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FAZ.NET-Frühkritik: Maybrit Illner : Googles Prophezeiungen

  • -Aktualisiert am

Was weiß Google? Bild: dpa

„Wie gefährlich ist das Internet?“, wollte Maybrit Illner in ihrer Sendung wissen - und erlebte eine Charmeoffensive der digitalen Supermacht Google. Datenhunger? Nie gehört. Dabei ist klar: Was Google, Facebook und die anderen wissen, weiß niemand. Helfen kann dagegen nur eins: sensible Nutzer.

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          Ganz sicher kann man wohl nicht sein, ob Kay Oberbeck, der schöne Unternehmenssprecher für Google Nord- und Zentraleuropa, nicht ein Avatar ist. Zumindest scheint er perfekt gecastet, gibt er doch diesem im Kern stets unsichtbaren Unternehmen, das wie kein zweites in der Geschichte der Menschheit Daten, auch sensibelste Informationen, über die Welt und ihre Bewohner akkumuliert hat und nun algorithmisch zu kombinieren und auszuwerten beginnt, ein freundliches, menschliches Gesicht. Das ist offensichtlich auch seine eigentliche Aufgabe: die Verkörperung von Harmlosigkeit, das Vorgeben von Interesse an den Kritikern des Unternehmens und das halbherzige, nie aber beleidigte Widersprechen, wenn wieder einmal jemand - wie in diesem Fall Maybrit Illner, fahrig wie immer - die Frage stellt, ob Google denn tatsächlich die Weltherrschaft anstrebe. „Ach, Frau Illner“, so muss es ihm doch auf der Zunge liegen, „die haben wir nun wirklich längst erreicht, die verfluchten Chinesen einmal ausgenommen.“ Aber nein, das verkneift sich Kay Oberbeck, um verbindlich kundzutun: „Weltherrschaft, das ist nicht unser Ziel.“

          Später am Abend wird er noch sagen, Google habe gar kein Interesse an persönlichen Daten seiner Nutzer, allein für Suchanfragen interessiere man sich, schließlich sei man eine Suchmaschine. „In keinster Weise“ müsse jemand Angst vor seinem Unternehmen haben, das doch die Medienkompetenz stärken wolle. Alle Vorgänge im Internet hält Oberbeck für völlig transparent. Ausgerechnet das neue Werkzeug „Google Dashboard“ soll dafür einstehen: Dem Nutzer mit Google-Konto werden hier einige der in Verbindung mit seinem Account gespeicherten Informationen angezeigt (und Google die Nachfrage nach diesen Informationen), andere jedoch nicht. Noch nie, so Oberbeck, habe der Verbraucher eine solche Macht besessen wie heute. Selbst Google sei doch sehr schnell zurückgerudert, als viel Kritik an der Veröffentlichung privater Daten bei dem Dienst GoogleBuzz laut wurde. Das ist alles so treuherzig hingesagt, dass man es ihm am liebsten glauben möchte. Nur hin und wieder flutschen ihm Sätze heraus, die aufhorchen lassen: Auch eine digitale Supermacht könne ihr Vertrauen verspielen. Aha, das Bewusstsein für den Supermacht-Status ist also doch vorhanden.

          Google: die Radikalkommerzialisierung des Internets

          Soll man den Google-Sprecher also überhaupt in Diskussionsrunden über das Internet einladen, wenn von ihm nur weiche Dementis auf alle besorgten Fragen zu erwarten sind? Ja, man soll, man muss es sogar. Immerhin beherrscht das Unternehmen, für das er spricht, zusammen mit wenigen anderen den sozialen Kommunikationsraum Internet nicht nur. Sie drohen ihn durch Radikalkommerzialisierung zu zerstören, kaum dass wir seiner Chancen gewahr geworden sind. Das zuzulassen wäre politisch und gesellschaftlich fahrlässig. Maybrit Illner hat Oberbeck daher mit guten Gründen entschlossene Kritiker entgegengesetzt: Ilse Aigner, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Constanze Kurz, die Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC), sowie Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Autor des Buches „Payback“. Hinzu trat noch der Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan, der sich kritisch über Netzmonopolisten äußerte.

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