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Feminismus und Medien : Die machen jetzt was Peppiges

  • -Aktualisiert am

Die aktuelle Ausgabe des „Missy Magazine” Bild: Missy Magazine

Zwischen Alice und Alphamädchen: Seit drei Jahren versöhnt das „Missy Magazine“ Feminismus mit Popkultur. Und musste sich erst einmal selbst emanzipieren.

          An der Oranienburger Straße Ecke Große Präsidentenstraße in Berlin gibt es einen Lifestyle-Sexshop. In den Schaufenstern stehen Dildos und Vibratoren in knalligen Farben und verspielten Formen, dahinter hängen Dessous mit Rüschen und Spitze. Nebenan ist die Redaktion des „Missy Magazine“, es spricht die an, die gerade noch in der „Fun Factory“ gewesen sein könnten: die modernen, emanzipierten Frauen. Die Klingel an der Tür des Altbaus ist klein mit „Missy Magazine“ beschriftet, es wirkt mehr wie ein Nachname als ein Firmenname. Die Treppe knarzt, im zweiten Stock öffnet Stefanie Lohaus, eine der vier Herausgeberinnen, die Tür. Sofort steht man im Konferenzzimmer: ein großer weißer Tisch, ein paar Stühle, zwei Telefone und die Ausgaben der vergangenen Monate. Sieht so der neue Feminismus aus?

          Als „Missy“ vor drei Jahren auf den Markt kam, da gab es ungefähr eine einzige feministische Zeitschrift. Schon deshalb war die Idee der drei Herausgeberinnen Sonja Eismann, Chris Köver und Stefanie Lohaus so überzeugend: ein feministisches Magazin für Popkultur mit politischer Aussage wollten sie herauszubringen, mit Stil, aber ohne Schminke, mit Mode, aber ohne Magermodels. 25 000 Euro Fördergeld gewannen sie beim Hobnox-Wettbewerb für ihr Konzept. Das Geld ist längst weg, aber „Missy“ ist immer noch da. Die Auflage ist mittlerweile von 15 000 auf über 20 000 gestiegen, Margarita Tsomou kam als vierte Herausgeberin hinzu.

          Das Schlagwort von den „Alphamädchen“

          Seit drei Jahren also sucht Missy nun nach alternativen Lebensmodellen zu „Mutti bleibt zu Hause, Vati geht arbeiten“, vergleicht den Geschmack essbaren Sexspielzeugs, empfiehlt Künstlerinnen, Musikerinnen, Schriftstellerinnen oder erzählt, wie es war, in den sechziger Jahren illegal abzutreiben. In der vergangenen Ausgabe konnte man lernen, wie man zwei unterschiedlich farbige Strickjacken in der Mitte zerschneidet und vertauscht wieder zusammennäht. Die aktuelle beschäftigt sich mit Frauenfußball, vom Titel grüßt Sophie Rois.

          Die Waffen der Frauen: Die Redaktion des „Missy Magazine”, hinten die Herausgeberinnen Sonja Eismann, Stefanie Lohaus, Chris Köver und Margarita Tsomou (von links)

          Dass sich die Zielgruppe der „Missy“ von jener der „Emma“ unterscheidet, das lässt sich also auf den ersten Blick erkennen, und trotzdem ist es zu kurz gegriffen, wenn man „Missy“ einfach als „Anti-Emma“ begreift. „Es bringt nichts, sich immer von den älteren Frauen abzugrenzen“, sagt Lohaus. Schon damals, als kurz nach dem Start von „Missy“ das Schlagwort von den „Alphamädchen“ die Runde machte, geriet das Magazin mitten hinein in einen medial aufgeblasenen Generationenkampf zwischen jungen und alten Feministinnen. Die Gegenüberstellung von „hedonistischen, geschichtsvergessenen Girlies, die Emanzipation mit dem Tragen von Lipgloss und Stilettos gleichsetzen“ (Chris Köver) und den alten humorlosen Emanzen ist den „Missy“-Redakteurinnen auch heute noch zu platt.

          Wie flach ist der Graben zu „Emma“ wirklich?

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