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Fernsehen der Zukunft : Erst das Abo, dann das Vergnügen

  • -Aktualisiert am

Noch ist Sky Marktführer im Abo-Fernsehen: Doch die Konkurrenz rüstet auf. Bild: dapd

Trau, schau, wem: Bezahlsender und Online-Dienste liefern sich einen heißen Kampf um die Gunst der Zuschauer. Dabei besteht eine zunehmende Bereitschaft für Fernseh-Inhalte zu bezahlen.

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          „Wenn du richtig gutes Fernsehen willst, schaust du nicht irgendwas.“ So warb die deutsche Pay-TV-Plattform Sky zuletzt um Kunden für ihre Programmpakete. Mehr als 3,4 Millionen haben die Dienste des Münchner Anbieters abonniert, dessen Aktien sich seit Beginn des Jahres mehrheitlich im Besitz von Rupert Murdochs 21st Century Fox befinden. Der Erfolg von Sky ist einer der Gründe dafür, dass der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) das Bezahlfernsehen „im Massenmarkt angekommen“ sieht. In einer aktuellen Studie zum „Pay-TV in Deutschland 2013“ schreiben die Autoren, die Verbreitungsrate liege inzwischen bei rund zwanzig Prozent, fast doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. Von 2009 bis 2012 sei die Zahl der Abonnenten plattformübergreifend von 4,3 Millionen auf 6,1 Millionen gestiegen.

          Pay-TV auf dem Vormarsch

          Als Gründe nennt die Studie vor allem die „Vielfalt und Qualität“ der Programme, ein verbessertes Marketing der Sender sowie die „hohe Innovationskraft“ der Anbieter, die zum Beispiel frühzeitig HD-Inhalte verbreitet haben. Siebenundsiebzig in Deutschland zugelassene Pay-TV-Programme zählt der Privatsenderverband VPRT, dazu kommt noch einmal ein Dutzend ausländischer Sender. Die Umsätze im vergangenen Jahr schätzen die Autoren auf 1,84 Milliarden Euro. Pay-TV sei „das wachstumsstärkste Segment im deutschen Fernsehmarkt“. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger schätzt die Situation ähnlich ein und rechnet elf Millionen Aboverhältnisse vor. Dabei sind allerdings auch Nutzer der Astra-Bezahlplattform HD+ mitgerechnet.

          Ein Teil des Zuwachses dürfte sich aber auch auf technische Rahmenbedingungen und Rabattaktionen zurückführen lassen. Durch die von der Abschaltung des analogen Satellitensignals begünstigte Umstellung auf digitalen Empfang haben zahlreiche Haushalte überhaupt erstmals die Möglichkeit, Bezahlangebote zu sehen. Außerdem locken die Anbieter mit Ermäßigungen und Gratisaktionen. Sky macht Neukunden das Abonnement seines Film- und Standardpakets mit einem Abschlag in Höhe von 240 Euro schmackhaft, allerdings auf zwei Jahre gerechnet. Wer auf digitalen Kabelempfang umstellt, bekommt das Pay-TV von Anbietern wie Kabel Deutschland geradezu aufgedrängt. Nach dem Wechsel ist das Angebot automatisch für zwei Monate freigeschaltet. Wer es versäumt, Sternchentexte zu lesen und von sich aus innerhalb der ersten vier Wochen zu kündigen, wird automatisch zahlender Abonnent für ein Jahr. Über solche Methoden steht in den Studien freilich nichts.

          Video-on-Demand zum Kampfpreis

          Dennoch ist es spannend zu sehen, wie die Bereitschaft der Deutschen zunimmt, für ein erweitertes Fernsehangebot zu zahlen. Interessant wird vor allem die Rolle, die internetbasierte Video-on-Demand-Dienste in den kommenden Monaten spielen. Nach dem Vorbild des amerikanischen Streaminganbieters Netflix, der in Europa unter anderem in Großbritannien, Dänemark und Schweden verfügbar und gerade in den Niederlanden gestartet ist, verschärft sich auch in Deutschland der Wettbewerb.

          Die zu Pro Sieben Sat 1 gehörende Online-Videothek Maxdome hat gerade sämtliche Abopakete abgeschafft und bietet jetzt - wie Netflix - nur noch einen Grundtarif zum Kampfpreis von 7,99 Euro im Monat an. Dafür lassen sich fast 4000 Spielfilme und mehr als 15000 Serienfolgen im Netz abrufen, fast 40000 Programmstunden. Aktuelle Blockbuster müssen hingegen einzeln bezahlt werden. Maxdome reagiert damit auch auf den Start des zum französischen Medienkonzern Vivendi gehörenden Konkurrenten Watchever, der seit Monaten massiv im Netz wirbt und gerade eine Kampagne mit Til Schweiger gestartet hat, um bekannter zu werden. 8,99 Euro kostet das Abo dort monatlich, zehntausend Titel sind verfügbar. Nach Auskunft von Watchever kommen zurzeit viertausend bis achttausend Abonnenten pro Tag hinzu.

          Die Qual der Wahl

          Die Streamingdienste haben den Vorteil, dass Kunden keine zusätzliche Hardware benötigen. Die Inhalte können auf dem heimischen Computer oder per App geladen und per Kabelverbindung auch auf Fernseher ohne Internetanschluss gebracht werden. Voraussetzung ist allerdings eine stabile Internetflatrate. Zudem unterscheiden sich die Abogebühren massiv von denen der klassischen Sendermodelle. Für unter zehn Euro pro Monat gibt es bei Sky nicht einmal das Einsteigerpaket. Wer zwei Senderpakete abonniert, zahlt ermäßigt 24,90 Euro, regulär 34,90 Euro pro Monat. Das Sky-Komplettpaket kostet satte 56,90 Euro - plus zehn Euro für HD-Qualität. Dafür haben die Münchner deutlich exklusivere Programme zu bieten: aktuelle Kinofilme, neue Serienstaffeln, die Fußball-Bundesliga. Jetzt hat auch noch der Online-Händler Amazon angekündigt, zum Weihnachtsgeschäft eine Settop-Box für Online-Videos auf den Markt zu bringen. Sky reagiert auf die neue Konkurrenz: Einem Bericht des „Kontakter“ zufolge wird in München ein Video-on-Demand-Dienst vorbereitet, der sich nicht nur beim kolportierten Namen „Skyflix“ am amerikanischen Vorbild orientieren könnte. Wer richtig gutes Fernsehen haben will, schaut vielleicht nicht irgendwas, kann aber längst zwischen mehreren Angebotsformen wählen.

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