https://www.faz.net/-gqz-6uy0u

FAZ.NET-Frühkritik : Heilsteine gegen die Angst

  • -Aktualisiert am

Konnte einem bewährten Talkshow-Thema keine neuen Aspekte abgewinnen: Frank Plasberg Bild: dpa

Bei Frank Plasbergs „Hart aber fair“ ging es diesmal um die Frage, was bei einer Krebserkrankung hilft - schulmedizinische Methoden oder doch eher Misteln und Homöopathie? Ein Thema, das zu groß war für eine Stunde Talk am Abend.

          3 Min.

          Erst in den letzten Minuten ist Frank Plasbergs Talkrunde am Montagabend etwas tiefer in die Materie eingestiegen. Es ging um Krebs, die „Angst-Diagnose“, wie es im Titel der Sendung hieß; die Gäste waren, ganz klassisch, zwei Ärzte, zwei Betroffene und Caroline Beil in der Rolle der Angehörigen.

          Am Ende, in diesen letzten zehn Minuten von „Hart aber fair“, werden schnell noch ein paar Zahlen eingeblendet: Beim Bundesforschungsministerium gebe es keinen gesonderten Förderschwerpunkt für Alternativmedizin; in den Vereinigten Staaten dagegen werde Forschung auf dem Gebiet in diesem Jahr mit 128 Millionen Dollar unterstützt. Eine Mutter, deren zehnjähriger Sohn an Krebs litt und geheilt wurde, erzählt in einer kurzen, eigens eingespielten Reportage, warum sie, die ansonsten auf anthroposophische Methoden schwört, keinen Moment daran zweifelte, dass eine Chemotherapie für ihr Kind das einzig Richtige war: Das Therapieprogramm sei validiert, durch langjährige Studien überprüft gewesen, begründet die Frau ihre Überzeugung.

          Diese Sequenzen wären ein guter Einstieg gewesen in eine fundierte Debatte, die dem altbewährten Talkshow-Thema Krebs, das aus der Perspektive von immer neuen Patienten geschildert, mit immer anderen betroffenen Prominenten geschmückt worden ist, vielleicht noch etwas Neues hätte hinzufügen können. Doch der Einstieg in die Sendung verlief dann auch diesmal nach dem üblichen Muster. Es bleibt offenbar nicht aus, wenn man Diskussionsrunden über das Thema Krebs aufbaut, indem man zwei konträre Positionen konstruiert, die dann hinter dem Talkshowtresen aufeinanderprallen.

          Zwischen den Fronten der Patient

          Bei Frank Plasberg war es die Frage nach der alternativen Medizin und ihrem Einsatz in der Behandlung von Krebserkrankungen, die die Gäste entzweien sollte. Eingeladen auf Medizinerseite waren der Bielefelder Thoraxchirurg Theodor Windhorst, der den autoritären und überzeugten Schulmediziner gab, und Axel Weber, der in seiner Privatklinik für integrative Medizin dem Krebs ganzheitlich begegnen will. Die Beiträge beider Mediziner blieben vorhersagbar, waren sie doch von vornherein in die Kontrahentenrolle gezwängt worden – die sie aber durchaus konsequent ausfüllten.

          Zwischen diesen Fronten saßen auch diesmal die Patienten: Zwei Frauen, die an Brustkrebs gelitten hatten. Beide ließen sich operieren; die eine entschied sich danach für eine Chemo-, die andere für eine Misteltherapie; beide überlebten ihre Krankheit. Als Orientierungshilfe für den Zuschauer taugte das wenig, wurden doch die jeweiligen Chancen und Gefahren im Zuge der Sendung nur ansatzweise thematisiert: Einmal darf Windhorst anmerken, dass alternative Therapien Nebenwirkungen - etwa Fieber - haben können, die falsche Schlüsse über den Verlauf der Krankheit nahelegen. Er skizziert damit eine Schwierigkeit, die vor allem auftritt, wenn der Patient aus eigenem Antrieb neben einer schulmedizinischen Behandlung ohne Absprache andere Therapien in Anspruch nimmt. Ein anderes Mal, und hier ist es umso sträflicher, dass man eine Chance verstreichen lassen und den Aspekt nicht vertieft hat, benutzt Windhorst den Begriff „evidenzbasierte Medizin“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf sich allein gestellt: Migranten im spanischen Lepe

          Asylbewerber ohne Hilfe : Nach Spanien kommen kaum noch Migranten

          Vor der Corona-Krise landeten zeitweilig nirgendwo in Europa so viel Migranten wie in Spanien. Jetzt kommen nur sehr wenige. Die 120.000 Asylbewerber, die sich bereits im Land befinden, sind nun auf sich allein gestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.