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Feminismus : Die Alphamädchen kennen nur sich selbst

  • -Aktualisiert am

In der Rückkehr zu den Instinkten findet der Feminismus derzeit zu sich selbst: Aufführung von Charlotte Roches „Feuchtgebiete” im Theater Halle Bild: picture-alliance/ dpa

Der Feminismus hat den Marsch durch die Institutionen angeblich ja geschafft. Welch ein Irrtum! Wenn Frauen wirklich alles wollen, kriegen sie nach wie vor gar nichts. Dafür sorgen allein schon die Frauenfresser des eigenen Geschlechts.

          „Feminism reloaded“ heißt die Podiumsdiskussion, die ich in dieser Woche moderieren soll. Ein neuer Feminismus - wurde auch Zeit. Die Frauen haben die Macht ergriffen - auf allen Gebieten. Wir sitzen an den entscheidenden Schaltstellen: ganz oben in der „Bild“-Zeitung, im Fernsehen, wir stellen die Hälfte der Vorstandsvorsitzenden in Dax-Unternehmen - und wenn diese Zeitung in einem Forum zur Wirtschaftskrise die teilnehmenden Manager und Politiker vorstellt, sehen wir inmitten schöner Frauenköpfe auch einige Herren. Frauen sind Präsidenten, Staatssekretäre und Parteichefs - in Hessen und überall im Land.

          Allerdings hat es mit dem Griff nach der Weltmacht erst einmal nicht geklappt. Nicht mal in Hessen ist die Rechnung aufgegangen. Wir Frauen sind gerade spektakulär gescheitert: erst Hillary Clinton, dann Sarah Palin und jetzt Andrea Ypsilanti. Und was meinen die Postfeministinnen dazu? Denen sagte doch Alice Schwarzers Feminismus schon lange nichts mehr, weil ja alles erreicht ist. Pardon: alles erreicht ist für sie selbst.

          Postfeministinnen in alten Rollenklischees

          Die Thea Dorns mit ihrer maßlosen Mütterverachtung, die Charlotte Roches mit ihrem Körperkult, die Anne Wills mit ihrer „Lebensplanung“: Nur das sehr Private ist das Politische des neuen Feminismus. Das geht gut, solange man gut aussieht und jung ist. Mädchen eben. Wenn es sein muss, bis zum Rentenalter. So ein neues Mädchen ist auch die 56 Jahre alte Maureen Dowd, amerikanische Journalistin, die über ihr Dasein als überzeugter Single Bestseller schreibt, zum Beispiel: „Are Men Necessary?“ („Brauchen wir Männer überhaupt?“). Der rothaarige Vamp ist eine von nur zwei Kolumnistinnen der „New York Times“ und schreibt so gemein über Frauen, als würde sie dafür extra bezahlt. Sie schreibt, es gebe keine Frauenfrage im amerikanischen Wahlkampf: „Wenn Clinton verliert, ist das ihr Problem, nicht unseres.“

          Feminismus als Mütterverachtung: die Schriftstellerin Thea Dorn

          Die neuen Mädchen sind ein Weltphänomen. Die Schauspielerin Arielle Dombasle, irritierend alterslose Ehefrau des französischen Star-Intellektuellen und nimmermüden Krisengebietsreisenden Bernard-Henri Lévy, sagt, ihr Kind sei ihre Beziehung. Wie sie diese jung halte? Sie verwende viel Zeit darauf, ihren Mann immer wieder zu überraschen. Vor einigen Monaten bekam BHL einen öffentlichen Striptease von seiner Frau geschenkt - in einem bekannten Nachtclub. Die Postfeministinnen dürfen in alte Rollenklischees zurückfallen. Die verkaufen sich auch heute noch gut. Bloß echt sein, Verpflichtungen haben und womöglich noch Kinder, das passt nicht ins Bild. Charlotte Roche stellt gleich auf den ersten Seiten ihrer „Feuchtgebiete“ klar: Die achtzehnjährige Heldin hat sich sterilisieren lassen.

          Alles über Sarah

          In der „New York Times“ erschien, kurz nachdem Sarah Palin von den Republikanern als Kandidatin für das Vizepräsidentenamt gekürt worden war, ein seitenlanger Artikel, geschrieben natürlich von Frauen, drei Autorinnen: Sarah Palin sei eine energiegeladene Landpomeranze mit sagenhaften fünf Kindern. Das letzte war erst im April zur Welt gekommen, mit Down-Syndrom. Der Artikel beschreibt, wie Palin, hochschwanger und ehrgeizig, offenbar das Leben ihres Kindes aufs Spiel setzt. Wie sie, weil sie unbedingt eine wichtige Rede halten will, trotz vorzeitiger Wehen beschließt, sich ins Auto zu setzen, und dreizehn Stunden lang fährt. Wie ihre Fruchtblase undicht wird und ihr, während sie die Rede hält, das Fruchtwasser in die Unterhose tröpfelt. Uns bleibt kein Detail erspart. Frauen dürfen so schreiben. Männer lassen sie schreiben.

          Wie wäre das: eine ganze Zeitungsseite über John McCain, ehrgeizig und krank, wie er nach seiner Prostata-Operation seine Blase nicht mehr unter Kontrolle hätte und der Urin in seine Hose tröpfelte? Oder nehmen wir den letzten „Spiegel“ über die Obamas. Die hätten eine faire Rollenaufteilung, hieß es da, die „beiden gerecht wird“. Das haben wir alle gesehen: Michelle Obama geht mit Laura Bush durchs Weiße Haus und bespricht die Vorhänge. Barack sitzt mit George W. im Oval Office und rettet, was noch zu retten ist. Sie wird „First Mom in Chief“, er der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten. Es waren besonders die Frauen, die über Hillary Clinton gemeckert haben: unangenehm ehrgeizig und eiskalt. Oder nicht einfach mal zur Abwechslung wirklich an der Macht interessiert? Hillary Clinton sagte, während Rassismus ein Tabu sei, sei Sexismus keines. Die „Bild“- Zeitung hat gerade „eine politisch nicht ganz korrekte Frage“ gestellt: „Ist Frau Ypsilanti deshalb so unbelehrbar, weil sie eine Frau ist?“ Und Gertrud Höhler gab die Antwort: „Ja.“ Wo ist er bloß, der „feminism reloaded“?

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