als jeweils beste Gesprächspartner - so wie Peter Schulze-Rohr als Fernsehspielchef ja auch immer sein bester Regisseur war.

          Im Gespräch mit den beiden, das eine funkelnde Angelegenheit war, bei der man nicht nachlassen durfte, hatte das Medium, das wir heute überwiegend als Ballaballa-Maschine oder als Instrument der Gewinnmaximierung oder auch Machtausübung wahrnehmen, seinen ganz selbstverständlichen Stellenwert in der Welt der Kultur - neben der Literatur, der geliebten Musik, dem Kino und der bildenden Kunst. Es ging von einem zum anderen, zwischendurch gab es Steak, Salat und Rotwein. Und dann ging es weiter.

          Noch im letzten Jahr diskutierte Peter Schulze-Rohr engagiert beim Fernsehfilmfestival in Baden-Baden, auf dem man ihn jedes Jahr antreffen konnte. Selige Zeiten. Er wird fehlen.

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