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„Jugend schreibt“-Auszeichnung : Aufs Papier bringen, was tatsächlich zu sehen und zu erleben ist

Bei der Auszeichnung: Andreas Barner, Vorsitzender der Fazit-Stiftung, die Preisträger Justin Müll und Fritz Büttner und F.A.Z.-Herausgeber Holger Steltzner (von links). Bild: Wolfgang Eilmes

Was man für das und vom Leben lernen kann: Die Fazit-Stiftung zeichnet Autoren unseres Zeitungsprojekts „Jugend schreibt“ aus. Die Preisträger Fritz Büttner und Justin Müll stehen für außergewöhnliche Texte.

          Einmal in der Woche an jedem Montag erscheint im Sportteil dieser Zeitung die Seite „Jugend schreibt“. Vor drei Tagen ist die 1127. Seite mit Beiträgen von Schülern publiziert worden, die ein Jahr lang mit der Zeitung im Unterricht arbeiten. Bisher haben an unserer Lese- und Schreibwerkstatt rund 44 000 Schüler aus 1260 Schulen teilgenommen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Die besten Beiträge sind auch in diesem Jahr mit dem Fazit-Preis ausgezeichnet worden. „Die Fazit-Stiftung fördert den Journalismus – eine ganz frühe Form dieser Förderung ist ein Preis für besonders gut schreibende Schülerinnen und Schüler“, sagte Andreas Barner, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung. Er und Holger Steltzner, Herausgeber der F.A.Z., zuständig für die überregionalen Jugendprojekte der Zeitung, haben im großen Konferenzraum über den Dächern von Frankfurt zwei junge Autoren geehrt. Fritz Büttner vom Bayernkolleg in Schweinfurt und Justin Müll vom Gymnasium Kenzingen freuen sich über jeweils 2500 Euro. Beiden Preisträgern ist es gelungen, jeweils mindestens drei Aufmacher zu schreiben.

          Fritz Büttner besucht das Bayernkolleg in Schweinfurt. Er ist 28 Jahre alt, gelernter Zerspanungsmechaniker und macht sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. „Nicht beim Sterben zuschauen“ heißt sein faktenreicher Bericht über die Arbeit von Sea-Eye, in dem er sich mit der Seenotrettung und Erstversorgung von Flüchtlingen auseinandersetzt. Auf eine andere Weise herausfordernd ist sein zweites Thema. Der junge Familienvater schreibt über das einzige koschere Hotel Deutschlands in Bad Kissingen. Jüdische Zuwanderer erfreuen sich an Service und Tradition, aber auch Überlebende der Schoa finden dort einen Ruhepol. Weniger schwerblütig ist Fritz Büttners drittes Thema. Er hat sich die Abläufe einer fränkischen Brauerei angesehen. Wie viel Arbeit hinter diesen Artikeln steckt, verriet Fritz Büttner in seiner Dankesrede.

          Ebenfalls mit einem Fazit-Preis ausgezeichnet wurde Justin Müll. Er ist 17 Jahre jung und bereitet sich auf das Abitur auf dem Gymnasium Kenzingen vor. Auch er zieht zufrieden Bilanz: „Bei jeder Reportage lernte ich einzigartige Menschen mit fesselnden Geschichten kennen, erfuhr viel neues Wissen und hatte prägende Erfahrungen. Dabei war das, was zum Verfassen der Reportage dazugehört – das Recherchieren, das Kommunizieren und das Schreiben – nicht einfach Arbeit für mich, sondern mitunter waren das sehr emotionale Erlebnisse. Dazu gehörten viele lustige und angenehme Momente, aber auch tragische und sogar erschreckende.“ Was er mit erschreckend meint, zeigt sich bei zwei seiner wichtigsten Beiträge. Er hat die Geschichte der Familie Nathanson aufgeschrieben, deutsche Juden, die nach Schanghai geflohen sind. „Kinderleichen sah der Junge jeden Tag“, stand über seinem Beitrag. Außerdem hat Justin über die Verfolgung von Homosexuellen in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik und Formen heutiger Diskriminierung recherchiert. Justins Begegnung mit dem deutschen Botschafter in Frankreich, ein Besuch auf Salems Affenberg und in Goethes Gärten in Weimar zeigen die Bandbreite seiner Themen. Guter Journalismus lebt von Kontrasten. Das ist ein nicht zu unterschätzender Effekt dieses Projekts: Die Schüler haben die Möglichkeit, sich mit interessanten Berufen und Menschen auseinanderzusetzen, Begegnungen, die ihnen helfen, sich auf ihrem Weg zu orientieren und ihr Spektrum möglicher Berufswünsche zu erweitern. Im Kultusbehördendeutsch heißt das, die Schüler erleben einen „außerschulischen Lernort“. Dabei lernen sie viel über das Leben, seine Schönheit und seine Härten.

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