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Panne beim „heute journal“ : Eine Politikerin geht undercover

Er macht die Ansage: Claus Kleber vom „heute journal“ im ZDF. Bild: ZDF und Klaus Weddig

Das „heute journal“ berichtet über Alleinerziehende. Ein Beispiel gibt eine junge Frau mit kleinem Sohn. Was das ZDF nicht sagt: Sie kandidiert gerade für die FDP für den bayerischen Landtag. Und hat ein Thema im Blick.

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          Vergangene Woche brachte das „heute journal“ des ZDF einen gleich in mehrerlei Hinsicht interessanten Bericht über die schwierige Situation Alleinerziehender in Deutschland. Der Beitrag stützte sich auf die Aussagen von zwei Betroffenen. Eine davon: Anke Pöhlmann. Sie wird dem Zuschauer im Film vorgestellt als 29 Jahre alte Mutter des elf Monate alten Wunschkinds Anton. Finanziell, heißt es, sei es der Personalberaterin immer gutgegangen, doch „mit der Schwangerschaft änderte sich alles. Sie verlor den Job, brauchte eine neue Wohnung, musste von Kinder-, Elterngeld und Unterhaltsvorschuss leben.“

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Anke Pöhlmann: „Das ist finanziell auf Kante genäht, und es ist alles immer unter dem Vorzeichen, dass ich funktioniere.“ Das könne Pöhlmann nur wegen einer Tagesmutter, einen Platz in der Kita habe es nicht gegeben. Pöhlmann wird außerdem damit zitiert, ihr Leben „koste sie alle Kräfte“. Woran es fehle, sei eine „Leerlaufphase“, um die „Reserven“ wieder aufzufüllen. Im Film heißt es auch noch, dass Anke Pöhlmann „Glück und einen guten Arbeitgeber“ habe, seit kurzem sei sie wieder in ihrem alten Beruf tätig, im Homeoffice.

          Keine Rede ist im Film davon, wo Anke Pöhlmann lebt. Zumindest für alle Münchner ist das aber leicht herauszubekommen. Vor allem für die, die im hippen und politisch sehr umkämpften Stimmkreis München-Mitte leben. Denn dort strahlt Anke Pöhlmann von vielen Wahlplakaten. Sie ist Stimmkreis-Kandidatin der FDP für die Landtagswahl. Eines ihrer großen Themen ausweislich der Plakate: „Leben mit Kindern einfacher machen.“

          Pöhlmann selbst ist mit ihrer Rolle im Film nicht verhuscht umgegangen, sondern machte darauf in den sozialen Netzwerken sogar aufmerksam. Neben Fotos von sich und ihrem kleinen Sohn postete sie den ZDF-Bericht, dazu ein erstes Fazit zwei Stunden nach der Ausstrahlung: „Danksagungen, Beglückwünschungen, Unterstützungsangebote und Dateanfragen halten sich in etwa die Waage“, dann einen Zwinker-Smiley.

          Vom ZDF hingegen kam im „heute journal“ kein Wort darüber, dass es sich im Bericht durchaus nicht um eine x-beliebige junge Mutter handelte. Das sei ein Fehler gewesen, hinter dem jedoch kein Vorsatz stecke, sagt Wulf Schmiese, der Redaktionschef des „heute journals“ auf Anfrage. Die Information darüber, dass Frau Pöhlmann in der Politik aktiv ist, sei im Redaktionsablauf verlorengegangen. So etwas dürfe sich nicht wiederholen, man bitte um Entschuldigung.

          Der einzige Hinweis im Beitrag, dass zu Anke Pöhlmanns Leben, das „alle Kräfte“ kostet, auch ein Landtagswahlkampf gehört, war ein neben dem Notebook liegender kleiner Quader mit der kaum sichtbaren Aufschrift „Freie Demokraten“ gewesen. Es handelt sich dabei offenbar um eine „Powerbank“ aus dem FDP-Fanshop – auch ein Instrument zum Aufladen der Reserven.

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